Ortmann und van der Kolk: Zwei Megaupload-Gründer bekennen sich schuldig

Das Schuldeingeständnis seiner früheren Freunde belastet Kim Dotcom schwer. Ohne Ortmann und van der Kolk hätte er zudem Megaupload nicht programmieren können, sagen die beiden.

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Mathias Ortmann (links) und Bram van der Kolk im Jahr 2019
Mathias Ortmann (links) und Bram van der Kolk im Jahr 2019 (Bild: Hagen Hopkins/Getty Images)

Die beiden Mitbegründer von Megaupload, Bram van der Kolk (39) und Mathias Ortmann (50), haben sich in Neuseeland vor dem High Court schuldig bekannt und Kim Dotcom schwer belastet. Wie das neuseeländische Nachrichtenportal Stuff.co.nz berichtet, haben sie die Zugehörigkeit zu einer organisierten Bande und eine Verschwörung mit Kim Dotcom eingeräumt, um auf Kosten der Urheberrechtsinhaber illegal kopierte Inhalte über Megaupload und die dazugehörigen Webseiten zu hosten, zu verteilen und damit finanziellen Gewinn zu erzielen.

Laut ihren Aussagen hielt der Programmierer Ortmann 25 Prozent der Anteile an Megaupload und verdiente so rund 19 Millionen US-Dollar mit Megaupload. Van der Kolk hatte einen Anteil von 2,5 Prozent am Unternehmen und erhielt ungefähr 3 Millionen US-Dollar. Finn Batato, der Marketingleiter von Megaupload, erlag vor Kurzem einem Krebsleiden.

"Das technische Wissen der Angeklagten war für die Gründung und das Wachstum von Megaupload unerlässlich. Dotcom bestimmte letztendlich die Richtung, aber es fehlte ihm das praktische Fachwissen, um seine Wünsche in die Tat umzusetzen", heißt es in der Darstellung. "Er hat sich darauf verlassen, dass die Angeklagten die technische Infrastruktur von Megaupload aufbauten und betrieben. Ohne ihre Mitwirkung wäre die Tat nicht möglich gewesen." Die beiden bleiben auf Kaution frei und ein Urteilstermin wird im Oktober festgelegt.

Nach einem ein Jahrzehnt langen Kampf gegen die Abschiebung in die USA seien sie nun fest in Neuseeland verwurzelt und wollten sich als gute Bürger eine Zukunft im Land aufbauen, erklärten sie. "Wir haben unglaublich hart an Mega gearbeitet und sind der festen Überzeugung, dass unser Rehabilitationsprozess vor langer Zeit begonnen hat", sagte van der Kolk.

Deal mit USA schützt

Die beiden Angeklagten hatten zuvor mit den USA eine Vereinbarung erzielt, nach der sie nicht ausgeliefert werden. Damit ist Kim Dotcom der einzige der früheren Betreiber, dem eine Abschiebung und eine lange Haft von bis zu 20 Jahren drohen. Dotcom erklärte wiederholt, niemals eine Schuld einzugestehen. Als der Deal seiner ehemaligen Freunde im Mai bekannt wurde, sagte Dotcom, er mache den Männern keine Vorwürfe, weil sie "aufgegeben" hätten.

In einer Reihe von Tweets beschuldigte er sie nun, ihm die Firma Mega gestohlen zu haben. Er nannte Ortmann und van der Kolk "zwielichtig". Sie hätten Hintertüren für die chinesische Regierung bei Mega installiert und ihn zu Unrecht beschuldigt.

Dotcom, der Mega Anfang 2013 in Neuseeland mitgründete, distanzierte sich bereits im Juli 2015 von dem Filehoster. Er sagte, dass er mit der Firma nichts mehr zu tun habe - weder als Manager noch als Anteilseigner. "Das Unternehmen hat unter einer feindlichen Übernahme durch einen chinesischen Investor gelitten, nach dem in China wegen Betrugs gefahndet wird", schrieb Dotcom. Dabei ging es ihm zufolge um Bil Liu. Die Mega-Betreiber wiesen die Vorwürfe zurück.

Hollywood-Studios hatten geklagt

Wegen des Vorwurfs schwerer Urheberrechtsverletzungen wurde die Plattform Megaupload auf Betreiben des US-Justizministeriums Anfang 2012 geschlossen. Die Villa des Gründers wurde bei einer laut Dotcom brutalen Polizeiaktion durchsucht, Rechner und Speicher beschlagnahmt. Die US-Regierung wirft ihm unter anderem Geldwäsche, Erpressung und Betrug mittels elektronischer Kommunikationsmittel vor.

Im April 2014 verklagten sechs Hollywood-Studios die ehemaligen Betreiber von Megaupload auf Schadensersatz. Megaupload habe durch den Verkauf von Premiumzugängen 150 Millionen US-Dollar und 25 Millionen US-Dollar durch Onlinewerbung verdient, erklärte die Motion Picture Association (MPAA).

Megaupload betrieb laut FBI-Darstellung zahlreiche Server in mehreren Rechenzentren. Allein beim US-Provider Carpathia Hosting soll Megaupload rund 25 Petabyte Speicherplatz gemietet haben. Der Hoster stellte laut FBI mehr als 1.000 Server in Nordamerika zur Verfügung, darunter 525 in Ashburn im US-Bundesstaat Virginia. Zudem mietete Megaupload den Angaben zufolge 36 Server bei dem Internetprovider Cogent Communications.

In Europa mietete Megaupload mehr als 630 Server von Leaseweb in Rechenzentren in den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Hinzu kamen 36 von Megaupload im Oktober 2011 gekaufte Server, die ebenfalls bei Leaseweb untergestellt waren.

Megaupload hatte 180 Millionen registrierte Nutzer

Megaupload war ein Sharehoster, der sich neben Werbung durch kostenpflichtige Premium-Zugänge finanzierte und Zugriff auf illegale Kopien von Filmen und Spielen gewährt haben soll. Insgesamt beschäftigte Megaupload zu Spitzenzeiten rund 155 Personen.

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scrumdideldu 27. Jun 2022

Zuverlässigkeit ist seeehr wechselhaft. Immer mal geht Up und Down quasi gar nichts mehr...

forenuser 27. Jun 2022

Soweit ich das weiß wurde YT 2005 gegründet und 2005 von Google übernommen. Alphabet gab...

theFiend 26. Jun 2022

Ah, nicht gesehen das es hier shcon jemand empfohlen hat. Ist absolut gut der Hörspiel...

theFiend 26. Jun 2022

Es gibt einen hervorragenden mehrteiligen Podcast vom BR2: "wild wild web - Kim Dotcom...



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