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Organisierte Banden: Kriminelle Kunden im Onlinehandel sind ein wachsendes Problem

Ehrliche Onlinehändler beklagen ein wachsendes Problem mit unehrlichen Kunden. Beteiligt ist auch die Organisierte Kriminalität.
/ Ingo Pakalski und dpa
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Der Onlinehandel hat zunehmend mit betrügerischen Kunden zu tun. (Bild: Pexels)
Der Onlinehandel hat zunehmend mit betrügerischen Kunden zu tun. Bild: Pexels

Der Onlinehandel weltweit leidet unter einer wachsenden Zahl betrügerischer Kunden. Laut einer Analyse des US-Cybersicherheitsdienstleisters Lexis Nexis Risk Solutions(öffnet im neuen Fenster) tragen dazu sowohl die Konjunkturflaute als auch die organisierte Kriminalität bei. Internationale Banden werben demnach gezielt Menschen an, die beim Onlineshopping betrügen oder Kriminellen ihre Identität zur Verfügung stellen.

Das Unternehmen betreibt ein Digital Identity Network zur Überprüfung von Online-Identitäten und -Einkäufen. Grundlage der Analyse waren demnach 116 Milliarden Transaktionen im vergangenen Jahr.

Echte Kunden – im Unterschied zu Tätern, die mit gestohlenen oder gefälschten Identitäten arbeiten oder anderweitig betrügen – machten 2025 demnach weltweit 38,8 Prozent aller Betrugsfälle aus, das waren knapp zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. In Europa liegt die Quote dieser sogenannten First-Party-Betrugsfälle nun bei knapp 52 Prozent.

Organisierte Banden entdecken Onlinehandel

"Einerseits treibt die Krise manche Leute dazu, nach Betrugsmöglichkeiten zu suchen", sagte Jason Lane-Sellers, Cyberbetrugsexperte bei dem Unternehmen. "Und es gibt Gruppen, die von Kriminellen gezielt angesprochen werden, etwa Menschen mit schlechter Bonität oder Studenten. Die Täter zahlen 50 Euro extra und weisen die Leute ein."

Das trifft auch den deutschen Onlinehandel. Ein Sprecher des E-Commerce-Verbands BEVH(öffnet im neuen Fenster) bestätigte die Einschätzung des britischen Cyberexperten: "Tatsächlich ist es so, dass Studenten oder Rentner für die Betrugsmasche angeworben werden. Viele wissen gar nicht, dass sie Teil eines Betrugs werden sollen, sondern bekommen einfach ein Geldangebot, wenn sie ihre Daten zur Verfügung stellen."

Mancher ist unwissend beteiligt

Betrug sei ein wachsendes und erhebliches Problem, sagte auch Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern (HBE)(öffnet im neuen Fenster). "Der Onlinehandel boomt und legt auch dieses Jahr weiter zu. Da gibt es einige, die sich vom Kuchen ein Stück abschneiden wollen, und nicht nur auf legale Weise."

Eine gängige Masche: Auf Rechnung oder Kredit gelieferte Ware wird nicht bezahlt oder als nicht bestellt reklamiert: "Leute, die die neuesten Sportschuhe bestellen und anschließend behaupten, die Ware sei nie eingetroffen, oder sie hätten nie bestellt", erklärte Lane-Sellers.

Günstige Kreditangebote sind Anreiz für Kriminelle

Das trifft auch die Finanzbranche, die mit günstigen Kreditangeboten Kunden wirbt: "Es ist heute möglich, teure Mobiltelefone mit einem Zwei-Jahres-Kreditvertrag ohne Anzahlung zu bestellen", sagte der Fachmann. "Viele dieser Attacken treffen Finanzdienstleister. Die größten Auswirkungen sehen wir bei Dienstleistungen wie Buy now pay later und Ein- oder Zwei-Jahres-Kreditverträgen."

Zudem komme es häufig vor, dass unehrliche Käufer für angeblich nicht gelieferte Ware die Rückzahlung ihres Geldes forderten. "Solange ein Unternehmen nicht nachweisen kann, dass ein Kunde vorsätzlich betrogen hat, ist es sehr schwierig, betrügerische Rückerstattungsansprüche anzufechten."

Die Beweislast liege beim Händler, erklärte auch HBE-Sprecher Ohlmann. Per Onlinebetrug erschwindelte – oder auch in einem stationären Laden gestohlene – Ware lande dann häufig wieder im Netz. "Geklaute Ware wird massenhaft online verscherbelt."

Die Zunahme von Betrugsfällen durch echte Kunden bedeutet allerdings nicht, dass Identitätsdiebstahl oder die kriminelle Übernahme von Onlineaccounts auf dem Rückzug wären. Laut Lexis Nexis Risk Solutions verlegen sich Banden mittlerweile wieder häufiger auf Attacken gegen Desktopcomputer.

Unternehmen könnten in Apps für Mobilgeräte mehr Signale und Daten auslesen, was potenziell bessere Sicherheitsprofile zur Betrugsdetektion ermögliche, sagte Lane-Sellers – "während Kunden möglicherweise glauben, dass traditionelle Desktop-Rechner für höherwertige Transaktionen sicherer sind als ihre mobilen Geräte."


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