Orbital Sciences: Vom Aufstieg und Niedergang eines Raketenbauers

Nachdem sie zwei Nasa-Satelliten im Wert von 700 Millionen US-Dollar zerstörte, ist jetzt erstmals wieder eine Taurus XL geflogen. Eine Rakete, die den Niedergang eines Unternehmens einleitete und ihm so peinlich wurde, dass sie jetzt Minotaur-C heißt.

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Die Minotaur-C auf ihrer spartanischen Startrampe
Die Minotaur-C auf ihrer spartanischen Startrampe (Bild: Screenshot (OrbitalATK Webcast))

Manche Raketen haben eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Am Dienstag startete eine dieser Raketen mit zehn Erdbeobachtungsatelliten für die amerikanische Firma Planet an Bord. Sie hieß einmal Taurus XL und wurde entworfen in einem Unternehmen, das damals Orbital Sciences hieß. Die Firma galt als erstes Privatunternehmen, das erfolgreich Trägerraketen baute und als größter Konkurrent von SpaceX. Inzwischen heißt die Rakete Minotaur-C und Orbital Sciences ist nur noch ein Teil des Militärkonzerns Northrop Grumman. Wie ist es dazu gekommen?

Inhalt:
  1. Orbital Sciences: Vom Aufstieg und Niedergang eines Raketenbauers
  2. Satelliten statt Atombomben
  3. Die Kunden übernehmen die Firma

Orbital Sciences wurde 1982 als Satellitenhersteller gegründet. Seitdem hat es erfolgreich Hunderte Satelliten aller Kategorien gebaut, von schweren geostationären Kommunikationssatelliten über militärische und Forschungssatelliten bis hin zu ganzen Konstellationen von Kommunikationssatelliten wie Orbcomm oder IridiumNEXT. Aber schon bald war die Firma daran interessiert, selbst Satelliten zu starten. Eine der Raketen, die sie dafür entwickelte, war die Taurus XL.

Mit nur 77 Tonnen Startgewicht gehört sie zu den kleineren Raketen und hatte nur etwas mehr als eine Tonne Nutzlast. Aber für einige Aufgaben reicht das völlig aus, etwa zum Start von Erdbeobachtungssatelliten für die Nasa. Nach fast 20 Jahren im Geschäft galten die Raketen von Orbital Sciences als sehr zuverlässig. So erhielt Orbital Sciences von der Nasa den Auftrag, das Orbiting Carbon Observatory zur Beobachtung des Kohlenstoffkreislaufs der Erde und das Sonnenobservatorium Glory zu starten.

Der gute Ruf ging schnell verloren

Den guten Ruf hatte sich das Unternehmen mit den Raketen Pegasus und Minotaur erarbeitet, von denen viele Teile auch in der Taurus XL verwendet werden. So erhielt Orbital Sciences den Zuschlag von der Nasa, obwohl die Taurus XL erst sieben Flüge absolviert hatte, von denen der sechste ein Fehlschlag war. Es sollte nicht der letzte bleiben. Beide Starts im Jahr 2009 und 2011 endeten damit, dass sich die Nutzlastverkleidung um die Satelliten nicht löste und die Rakete wegen des zusätzlichen Gewichts abstürzte. Die Kosten für diese beiden zerstörten Satelliten allein summierten sich auf 700 Millionen US-Dollar.

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Wie sich erst 2019 herausstellte, waren die Ursachen in beiden Fällen gefälschte Zertifikate einer Lieferfirma. Zu der Zeit befand sich das Unternehmen auf dem Höhepunkt seines Erfolgs. Orbital Sciences war der größte Satellitenhersteller der Welt und eines von zwei Unternehmen, die den Auftrag zur Versorgung der Internationalen Raumstation ISS bekamen; das andere war SpaceX.

Begonnen hat alles im Jahr 1986 mit einer Skizze auf einer Serviette, zumindest wenn man der Geschichte von Chefentwickler Antonio Elias glauben darf, wie er sie vor elf Jahren in einer Reihe von Postings in einem Raumfahrtforum erzählt hat. Dabei ging es um einen Vorschlag zur Entwicklung einer Rakete zum Start kleiner Satelliten, die von einem Flugzeug aus gestartet werden konnte. Orbital Sciences war zu dieser Zeit noch ein reiner Satellitenbauer, der erst vier Jahre zuvor gegründet worden war. Die Rakete wurde nach dem geflügelten Pferd Pegasus benannt und verwendete hauptsächlich Feststoffraketen, die bereits entwickelt und qualifiziert waren und nur noch für die Rakete adaptiert werden mussten. Die Entwicklung der Rakete beschäftigte nie mehr als 50 Mitarbeiter und dauerte bis zum ersten Flug nur vier Jahre.

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Satelliten statt Atombomben 
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