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Pandemie-Software: "Kein Mensch braucht Sormas"

Viele Länder lehnen die Software Sormas zur Dokumentation von Corona-Patientendaten ab. Sie mache mehr Arbeit, die anderswo gebraucht werde.
/ Oliver Nickel
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Sormas wurde ursprünglich zur Bekämpfung von Ebola entwickelt. (Bild: HZI)
Sormas wurde ursprünglich zur Bekämpfung von Ebola entwickelt. Bild: HZI

Eigentlich sollte die Software Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System(öffnet im neuen Fenster) (Sormas) bereits in den Gesundheitsbehörden Deutschlands etabliert und standardmäßig genutzt werden. Es scheint, als sei dies allerdings nicht überall der Fall, trotz einer Frist bis Ende Februar. 176 von 376 Gesundheitsämtern im Land seien noch nicht an das System angebunden. Das hat T-Online(öffnet im neuen Fenster) auf Anfrage erfahren. Der Trend hat sich damit seit Mitte Januar nicht geändert. Zu diesem Zeitpunkt berichtete Golem.de über die geringe Akzeptanz in den Bundesländern.

Bremen und Berlin gehörten bisher zu den wenigen Städten, welche die Software zumindest bereitstellen. Das bedeutet nicht, dass Bezirke diese auch nutzen. "Wir wollen und werden Sormas nicht benutzen", sagte der Amtsarzt Patrick Larscheid T-Online.de. Er arbeitet für den Berliner Bezirk Reinickendorf.

"Kein Mensch braucht Sormas. Survnet und Demis können alles, was Sormas auch kann", ergänzt er. Die beiden erwähnten Programme werden aktuell in der Hauptstadt primär genutzt, um Daten über die Coronapandemie, über deren Patienten, Fallzahlen und andere Informationen zentral zu sammeln.

Etablierte Programme funktionieren

Das System funktioniere zuverlässig und müsse daher nicht durch eine neue Software ersetzt werden. Denn das hätte zur Folge, dass sämtliche Daten wohl wieder manuell in die neue Sormas-Datenbank übertragen werden müssten. Dafür bleiben laut Thorsten Kühne, Gesundheitsstadtrat des Berliner Bezirkes Pankow, schlicht keine Mittel und Zeit übrig. Zurzeit archivieren Krankenhäuser im Bezirk ihre Patientendaten mittels Survnet und Demis, aber auch manuell erstellten Excel-Listen.

HZI stellt Pandemiesoftware Sormas vor
HZI stellt Pandemiesoftware Sormas vor (01:16)

Sormas habe den Vorteil, dass gespeicherte Daten zwischen Nutzern der Software – in dem Fall Ämter – weitergereicht werden können. Das kann bei der Analyse über den Pandemieverlauf essenziell sein. Die Software Demis soll diese Funktion wohl bald ebenfalls erhalten.

In anderen Bundesländern wird Sormas allerdings nicht einmal angeboten: in Hamburg, Sachsen und im Saarland beispielsweise. Neben der Implementation der Software selbst muss dabei auch Personal geschult werden, was in vielen Fällen ein längerer Prozess sein kann. Es ist daher unwahrscheinlich, dass die selbstauferlegte Frist zu Ende Februar eingehalten werden kann – erst recht, wenn das Programm offen abgelehnt wird.

Sormas wurde ursprünglich für die Bekämpfung von Ebola in Afrika entwickelt. Die Software bietet Formulare und Eingabefelder für diverse Informationen und speichert diese lokal auf dem Gerät ab. Sobald eine Internetverbindung besteht, werden Informationen mit einer zentralen Datenbank synchronisiert, auf die alle so eingestellten Sormas-Endgeräte Zugriff haben.


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