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Palantir, Big Tech & ICE: Wie in den USA der größte Fahndungsapparat der Welt entsteht

ICE verbindet massenhaft Daten aus Behörden und Privatwirtschaft zu einem gigantischen Überwachungsapparat, dessen Herzstück Palantir bildet.
/ Manuel Atug
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Plakat auf einer Demonstration in New York im März 2026 (Bild: Camara Porter/ AdMedia /Sipa USA)
Plakat auf einer Demonstration in New York im März 2026 Bild: Camara Porter/ AdMedia /Sipa USA
Inhalt
  1. Palantir, Big Tech & ICE: Wie in den USA der größte Fahndungsapparat der Welt entsteht
  2. Wie ICE mit Palantir massenhaft Bürger überwacht
  3. Maßgeschneiderte Palantir-Werkzeuge für ICE
  4. Riesige Datenmengen sind zentral durchsuchbar
  5. Wie US-Strafverfolgungsbehörden Daten mithilfe von Palantir austauschen
  6. Datenbroker und Social-Media-Analytik
  7. Zugriff auf biometrische Daten der EU
  8. Doge liefert die Daten, ImmigrationOS automatisiert
  9. Welche Unternehmen für die Massenüberwachung Daten und Systeme liefern
  10. Und Deutschland?

230 Millionen biometrische Identitäten, Milliarden Kennzeichenscans, Standortdaten und Daten aus unzähligen staatlichen und kommerziellen Quellen wie Databrokern und der Werbeindustrie: In den USA ist über Jahre ein Überwachungsapparat entstanden, der Menschen nahezu lückenlos überwachen und ihr Verhalten nahezu in Echtzeit erfassen kann. Eine Schlüsselrolle spielt Palantir, das Machtzentralen in entsprechenden Behörden etabliert.

Die Plattform unterstützt die US-Einwanderungsbehörde ICE dabei, Menschen zu identifizieren, zu verfolgen und Abschiebungen vorzubereiten; ihre Werkzeuge werden inzwischen auch gegen Demonstranten und andere Zielpersonen eingesetzt.

Die Entwicklung reicht längst bis nach Europa: Europäische Polizeidaten sollen enger eingebunden werden, während Palantir-Technologie bereits in Deutschland zum Einsatz kommt. Diese Artikelreihe zeichnet umfassend nach, welche Datenquellen, Unternehmen und Behörden darin zusammenspielen – und welche Folgen das für Bürgerinnen und Bürger weit über die USA hinaus hat.

Wie aus vielen Datenquellen ein gigantischer Überwachungsapparat wird

Hinter Palantir steckt keine einzelne Software, sondern ein Baukasten an Systematik(öffnet im neuen Fenster) verschiedener Plattformen für Sicherheitsbehörden, Militär und Unternehmen. Zu den bekanntesten gehören Gotham(öffnet im neuen Fenster) für Polizei, Geheimdienste und Streitkräfte, Foundry(öffnet im neuen Fenster) für Unternehmen, die KI-Plattform AIP(öffnet im neuen Fenster) sowie die Geodatenplattform Gaia(öffnet im neuen Fenster).

Allen gemein ist, dass sie Informationen aus unterschiedlichsten Quellen zusammenführen, in einem gemeinsamen Datenmodell auswerten und visuell aufbereitet anzeigen können. Dadurch lassen sich etwa biometrische Daten, Reise- und Visainformationen, Kennzeichenscans, Standortdaten, Polizeidaten und Informationen kommerzieller Datenhändler zu einem umfassenden Überwachungslagebild verbinden. Die eigentliche Stärke liegt also weniger in einzelnen Datenquellen als in ihrer Verknüpfung und Etablierung von Machtzentralen in Behörden.

Palantir ordnet alle eingespeisten Informationen und Datenpunkte Objekten wie einer Person, einem Fahrzeug oder einem Ort zu und stellt Beziehungen zwischen ihnen her.

Auf dieser Grundlage lassen sich weitere Palantir-Werkzeuge aufsetzen, die etwa Personen priorisieren, Bewegungsprofile erstellen, Einsatzkräfte koordinieren oder Ermittlungen vorbereiten und Zugriffszeitpunkte optimieren. Die Plattform entwickelt sich damit als Machtzentrale zu einer Art Betriebssystem für Sicherheitsbehörden: Sie ersetzt bestehende Fachverfahren nicht, verbindet sie aber zu einem gemeinsamen Informations- und Analysesystem. Wie das System Palantir aufgebaut ist, werden wir in einem Folgeartikel noch genauer beschreiben.

Ein Produkt "zum Töten"

Welche Geisteshaltung hinter Palantir steckt, zeigt sich an einigen der wichtigen Köpfe des Unternehmens. Peter Thiel, einer der Gründer von Palantir, hält die Freiheit (als Unternehmer) nicht mit der Demokratie für vereinbar(öffnet im neuen Fenster) und investiert daher auch in die erste demokratiefreie Privatstadt Próspera(öffnet im neuen Fenster). Joe Lonsdale als Mitgründer von Palantir sprach sich 2025 dafür aus, gewalttätige Kriminelle öffentlich zu hängen(öffnet im neuen Fenster). Zudem wolle er "maskuline Führung" zurückbringen. Alex Karp als CEO von Palantir sagt(öffnet im neuen Fenster): "Unser Produkt wird gelegentlich zum Töten von Menschen verwendet."

Das Geschäft von Palantir wächst rasant: Das Unternehmen gab kürzlich bekannt, dass es seinen Umsatz im Jahresvergleich auf 1,94 Milliarden US-Dollar fast verdoppelt hat. Das Wachstum kommt demnach vor allem aus dem US-Geschäft und dabei vor allem aus dem mit Regierungsbehörden (Erlöse: 809 Millionen US-Dollar).

Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE ist langjähriger und treuer Kunde von Palantir. Die Juristin und Autorin Sandra Navidi hat den aktuellen Zustand der ICE in dem Beitrag ICE: Lizenz zum Töten: Wie Trumps ICE-Agenten den Rechtsstaat pervertieren(öffnet im neuen Fenster) in wenigen Minuten treffend zusammengefasst.

Gerade die Fähigkeit, immer wieder neue Datenquellen einzubinden, automatisiert auszuwerten und zu visualisieren, macht Palantir für Behörden wie die US-Einwanderungsbehörde ICE so attraktiv – und für Bürger gefährlich.


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