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Panasonic Aviation: Entertainment-Systeme in Flugzeugen können auch schick sein

CES 2015
Wo heute Röhrenfernseher durch die Luft fliegen, sollen in Zukunft moderne Unterhaltungssysteme sein: Panasonic will in einem Jahr die ersten Android-Entertainment-Systeme mit NFC an Fluggesellschaften ausliefern. Doch der Weg zum Smart Plane ist noch lang.
/ Andreas Sebayang
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Im Vordersitz eingebautes In-Flight-Entertainment-System mit Android (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)
Im Vordersitz eingebautes In-Flight-Entertainment-System mit Android Bild: Andreas Sebayang/Golem.de

Wer viel mit älteren Langstreckenflugzeugen fliegt, weiß, dass Entertainment-Systeme mitunter ziemlich altbacken wirken. Beim Touchscreen kann man kaum von einer Touch-Kalibrierung sprechen. Die Darstellungsqualität unterbietet selbst Flachbildschirme aus der Mitte der Nullerjahre, und die Entertainment-Boxen stören im Fußraum. Dazu kommen regelmäßige Reboots des Windows-CE-Systems, die dann die gesamte Kabine betreffen.

Dass es auch anders geht, hat Panasonic auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas mit seinem In-Flight-Entertainment-System(öffnet im neuen Fenster) demonstriert, das mehrere Fluggesellschaften bereits einsetzen. Panasonic Aviation arbeitet mit den Herstellern der Sitze zusammen, um die Technik möglichst unauffällig und wenig aufdringlich zu integrieren. Direkt unter der Sitzfläche ist die Box angebracht, die sowohl die Energieverteilung übernimmt, zum Beispiel an Steckdosen im Sitz für Notebooks, als auch die Videoverteilung. Das System arbeitet zudem mit einem 16:9-Bildschirm mit sehr guter Darstellung und einem gut reagierenden Betriebssystem. Panasonic setzt schon seit Jahren auf Android.

In der Praxis kennen wir das System noch nicht. Obwohl wir häufiger unterwegs sind, sind wir überwiegend mit alten Windows-CE-Systemen europäischer Fluggesellschaften vertraut.

Eine Box – vier Sitzplätze

Die Redundanz des Betriebssystems kann die Fluggesellschaft bestimmen. In der Regel ist eine Entertainment- und Power-Box im Sitz für drei bis vier Sitze verantwortlich. Im Falle von Serverproblemen besitzen die Systeme zudem eigenen Speicher, auf den sie zugreifen können. Ausstattungsmerkmale wie USB- oder HDMI-Buchsen gibt es ebenfalls. Außerdem ist das Leselicht bei diesem Entertainment-System in den Sitz integriert, so dass der Nachbar nicht mehr so stark gestört wird. Mood-Lighting gehört ebenfalls zu den Möglichkeiten. Wer möchte, dass das Flugzeugessen zumindest lecker aussieht, schaltet das Licht einfach auf Gelb.

Zum Design des Entertainment-Systems gehört noch mehr. So ist es etwa möglich, das Smartphone in einer extra Tasche per Induktion aufzuladen. In Zukunft sollen zudem Zahlungen per NFC möglich werden. An dieser Neuerung arbeitet Panasonic gerade. Denkbar wäre dann etwa das Bezahlen von Essen, zollfreien Waren oder auch Videoinhalten mit NFC-basierten Zahlungssystemen, seien es NFC-Anwendungen mit Secure Element wie Apple Pay oder auch Nahfunk-Bezahlkarten, die den Card Emulation Mode des NFC-Standards benötigen. Details zu NFC liefert unser Artikel NFC in der Analyse .

Jeder Fluggast wird individuell unterhalten

Panasonic erlaubt zudem auch eine Personalisierung des Entertainment-Systems per App. Vor dem Flug kann der Anwender beispielsweise Inhalte auswählen und synchronisiert seine Einstellungen mit dem Entertainment-System im Vordersitz. Welche Art der Personalisierung stattfindet, hängt allerdings, wie vieles bei diesem System, von der Implementierung der Fluggesellschaft ab. Zudem ist die Plattform offen. Die Fluggesellschaft, aber auch andere Drittentwickler können für das In-Flight-Entertainment-System Anwendungen programmieren und auf den Systemen installieren. Das sollte den Fluggesellschaften mehr Flexibilität geben, schneller auf Entwicklungen zu reagieren.

Bei dem Ergänzen der Hardware dauert es jedoch länger. Bis zum ersten Einsatz des Entertaiment-Systems mit NFC wird es noch eine Weile dauern. In den nächsten ein bis eineinhalb Jahren soll der erste Kunde neue Entertainmentsysteme einsetzen. Der erste Kunde kommt laut Panasonic Aviation aus China. Wer das genau ist, wollte Panasonic jedoch nicht verraten.

Hohe Anforderungen an die Sicherheit verhindern schnellen Einsatz

Flugzeuge bleiben meist 20 Jahre im Einsatz. Im Rahmen von Retrofit-Projekten entscheiden sich zwar einzelne Fluggesellschaften dafür, die Ausrüstung in ihren Flugzeugen auszutauschen. Doch noch immer finden sich selbst in technisierten Ländern wie den USA alte Flugzeuge, die mit schweren Röhrenmonitoren unterwegs sind – die Neuausrüstungszyklen sind zum Teil sehr lang.

Ein weiteres Problem ist die Zertifizierung, wie uns Panasonic auf der CES erzählte. Allein sie kann zwischen 12 und 24 Monate beanspruchen. Dabei wird beispielsweise sichergestellt, dass im Fall eines Absturzes ein auf den Bildschirm aufschlagender Kopf nicht Tausende kleine Glassplitter durch die Kabine fliegen lässt, die Passagiere zusätzlich verletzen.

Zusammen mit den allgemeinen Zyklen und Kosten für den Austausch von Kabinentechnik vergeht viel Zeit. Bis wirklich alle Flugzeuge mit einem guten Entertainment-System ausgestattet werden können, kann durchaus ein Jahrzehnt vergehen.


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