Oscars: Das Kino hat den Kulturkampf gegen Streaming verloren

Jahrelang wehrte sich das Kino-Establishment massiv gegen Streaming. Jetzt fällt auch die Oscar-Academy um. Dahinter gibt es kein Zurück mehr.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Die Oscars können künftig auch ohne Kinostart vergeben werden.
Die Oscars können künftig auch ohne Kinostart vergeben werden. (Bild: Matt Petit - Handout/A.M.P.A.S. via Getty Images)

Seit Jahren sind Videostreaming-Anbieter wie Netflix mit der völlig absurden Situation konfrontiert, dass ihre Filme nur dann für Preise zugelassen werden sollen, wenn sie auch im Kino laufen. Außerdem werden Netflix-Filme bei Vorführungen von Kritikern schon mal ausgebuht oder auch komplett von Wettbewerben ausgeschlossen. Um wenigstens noch bei den Oscar-Verleihungen vertreten zu sein, haben Streaminganbieter zuletzt immer wieder nur die Minimalanforderungen dafür erfüllt. Durch die Coronakrise ist auch damit jetzt endlich Schluss, denn für die Oscars müssen Filme vorerst nicht mehr im Kino laufen. Dass sich das künftig wieder ändern sollte, ist völlig abwegig, das Streaming hat also endlich gewonnen.

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Denn das bisher extrem sture Kino-Establishment entdeckt im Angesicht der Krise und der geschlossenen Kinos endlich auch die Gründe für den Erfolg der Streaminganbieter: Verfügbarkeit und Bequemlichkeit. Statt den Film zwingend im Kino sehen zu müssen, können die Academy-Mitglieder Wettbewerbsfilme künftig auch bequem über die organisationsinterne Videostreaming-Plattform ansehen. Das hat die Organisation bereits im Herbst vergangenen Jahres vorbereitet.

Eigentlich sollte damit das Problem der vielfach kritisierten Homogenität der Jury und ihrer Preisvergabe angegangen werden. Denn vor allem Filme in der Kategorie Bester internationaler Film haben oft überhaupt keinen Verleiher in der USA und laufen, wenn überhaupt, nur sehr beschränkt in Kinos. Darüber hinaus mussten Filme für die Zulassung zum Oscar-Wettbewerb bisher lediglich in Kinos in Los Angeles gezeigt werden. Letzteres beschränkt die Möglichkeit von Juroren massiv, den Film überhaupt sehen zu können. Für eine diverse Entscheidung sind das keine gute Voraussetzungen. Es gibt sogar das Gerücht, dass bewertete Filme gar von der Jury gar nicht gesehen worden seien.

Film bleibt Film, auch beim Streaming

Die Academy weicht nun aber ihre Regeln in Bezug auf das Streaming auf. Künftig sollen alle Filme per Streaming gesehen werden können. Und falls die Kinos in den USA wieder öffnen dürfen, reichen auch Filmstarts an einigen anderen Orten der USA für die Wettbewerbszulassung. Dass das nach jahrelanger Weigerung der Beteiligten plötzlich doch möglich ist, führt hoffentlich nicht nur zu einer besseren Überprüfbarkeit der Jury und ihrer Bewertung, sondern zeigt die Idiotie des Gedankens, dass Filme nur dann gut sind, wenn sie im Kino gesehen werden. Wäre dem tatsächlich so, hätte die Academy für die Zeit der Coronakrise einfach keine Filme für den Wettbewerb zulassen dürfen.

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Vielmehr ist es aber so, dass Menschen einfach Filme sehen möchten - unabhängig davon, ob diese im Kino laufen oder nicht. Das beweist der Erfolg von Plattformen wie Netflix und Amazon Prime in den vergangenen Jahren. Und auch große Studios verzichten auf ihre althergebrachte Verwertungskette aus Kino, Blu-Ray und Streaming und zeigen ihre Filme plötzlich direkt zum Start als Stream. Das scheint sich also doch zu lohnen und die Qualität eines Filmes, die Leistung der Schauspieler, Regie oder Kameraleute oder auch der Soundtrack hängen einfach nicht davon ab, ob ein Film nun als Stream läuft oder doch im Kino.

Das zu erkennen, hat die Ewiggestrigen Jahre gebraucht und auch den Druck durch die aktuelle Coronakrise. Dass es dafür ausgerechnet eine weltweite Pandemie mit Zehntausenden Toten braucht, ist deprimierend, aber letztlich trotzdem nützlich für die endgültige Akzeptanz des Streamings. Zwar will die Academy ihr Vorgehen künftig wieder ändern und schreibt, die aktuellen Regeln gälten nur vorübergehend. Aber mal ehrlich, aus dieser riesigen und selbst gestellten Argumentationsfalle kommen die Verantwortlichen nicht mehr raus.

Wenn es jetzt möglich sein soll, Filme per Streaming zu bewerten und mit Oscars zu bepreisen, warum sollte das künftig nicht mehr möglich sein? Eine sinnvolle Antwort darauf kann es nicht geben. Das Berharren auf dem Kino als Nonplusultra hat damit endgültig abgewirtschaftet und das Streaming gewonnen.

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Bluejanis 06. Mai 2020

Für 6¤ würde ich auch mal wieder ins Kino gehen. Einfach so um mal wieder rauszukommen...

Bluejanis 06. Mai 2020

Wieso soll das nicht gehen? Die haben doch noch andere Vorstellungen, die bereits die...

Peter Brülls 01. Mai 2020

Komisch. Das klappt auch alles im Theater. Ohne dass die Leute mit nach fett stinkenden...

Peter Brülls 01. Mai 2020

Eben. Schmatzendes, schlürfendes, plapperndes und mit hell Displays surfendes Publikum...



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