Tagesform versus Body Battery
Positiv fiel außerdem die Einbindung in Apple Health auf. Auf Wunsch übernimmt die Oura-App dort aufgezeichnete Aktivitäten und lässt mich anschließend wählen, ob die importierte oder die vom Ring selbst erfasste Einheit in der Timeline erscheinen soll.
Die Messwerte wie Herzfrequenz oder Distanz lagen bei Oura und Garmin meist dicht beieinander. Unterschiede gab es vor allem bei abgeleiteten Kennzahlen wie dem Kalorienverbrauch.
Gesundheit statt Höchstleistung
Eine der größten Stärken des Oura Ring 5 liegt bei Gesundheit, Erholung und Schlaf. Schon der Startbildschirm der App macht das deutlich. Ganz oben steht die Kennzahl "Entspannung", die ähnlich wie Garmins Stresskurve zeigt, wie belastet oder erholt der Körper im Tagesverlauf war. Ich finde die Darstellung bei Garmin zwar etwas übersichtlicher, Oura liefert aber mehr Kontext und ordnet Änderungen verständlicher ein.
Direkt darunter folgt die Tagesform, die sich grob mit Garmins Body Battery vergleichen lässt. Sie wird unter anderem aus Herzfrequenzvariabilität, Ruhepuls, Hauttemperatur, Schlaf und Aktivität berechnet.
Besonders gelungen ist, dass Oura transparent erklärt, welche Faktoren in die jeweilige Bewertung einfließen. Garmin liefert zwar ebenfalls viele Daten, Oura hilft aber oft besser dabei, deren Bedeutung für Erholung und Gesundheit einzuordnen.
Ergänzt wird das durch Langzeitfunktionen wie das biologische Alter, die Resilienzbewertung und den Health Radar, der Veränderungen bei Herz-Kreislauf- und Atemwerten frühzeitig erkennen soll. Weitere Funktionen wie Blutdruckhinweise stehen bislang nur Nutzern in den USA zur Verfügung.
Beim Tagesziel geht Oura einen anderen Weg als Garmin. Standardmäßig stehen nicht Schritte, sondern aktive Kalorien im Mittelpunkt – bei mir sind das 400 Kilokalorien pro Tag. Wer möchte, kann die Kalorienanzeige samt Tagesziel aber deaktivieren und stattdessen Schritte in den Mittelpunkt stellen.
Zu den größten Stärken des Rings gehört schließlich die Schlafanalyse. Einschlaf- und Aufwachzeiten lagen im Test meist näher an der Realität als bei der Garmin Enduro 3, auch die Einteilung der Schlafphasen wirkte insgesamt schlüssiger. Gerade bei Schlaf und Erholung spielt Oura seine Vorteile aus.
Kaum zu spüren
Der vielleicht größte Pluspunkt des Oura Ring 5 ist sein Tragekomfort. Nach wenigen Tagen habe ich vergessen, dass ich einen Ring am Finger trage – und das will bei mir etwas heißen. Die Garmin Enduro 3 dagegen ist am Handgelenk jederzeit präsent und fast schon etwas wuchtig.
Im Alltag fällt der Ring kaum auf, nach dem Sport sammelt sich deutlich weniger Schweiß als unter einer Uhr und unter fließendem Wasser ist er in wenigen Sekunden wieder sauber.
Oura empfiehlt per App grundsätzlich Zeige- oder Mittelfinger an der nicht dominanten Hand. Gleichzeitig erklärt das Unternehmen auf Reddit, dass die Wahl zwischen linker und rechter Hand für die Messgenauigkeit praktisch keine Rolle spiele, solange der Ring richtig sitze.
Das deckte sich mit meinen Erfahrungen. Ich begann links und wechselte später auf die rechte Hand, ohne Unterschiede bei den Messwerten festzustellen. Am Ende entschied allein der persönliche Komfort. Sollte mich der Ring rechts stören (Essen mit Gabel oder Löffel), wechsle ich eben kurz an die andere Hand.
Auch die Verarbeitung macht einen ausgezeichneten Eindruck. Im Internet finden sich Berichte, wonach frühere Oura-Ringe vereinzelt Möbel oder andere Gegenstände zerkratzt haben sollen. Solche Probleme konnte ich beim Ring 5 nicht beobachten.
Gleichzeitig zeigte das Testgerät selbst nach mehr als vier Wochen intensiver Nutzung praktisch keine Gebrauchsspuren – trotz Hundeleinen mit Metallkarabinern, gelegentlichem Hanteltraining und vielen anderen Alltagssituationen. Inzwischen lege ich den Ring beim Krafttraining dennoch vorsichtshalber ab, ich möchte den bislang makellosen Zustand nicht unnötig aufs Spiel setzen.
Einziger echter Schwachpunkt war bei mir der Rennradlenker. Liegt der Ring genau auf der Handauflage in der Lenkerkrümmung, kann das rasch unangenehm werden. Mit anderen Fahrradlenkern hatte ich dieses Problem nicht.
Einen großen Anteil am positiven Gesamteindruck hat auch das Ring Size Kit, das Oura vor dem Kauf anbietet. Die Größen unterscheiden sich deutlich von klassischen Schmuckringen, weshalb man auf das Anprobieren nicht verzichten sollte. Die empfohlene Größe 11 erwies sich in meinem Fall als Volltreffer und saß sowohl am linken als auch am rechten Zeigefinger nahezu perfekt.
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