Owncloud 8.1 erschienen: Wenn die Cloud zur App-Plattform wird

Vor wenigen Wochen hat der Owncloud-Gründer Frank Karlitschek seine Idee beschrieben, die Software zu einer Plattform für Apps auszubauen und so weiter zu wachsen. Mit der nun verfügbaren Version 8.1(öffnet im neuen Fenster) hat das Team erste Arbeiten für dieses Ziel umgesetzt, was eigenen Aussagen zufolge vor allem die Infrastruktur zum Bauen und Verbreiten der Apps betrifft.

So gibt es nun erstmals klare Richtlinien dazu(öffnet im neuen Fenster) , wie Drittanbieter ihre Software zum Owncloud Appstore hinzufügen können. Unterschieden wird dabei zwischen offiziellen Apps des Owncloud-Teams sowie anerkannten und experimentellen Apps. Für die drei Kategorien gelten jeweils andere Bedingungen, wozu neben der Nutzerbewertung auch technische Regeln gehören, etwa wie schnell auf Sicherheitslücken reagiert wird. Die Einstufung kann bei mangelhaftem Verhalten der Entwickler jederzeit wieder entzogen werden.
Darüber hinaus ist die Owncloud-API deutlich verändert worden. So können Programmierer nun auf etwa 190 neue Schnittstellen zugreifen, immerhin 50 gelten dafür als veraltet. Apps können nun auch die Möglichkeiten zum Teilen von Inhalten nutzen, was sowohl für Desktop- als auch Mobil-Clients gilt. Nach Karlitscheks Vorstellung sollen die Schnittstellen möglichst lange gepflegt werden, mindestens drei Jahre hält er für angemessen. Wann dies aber tatsächlich umgesetzt wird, ist noch nicht klar. Weitere Details zu der Plattformstrategie sollen aber noch bekanntgegeben werden.
Release-Channels wie bei Browsern
Mehr oder weniger unabhängig davon hat das Owncloud-Team auch einiges bei der Veröffentlichung der Versionen geändert, was einerseits Ergebnis der Entwicklungen innerhalb der Community selbst ist, andererseits aber auch der Plattformstrategie zugutekommen könnte.










So gibt es nun auch für Owncloud sogenannte Release-Channel(öffnet im neuen Fenster) , was an die Vorgehensweise bei den Browsern Firefox und Chrome erinnert. Administratoren können damit aus unterschiedlich stabilen Zweigen wählen. So wird bereits ausführlich getesteter Code für den produktiven Einsatz empfohlen. Zudem stehen aber auch die jeweils aktuelle stabile Version, Vorabveröffentlichungen wie Betas und Release Candidates sowie Daily-Builds bereit.
Die jeweiligen Paketarchive(öffnet im neuen Fenster) werden dabei von der Owncloud-Community selbst betreut. Ausgewählt werden können diese in den Update-Einstellungen. Hilfreich ist das nicht nur für Admins und Tester der Cloud-Software, sondern natürlich auch für die Programmierer externer Anwendungen, die ihre Apps nun wohl etwas einfacher als bisher im Laufe der Entwicklungsstadien von Owncloud testen können – analog zu dem Vorgehen, wie dies bereits bei den Browsern umgesetzt wird.
Veröffentlichungen im Drei-Monats-Rhythmus
Mit Owncloud 8.1 hat das Team versucht, auf einen neuen dreimonatigen Veröffentlichungsrhythmus(öffnet im neuen Fenster) zu wechseln. Das ist beim ersten Versuch noch nicht gelungen – die Vorgängerversion 8.0 erschien bereits vor fünf Monaten. Künftig ist aber je eine stabile Version pro Quartal mit neuen Funktionen geplant.
Im Jahrestakt soll die erste Nummer der Versionsbeschreibung erhöht werden, dementsprechend wird 2016 die 9-er Reihe gestartet. Jede Erscheinung soll 18 Monate lang mit Updates versorgt werden, wodurch insbesondere konservative Admins ihre Updates langfristig vorbereiten können. Für externe Entwickler bietet dies ebenso eine gewisse Verlässlichkeit, sofern das Owncloud-Team seine selbst gesteckten Fristen einhalten kann.
Schneller für Nutzer und bessere Verschlüsselung
Neben den dargelegten Änderungen an der Grundlage hat das Team in der aktuellen Version auch vieles an der Oberfläche erneuert, die die Nutzung von Owncloud vereinfachen sollten. Dazu zählt zum Beispiel eine Leistungsoptimierung(öffnet im neuen Fenster) , die bis zu vierfach schnellere Up- und Downloads verspricht.
Dateien sollen sich wesentlich schneller verändern lassen. Laut der Ankündigung skaliert die Software deutlich besser, da parallele Anfragen schneller abgearbeitet werden können. So sollen bis zu 50 Prozent mehr aktive Nutzer pro Serverinstanz betreut werden können.
Noch leichteres Teilen und bessere Doku
Mit der vorangegangenen Version 8.0 hatte das Projekt es deutlich vereinfacht, Inhalte über mehrere Server hinweg teilen zu können, um so eine sehr große verteilte Cloud zu ermöglichen. Die dafür nötige ID des eigenen Servers findet sich nun in den Einstellungen. Sind die IDs anderer Server im Adressbuch hinterlegt, werden diese nun außerdem im Teilen-Dialog automatisch vervollständigt.










Darüber hinaus soll die Dokumentation des Projekts einfacher zu nutzen sein, da diese größtenteils im User-Interface integriert worden ist. So werden Warnungen und Benachrichtigungen nun mit links auf diese Erklärungen versehen und die Admin-Einstellungen sind um Tipps und Tricks erweitert worden.
Umbau bei der Verschlüsselung und Sicherheitsarchitektur
Unter dem Schlagwort "Verschlüsselung 2.0" sind dazu vorhandene Fähigkeiten modularisiert worden. Das ermöglicht unter anderem eine externe Schlüsselverwaltung und soll mehr Verlässlichkeit bieten. Wichtiger ist wohl aber, dass es dadurch für das Team leichter wird, künftig Verbesserungen an dem System vorzunehmen.
Um die Owncloud-Instanzen und die Nutzer besser vor Angriffen abzusichern, hat das Team auch einige kritische Funktionen entfernt,(öffnet im neuen Fenster) etwa das Dateibrowser-Plugin von Sabredav oder die Möglichkeit zum direkten Download einer Datei aus dem Web. Für Letzteres gibt es bereits Ersatz durch Drittanbieter. Außerdem kann der Server nun einige Http-Security-Header an den Browser schicken, etwa gegen Cross-Site-Scripting. Erweitert werden kann dies zudem noch durch den Einsatz von Content-Security-Policies.
Viele weitere Kleinigkeiten
In den Release-Notes finden sich viele weitere Detailverbesserungen für Nutzer(öffnet im neuen Fenster) und Admins(öffnet im neuen Fenster) . So werden im Teilendialog nun auch Avatare angezeigt, und die Vorschau auf Dateien unterstützt nun auch 3D-Bilder sowie RAW-Dateien. Außerdem soll das Setzen der Absenderadresse für bestimmte Mail-Server besser funktionieren.
Owncloud 8.1 steht als Archiv zum Download bereit. Pakete für verschiedene Linux-Distributionen gibt es ebenfalls, dazu kann wie beschrieben künftig auch auf die Release-Channels zurückgegriffen werden.



