Ottobock: Wie ein Exoskelett die Arbeit erleichtert

Es verleiht zwar keine Superkräfte. Bei der Arbeit in unbequemer Haltung zum Beispiel mit dem Akkuschrauber unterstützt das Exoskelett Paexo von Ottobock aber gut, wie wir herausgefunden haben. Exoskelette mit aktiver Unterstützung sind in der Entwicklung.

Ein Erfahrungsbericht von veröffentlicht am
Passives Exoskelett Paexo: Ottobock entwickelt aktive Systeme.
Passives Exoskelett Paexo: Ottobock entwickelt aktive Systeme. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Das Anlegen ist einfach, nur wenig komplizierter als einen Rucksack aufzusetzen: Die Arme werden durch zwei Schultergurte gesteckt, ein Tragegurt wird am Bauch geschlossen. Jetzt noch die die beiden Oberarme auf die Armschalen legen - und schon hängen die Arme auf Schulterhöhe. Mit sanftem Druck lassen sie sich nach unten drücken, bei leichtem Anheben zieht es sie wieder nach oben. Es fühle sich an, als ob die Arme im Wasser schwebten, hatte Sönke Rössing vor dem Anlegen gesagt. Stimmt.

Inhalt:
  1. Ottobock: Wie ein Exoskelett die Arbeit erleichtert
  2. Viele Einsatzmöglichkeiten
  3. Aktive Exoskelette

Paexo (gesprochen: Pa-exo) ist ein Exoskelett, das das deutsche Unternehmen Ottobock - eigentlich bekannt für seine Prothesen - in Zusammenarbeit mit Volkswagen entwickelt hat, und Rössing ist der Leiter des Projekts. "Das Exoskelett haben wir erfunden für Menschen, die über Kopf und über Schulter arbeiten müssen", sagt Rössing im Gespräch mit Golem.de.

"Das ist anstrengend. Das Paexo dient dazu, dass sie über Stunden ermüdungsfrei über Kopf, über Schulter arbeiten können." Es nimmt über die Armschalen das Gewicht der Arme und eines Werkzeugs auf und leitet es über ein Gelenk und Expander auf die Hüfte - ähnlich wie der Bauchgurt das Gewicht eines Rucksacks auf die Hüfte bringt.

"Dadurch haben Sie kein Gewicht und keine Last in der Schulter, keins im Rücken, sondern es wird alles in die Hüfte abgeführt", sagt Rössing und drückt mir einen schweren Ständer aus Metall in die Hand. Aber es summen keine Motoren und verhelfen mir zu Superkräften. Der Effekt ist zwar spürbar, das Ding ist aber immer noch ziemlich schwer. Das Paexo macht keinen Herkules aus mir, der mit Exoskelett plötzlich mit Leichtigkeit ein Vielfaches dessen hebt, was ich sonst schaffe. Dazu sei Paexo nicht da, sagt Rössing, und überhaupt sei so etwas ziemlich ungesund.

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Das System ist passiv. Das Geheimnis ist ein Elastomer, den Ottobock entwickelt hat: Er speichert die körpereigene Energie und entlastet den Körper. "Das war letztlich ein wesentlicher Teil der Entwicklungsarbeit: dieses Zusammenspiel der Armposition in der Höhe, aber auch in den verschiedenen anderen Winkeln in Verbindung zu bringen mit der Beschaffenheit der Elastomere", erklärt Rössing.

Besser geht es bei Versuch Nummer zwei: Ich balanciere auf einer Leiter und tue so, als drehte ich mit einem Akkuschrauber eine Schraube in einen Träger über meinem Kopf. Eine höchst unbequeme Haltung, bei dem ein Untrainierter sehr schnell ermüdet. Sie wird nicht umsonst zu den Zwangshaltungen gerechnet, ist also nicht natürlich. Mit dem Paexo hingegen wird das deutlich bequemer. Jetzt macht sich der Zug der Arme nach oben positiv bemerkbar: Das Gewicht der Arme - sie machen etwa zehn Prozent des Körpergewichts aus - in Kombination mit dem Schrauber ist weniger spürbar.

Das Exoskelett soll Verletzungen vorbeugen

Das Paexo dient der Lebensqualität der Arbeiter: "Sie haben einen entspannteren Feierabend, und langfristig schützt es ganz konkret ihre Schulter vor dauerhaften Verletzungen", erläutert Rössing. Die zieht diese Zwangshaltung fast zwangsläufig nach sich: Die Belastungen im Schulterband können beispielsweise zu Entzündungen führen, einer Kalkschulter, dem Impingement-Syndrom sowie Abnutzungserscheinungen, also Arthrose.

  • Paexo ist ein Exoskelett von Ottobock. Das Unternehmen baut auch bionische Orthesen und Prothesen. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Handlich: Sönke Rössing von Ottobock mit dem Paexo (Bild: Petra Vogt)
  • Das Exoskelett wird ähnlich getragen wie ein Rucksack. (Bild: Petra Vogt)
  • Es hat Schultergurte und einen Bauchgurt. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Es nimmt das Gewicht der Arme auf ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de )
  • .. und leitet es über Expander und eine Mechanik in die Hüfte. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Die Kraft ... (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... und die Größe sind variabel. (Bild: Petra Vogt)
  • Sitz-Exoskelett: Der Chairless Chair des Schweizer Unternehmens Nonnee (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
Paexo ist ein Exoskelett von Ottobock. Das Unternehmen baut auch bionische Orthesen und Prothesen. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Es geht aber auch um die Qualität der Arbeit, etwa wenn über Kopf gelötet oder geschweißt werden soll: Die erste Naht ist noch schnurgerade, die zweite auch noch. Aber irgendwann wird es sehr schwer, das Werkzeug mit derselben Präzision und ohne abzusetzen zu führen. Und natürlich auch um die Quantität: Wer länger fit ist, hält länger den Takt.

Und der ist hoch: Bei Volkswagen (VW) muss ein Arbeiter in 90 Sekunden über Kopf einen Kabelbaum in die Heckklappe des VW Golf einziehen - acht Stunden lang, jeden Tag. Den Alltag für diese Arbeiter einfacher zu gestalten - das war vor einigen Jahren das Ziel bei VW. Dafür suchten die Verantwortlichen einen Partner, der dabei helfen kann.

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Was bei dem Film negativ beeindruckt ist, wie unergonomisch der Mitarbeiter das schwere...

Der mit dem Blubb 04. Feb 2019

Laut Google ca. 5000 ¤. Werden im Moment aber sicher noch keine großartigen Stückzahlen...

hans-peterr 04. Feb 2019

Mir tut vom vielen denken manchmal der Kopf weh. So ein Exo Gehirn, an das man einen Teil...

zwangsregistrie... 04. Feb 2019

nix

Cavaron 01. Feb 2019

Immer weniger zu arbeiten ist für dich ein historischer Trendbruch?https://de.wikipedia...


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