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Palantir in Deutschland: Wo die Polizei alles sieht

Hessens Polizei arbeitet als erste in Deutschland mit Software des US-Unternehmens Palantir. Das spart Ermittlern enorm viel Zeit und Aufwand. Politiker der Linken und FDP kritisieren die Verbindung von Polizei-Datenbanken.

Artikel von Jannis Brühl/Süddeutsche.de veröffentlicht am
Palantir-Software soll Ermittlern Zeit sparen.
Palantir-Software soll Ermittlern Zeit sparen. (Bild: THOMAS LOHNES/AFP/Getty Images)

Verborgenes wird sichtbar, wenn Kriminalhauptkommissar Otto an seinem Laptop Gotham aktiviert. Zum Beispiel Linien zwischen Porträtfotos mürrisch dreinblickender Salafisten, ihren Kontaktpersonen und Handyicons, unter denen Telefonnummern stehen, die zu weiteren Personen führen. Otto zieht einen Namen mit der Maus auf ein Feld namens Graph - und die Gotham-Software baut ein weiteres Spinnennetz aus Informationen auf dem Bildschirm auf: Wann die Überwachten mit wem telefonierten, zu welcher Islamisten-Gruppe sie gehören, welche Waffe und welches Auto zu welcher Person gehören.

Inhalt:
  1. Palantir in Deutschland: Wo die Polizei alles sieht
  2. Opposition untersucht Auftragsvergabe an Palantir

Die Software ist wie ein zweites Gehirn für Polizisten, ein Gehirn mit Röntgenblick, das in einer Sekunde Dutzende Verbindungen erkennt. "Das hätten wir früher nie und nimmer gefunden", sagt Otto, und meint die Zeit, als sich Polizisten stunden- oder gar tagelang durch viele Datenbanken klicken mussten. Hauptkommissar Otto, der seinen Vornamen nicht in den Medien lesen will, jagt Salafisten von seinem Laptop aus. Er sitzt tief im Bauch des Frankfurter Polizeipräsidiums, wo ein Aufkleber an einer Tür auf Hessisch verkündet: "Mir basse uff!" Otto ist Teil eines kleinen Teams, das seit 2017 für das Land Hessen die Zukunft der Polizeiarbeit testet - oder, aus Sicht der Skeptiker: die Zukunft des Überwachungsstaates. 200 Staatsschützer sind im Umgang mit Gotham, das nach Batmans Heimatstadt benannt ist, schon geschult.

Die für Hessen angepasste Version von Gotham heißt Hessendata und ist ein Programm des Unternehmens Palantir aus Palo Alto. Damit hält eine der umstrittensten Firmen des Silicon Valley Einzug in der deutschen Polizei. Gegründet wurde sie 2003 von Peter Thiel - Paypal-Gründer, Facebook-Investor, Milliardär. Wichtiger früher Geldgeber von Palantir war In-Q-Tel, der Investment-Ableger der CIA. An diesem Donnerstag meldete das Wall Street Journal, Palantir prüfe, 2019 an die Börse zu gehen - und könnte mit bis zu 41 Milliarden Dollar bewertet werden. Thiel hat das Unternehmen nach den sehenden Steinen aus Herr der Ringe benannt.

Soll so eine Firma in die Nähe deutscher Polizei-Daten?

Nicht nur Geheimdienste gehören zu den ältesten Kunden. In Afghanistan und im Irak ordnete die Software für die US-Armee den Wust an Informationen, den der Krieg aufwirbelte. Palantir-Chef Alexander Karp sitzt seit März im Aufsichtsrat von Axel Springer, und in dem Frankfurter Projekt wird nun auch seine Software in Deutschland eingesetzt. Oppositionspolitiker stellen die Frage, ob man eine Firma, die so tief mit dem militärisch-digitalen Komplex der USA verwachsen ist, in die Nähe von Daten der deutschen Polizei lassen sollte.

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Wenn Hauptkommissar Otto Hessendata öffnet, sieht er eine Suchmaske - eine Art Robocop-Google, mit der er Verdächtige und ihr Umfeld durchleuchtet. Gothams Macht liegt darin, dass es Informationen aus verschiedensten Quellen kombinieren kann, die lange nicht kompatibel waren - praktisch unabhängig von Format und Struktur der Daten. So entsteht ein immer größeres Informationsnetz.

Hessendata nutzt sieben Quellen: Drei Polizeidatenbanken für Kriminalfälle und Fahndungen, dazu Verbindungsdaten aus der Telefonüberwachung: Wer rief wen wann und wo an? Hinzu kommen Daten aus ausgelesenen Handys Verdächtiger und Fernschreiben. Mit denen übermittelte das Bundeskriminalamt zum Beispiel nach dem Attentat am Berliner Breitscheidplatz Informationen über den Täter Anis Amri an Polizisten im ganzen Land.

Die Software bindet auch private Facebook-Daten ein

Hessendata geht noch einen Schritt weiter und bindet Daten aus sozialen Medien ein. Als Facebook Business Records erhält die Polizei alle Informationen aus Facebook-Profilen von Verdächtigen. Dazu muss sie ein Rechtshilfeersuchen an US-Behörden stellen, die den Datensatz von Facebook besorgen. Kommissar Otto scrollt durch Chats, Likes und Logins mit der IP-Adresse eines Überwachten, alles maschinenlesbar: Nachrichten auf Arabisch, unter jeder steht die Übersetzung der Polizeidolmetscher. Es geht um den Bau von Bomben, die Chats sind echt, nach ihrer Auswertung nahmen Ermittler im Februar einen 17-Jährigen fest. Er soll einen Anschlag geplant haben. Die Polizei präsentiert das als Erfolg der neuen Software. Der Datensatz von Facebook ist so umfangreich, dass Otto sagt: "Das hätte 14 Meter Regale gefüllt."

Gerhard Bereswill erklärt das zum Quantensprung: "Wir haben eine neue Welt betreten." Frankfurts Polizeipräsident lacht und zeigt auf die Leinwand, auf der Hauptkommissar Otto das Programm vorführt. "Mich begeistert das ja immer: Alles mit einem Klick." Er erzählt eine Anekdote aus der RAF-Zeit: Es habe zwei Hinweise auf die konspirative Wohnung gegeben, in der die Entführer den damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer gefangen hielten. Doch ein Hinweis lag im Posteingang der Kölner Polizei, der andere beim BKA. Keiner verband die beiden Punkte mit einer Linie. Heute, impliziert Bereswill, würde Hessendata das tun und Schleyer finden. Die Trennung der vielen Datenbanken von Bund und Ländern habe auch die NSU-Ermittlungen behindert.

Die neue Entwicklung finden nicht alle positiv: Bürgerrechtler kritisieren die Verbindung von Polizei-Datenbanken. Denn eigentlich müssen diese Silos, in denen persönliche Informationen gespeichert sind, strikt voneinander getrennt sein - das verlangt der Datenschutz. Deshalb hat jede Datenbank ihre eigene Errichtungsanordnung. Sie regelt genau, wie mit den Informationen umzugehen ist, wer in der Kartei stehen darf und wer nicht.

Opposition untersucht Auftragsvergabe an Palantir 
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brotiger 29. Okt 2018

Das bisschen Software hätte jeder entwickeln können, man hat halt wie üblich einfach beim...

brotiger 29. Okt 2018

35% der Straftäter werden innerhalb von drei Jahren rückfällig, 48% innerhalb von neun...

brotiger 29. Okt 2018

Weil der Deutsche wieder von einem Extrem ins andere fällt, anstatt einen guten...

Quantium40 22. Okt 2018

Warum denn nicht? Die Datenerhebung bei den Amis macht die NSA und nicht die CIA. (Wobei...

Quantium40 22. Okt 2018

Ist doch ganz einfach: Deutsche Behörde besorgt Datensatz direkt - total illegal. US...


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