p-Bor-Fusion: Die Kernfusion komplett neu denken mit Geld von Trump
Der Zusammenschluss der Trump Media & Technology Group und TAE Technologies bedeutet vor allem für das Fusions-Start-up frisches Geld, um einen höchst experimentellen Ansatz der Kernfusion weiterzuverfolgen. Wie die ARD-Finanzexpertin Angela Göpfert(öffnet im neuen Fenster) zeigt, hat dies zunächst einmal das Vermögen von Donald Trump um 500 Millionen Dollar erhöht.
Das liegt daran, dass Unternehmen wie TAE Technologies perfekt zur Strategie der US-Regierung passen, neue Kraftwerkstypen zu fördern, die die neuen KI-Rechenzentren versorgen sollen. Genau das wird den erneuerbaren Energien nicht zugetraut, deren Ausbau durch die US-Regierung schon längst behindert wird.
p-Bor-Fusion hat noch nie Energieüberschuss geliefert
Die Kernfusion, die das Start-up etablieren will, unterscheidet sich grundlegend von den Ansätzen fast aller anderen Unternehmen aus dem Bereich. Und eine Kernfusion ist es eigentlich auch nicht.
Statt mit Deuterium und kaum verfügbarem wie radioaktivem Tritium die Fusion zu Helium zu erzwingen, wird vergleichsweise gut verfügbares Bor mit einem Wasserstoffkern(öffnet im neuen Fenster), somit einem Proton, beschossen. In Summe ergäbe dies Kohlenstoff, aber unter extremen Bedingungen wird ein Heliumkern emittiert. Das Restprodukt, ein Berylliumisotop, zerfällt anschließend ebenfalls in zwei Heliumkerne. Im Grunde ist es Kernzerfallsprozess mittels Alphastrahlung.
Radioaktivität tritt trotzdem auf
Der Energieüberschuss, der in Form von Bewegungsenergie der Heliumkerne auftritt, ist mehr als doppelt so groß wie bei der Deuterium-Tritum-Fusion. Als größter Vorteil wird dabei das Fehlen von Neutronenstrahlung genannt, durch die radioaktive Isotope in den Reaktorwänden entstehen könnten.
Gleichzeitig handelt es sich bei der Abstrahlung von Heliumkernen um radioaktive Alphastrahlung. Auch Gammastrahlung sowie freie Neutronen sind in Experimenten nachgewiesen worden.
Technisch fast unmögliche Kernfusionsreaktion
Das größte Problem ist die hohe Temperatur, die zum Überwinden der Coulombbarriere bei einem größeren Kern wie dem von Bor nötig ist. Von zehnmal höheren Temperaturen als bei Iter, dem Versuchsreaktor in Südfrankreich, ist die Rede. Das wäre ein Wert jenseits von einer Milliarde Kelvin.
Mithilfe von Teilchenbeschleunigern können solche Bedingungen erzeugt werden, wie erfolgreiche Experimente aus dem Jahr 2012(öffnet im neuen Fenster) zeigen. Beschleunigte Protonen und bereits zu Plasma erhitztes Bor konnten fusioniert werden. Die resultierenden Heliumkerne, mit denen die Energiegewinnung überhaupt möglich wäre, wurden erst zehn Jahre später nachgewiesen(öffnet im neuen Fenster), unter Beteiligung von TAE Technologies.
Um aus diesem zu großen Teilen weiterhin theoretischen Ansatz Energie zu gewinnen, müssen sowohl der magnetische Einschluss als auch die Erzeugung von Strom neu gedacht werden. Ein experimenteller Ansatz einer Magnetfeldkonfiguration(öffnet im neuen Fenster) und die direkte Umwandlung der kinetischen Energie(öffnet im neuen Fenster) der Heliumkerne sollen laut TAE Technologies genutzt werden.
Großer Rückstand, große Ambitionen
Dennoch soll ein funktionsfähiger Reaktor irgendwann nach 2030 präsentiert werden. Solche Zeitpläne gab es bei Fusionsprojekten schon immer. Iter beispielsweise liegt derzeit etwa 15 Jahre hinter den zuerst genannten Vorgaben, gerade einmal 18 Jahre nach Projektbeginn.
Der Ansatz mit einem anderen Brennstoff, zumal einem gut verfügbaren, bleibt dennoch interessant. So finden sich regelmäßig wissenschaftliche Artikel zur p-Bor-Fusion. Ein Team aus mehreren chinesischen Forschungseinrichtungen(öffnet im neuen Fenster) hat mit hochkomprimiertem Bor Fortschritte erzielt, weil wesentlich mehr Fusionsprozesse angestoßen werden konnten.
Zumindest in der Theorie könnten die Ergebnisse darauf hindeuten, dass ein so hoher Dichtewert für die Boratome erreicht werden kann, durch den schließlich ein Nettoenergiegewinn realisiert werden kann.
Maximal spekulativer Ansatz
Abgesehen von der vielversprechenden Auswahl an Brennmaterial und der geringeren Strahlenbelastung deutet derzeit wenig darauf hin, dass TAE Technologies in absehbarer Zeit zum Energieproduzent wird. Einen Nachweis, dass die Reaktion von Bor mit Wasserstoffkernen zur Energiegewinnung genutzt werden könnte, fehlt. Auch die nötigen Plasmatemperaturen konnten nur durch Teilchenbeschleunigung erreicht werden.
So bald ist mit der Revolution der Kernfusion also nicht zu rechnen. Dem Börsenwert der Trump Media & Technology Group(öffnet im neuen Fenster) ist die Fusion dennoch gut bekommen.
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