Panzersperre: Moore schützen Klima und Nato-Ostflanke

Ein Bericht in Politico(öffnet im neuen Fenster) listet die Vorhaben der an Russland angrenzenden Nato-Staaten auf, in der Grenzregion gezielt Moore zu renaturieren. Sie sollen nicht nur CO 2 binden, sondern einen undurchdringlichen Wall für schweres Gerät bilden.
Insbesondere in Finnland und Polen werden milliardenschwere Projekte umgesetzt, um die oftmals trockengelegten Moorlandschaften wieder in ihren Ursprungszustand zu versetzen. Im Blick ist dabei jeweils die östliche Grenze zu Russland und im Fall von Polen zu Kaliningrad und Belarus. Die Generaldirektorin des finnischen Umweltministeriums bezeichnet die Bemühungen gegenüber Politico als Win-win-Situation.
Zerstörter Staudamm als Vorbild
Als Vorbild dient das Manöver der ukrainischen Armee im März 2022, als der aufgestaute Dnepr gezielt die Region nördlich von Kiew überflutete, um einen Vormarsch Russlands zu bremsen. Große Moorflächen sollen an der Grenze zwischen den europäischen Nato-Staaten und Russland zukünftig ähnlich hinderlich sein.
Gleichzeitig passt die Renaturierung ohnehin zu den Zielen der EU, nicht nur den CO 2 -Ausstoß immer weiter zu verringern, sondern auch Kohlenstoffdioxidsenken(öffnet im neuen Fenster) zu schaffen. Neben der Ausweitung von Wäldern und der Wiederherstellung von Humus im Boden gelten Moore als besonders vielversprechend.
Vor allem Europa hat viele trockengelegte Moore
Einmal trockengelegt, entweicht aus dem Boden kontinuierlich CO 2 . Auch wenn die Schätzungen nur grob sind, sollen alle trockengelegten Moorflächen weltweit 4 Prozent der globalen Emissionen ausmachen, mehr als die gesamte Luftfahrt.
Dagegen sind aktive Moore sehr effektive Kohlenstoffsenken, die wiedervernässt einen erheblichen Beitrag zur Klimaneutralität leisten könnten. Und Europa besitzt enormes Potenzial, weil hier knapp die Hälfte aller Moorflächen trockengelegt wurden.
Viele davon befinden sich, wie der Zufall es will, an der Nato-Ostgrenze. So verwundert es nicht, dass allein Polen 2,3 Milliarden Euro in die Wiederherstellung seiner Moorflächen in genau dieser Region steckt. Auch die baltischen Staaten schließen sich gerade den Plänen an.
Aveliina Helm, Professorin für Ökologie an der Universität von Tartu, Estland, weist in dem Bericht darauf hin, dass sich in der Renaturierungsstragetie der EU Klimaschutz- und Verteidigungsziele vereinen lassen.