• IT-Karriere:
  • Services:

P2P: Der Wohnsitz beeinflusst das Filesharing-Verhalten

Auf welche Weise Menschen Filesharing-Netzwerke nutzen, hängt weniger mit der simplen Verfügbarkeit von Breitbandinternet zusammen als mit den Lebensumständen der Anwender. Das haben Wissenschaftler herausgefunden. Sie überwachten Millionen Bittorrent-Nutzer aus armen und reichen Ländern.

Artikel veröffentlicht am , Matthias Matting
Filesharing-Netzwerke erschweren die Sammlung von Nutzerdaten.
Filesharing-Netzwerke erschweren die Sammlung von Nutzerdaten. (Bild: Bittorrent)

Weltweit nutzen 150 Millionen Menschen mindestens einmal im Monat das P2P-Filesharing-Netzwerk Bittorrent. Je nach Kontinent trägt es zwischen 9 und 27 Prozent zum gesamten Internet-Traffic bei. Trotzdem existieren wenige Daten zum Nutzerverhalten - was daran liegt, dass es sich um ein Netz ohne zentrale Server handelt, das unter anderem gerade deshalb in dieser Form geschaffen wurde, um die Sammlung von Nutzerdaten zu erschweren.

Stellenmarkt
  1. ARIBYTE GmbH, Berlin
  2. Deloitte, Leipzig

Das Netzwerk bleibt wegen seiner ökonomischen und politischen Auswirkungen ein einflussreiches System und ein spannendes Untersuchungsobjekt für die Wissenschaft. In den Veröffentlichungen der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) stellt jetzt ein internationales Forscherteam Ergebnisse einer vierjährigen Datensammeltätigkeit vor. Als Messfühler diente ihnen Ono, ein Plugin für den Bittorrent-Client Vuze. Mit expliziter Genehmigung von 1,4 Millionen Usern des Plugins konnten die Forscher eine umfangreiche Datenbank darüber aufbauen, wer mit Bittorrent was mit wem austauscht.

Erste Erkenntnis: Zwar zeichneten die Wissenschaftler den Dateityp nicht auf, wohl aber die Dateigröße. Dabei ergaben sich deutlich Peaks bei bestimmten Dateigrößen, die sich Inhaltstypen zuordnen ließen. 18 Prozent der getauschten Dateien enthielten demnach Musik, 12 Prozent TV-Serien, 26 Prozent SD-Filme und 9 Prozent HD-Filme. Zusätzlich ordneten die Forscher ihren Daten das Herkunftsland der IP-Nummer zu - und waren überrascht: Einzelne Länder zeigten jeweils ziemlich klare Profile, was das Nutzerverhalten in P2P-Netzwerken betrifft. Gemeinsamkeiten lassen sich schnell finden, wenn man dazu den sozioökonomischen Status des Landes betrachtet. Nutzer aus Ländern wie Schweden, den Niederlanden und den USA verhielten sich anders als Nutzer aus Brasilien und Indien.

Die Forscher ziehen aus ihrer Arbeit Schlussfolgerungen, die zum Beispiel die Diskussion zwischen der Content-Industrie und den Peer-to-Peer-Usern betreffen. So führt allein die Möglichkeit schneller Downloads nicht dazu, dass die Nutzer tatsächlich mehr Dateien untereinander austauschen. In den USA und anderen relativ reichen Ländern werden HD-Filme und HD-TV-Sendungen nicht in dem Maße heruntergeladen wie zu erwarten, wenn man die schnellen Internetverbindungen betrachtet. Stattdessen ziehen sich die Nutzer in all den Ländern besonders viele Filme via Bittorrent, in denen nur wenige (legale) Streaming-Möglichkeiten zur Verfügung stehen - und zwar trotz der schlechteren Infrastruktur.

Zum Zweiten zeigt sich aber auch, dass eine strenge Umsetzung des Urheberrechtsschutzes wenig bewirkt: In den reicheren Ländern werden unverhältnismäßig mehr Musikdateien per Bittorrent ausgetauscht als in den ärmeren. Die Forscher vermuten, dass das noch immer an einem Mangel an einfach zugänglichen, legalen Kanälen für digitale Musik und E-Books liegt.

Schließlich, und dieser Aspekt ist den Wissenschaftlern am wichtigsten, zeigt die Untersuchung auch, dass die meisten P2P-User eher Spezialisten als Generalisten sind - ein großer Anteil der Nutzer teilt nur einen einzigen Typ von Inhalten. Das hat Folgen für die Netzwerk-Infrastruktur: Es führt dazu, dass sich das komplette P2P-Netzwerk in mehrere, kaum miteinander verknüpfte Bereiche aufspaltet. Umso wichtiger wird ein cleverer Algorithmus zur richtigen Wahl der Peers, wie ihn das Ono-Plugin zum Ziel hat. Da sich zudem die Spezialisierung oft auf Ländergrenzen beschränkt, funktionieren P2P-Netzwerke auch länderübergreifend überraschend effizient - die meisten Daten bleiben eben innerhalb der Landesgrenzen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  2. (u. a. 860 Evo 500 GB SSD für 74,99€, Portable T5 500 GB SSD 94,99€, Evo Select microSDXC 128...

Dwalinn 08. Okt 2014

Vor kurzem hätte ich dir noch widersprochen, aber da viele meiner BluRays ewig zum...

Hugie 08. Okt 2014

Nenn doch mal ein paar Beispieldienste mit links, damit wir das verifizieren (und...

Coding4Money 08. Okt 2014

Nein, gar nichts.

SelfEsteem 08. Okt 2014

Ich glaube ich werd langsam alt ... was ist denn OCH? Google sagt dazu "ein stoehn...

cyliax 07. Okt 2014

Also wenn ich deinen Beitrag hier so verfolge, könnte man eher meinen, dass es wichtig...


Folgen Sie uns
       


Wo bleiben die E-Flugzeuge? (Interview mit Rolf Henke vom DLR)

Wir haben den Bereichsvorstand Luftfahrt beim DLR gefragt, was Alternativen zum herkömmlichen Flugzeug so kompliziert macht.

Wo bleiben die E-Flugzeuge? (Interview mit Rolf Henke vom DLR) Video aufrufen
Nitropad im Test: Ein sicherer Laptop, der im Alltag kaum nervt
Nitropad im Test
Ein sicherer Laptop, der im Alltag kaum nervt

Das Nitropad schützt vor Bios-Rootkits oder Evil-Maid-Angriffen. Dazu setzt es auf die freie Firmware Coreboot, die mit einem Nitrokey überprüft wird. Das ist im Alltag erstaunlich einfach, nur Updates werden etwas aufwendiger.
Ein Praxistest von Moritz Tremmel und Sebastian Grüner

  1. Nitropad X230 Nitrokey veröffentlicht abgesicherten Laptop
  2. LVFS Coreboot-Updates sollen nutzerfreundlich werden
  3. Linux-Laptop System 76 verkauft zwei Laptops mit Coreboot

Geforce Now im Test: Nvidia nutzt einzigartige CPU und GPU
Geforce Now im Test
Nvidia nutzt einzigartige CPU und GPU

Wer mit Nvidias Geforce Now spielt, bekommt laut Performance Overlay eine RTX 2060c oder RTX 2080c, tatsächlich aber werden eine Tesla RTX T10 als Grafikkarte und ein Intel CC150 als Prozessor verwendet. Die Performance ist auf die jeweiligen Spiele abgestimmt, vor allem mit Raytracing.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Cloud Gaming Activision Blizzard zieht Spiele von Geforce Now zurück
  2. Nvidia-Spiele-Streaming Geforce Now kostet 5,49 Euro pro Monat
  3. Geforce Now Nvidias Cloud-Gaming-Dienst kommt noch 2019 für Android

Generationenübergreifend arbeiten: Bloß nicht streiten
Generationenübergreifend arbeiten
Bloß nicht streiten

Passen Generation Silberlocke und Generation Social Media in ein IT-Team? Ganz klar: ja! Wenn sie ihr Wissen teilen, kommt am Ende sogar Besseres heraus. Entscheidend ist die gleiche Wertschätzung beider Altersgruppen und keine Konflikte in den altersgemischten Teams.
Von Peter Ilg

  1. Frauen in der Technik Von wegen keine Vorbilder!
  2. Arbeit Warum anderswo mehr Frauen IT-Berufe ergreifen
  3. Arbeit Was IT-Recruiting von der Bundesliga lernen kann

    •  /