Die Kunden übernehmen die Firma

Die Entwicklung verlief ähnlich wie die der früheren Raketen. Orbital Sciences war nur für die Entwicklung zuständig, der Bau der eigentlichen Rakete wurde ausgelagert. In der ersten Stufe kamen zwei AJ-26-Triebwerke zum Einsatz. Das waren ursprünglich sowjetische Triebwerke, die unter der Bezeichnung NK-33 für eine verbesserte Version von deren Mondrakete N-1 gebaut wurden. Über 100 Triebwerke wurde gebaut. Nach Einstellung des Projekts wurden sie in Lagerhäusern untergebracht und weitgehend vergessen.

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Tatsächlich waren diese Triebwerke leichter und effizienter als alle vergleichbaren Triebwerke amerikanischer Bauart. Nach dem Zerfall der Sowjetunion tauchten sie wieder auf und ein Teil wurde im Auftrag von Rocketplane Kistler in die USA importiert und von Aerojet Rocketdyne wieder aufgearbeitet. Kistler ging bankrott und Orbital Sciences übernahm deren Triebwerke. Die Tanks, die Aufhängung der Triebwerke und der Rest der ersten Stufe wurde vom Staatskonzern Yuzhmash in der Ukraine gefertigt.

Die Produktion der zweiten Stufe ging an den Rüstungskonzern Alliant Tech Systems (ATK), dessen aufgekaufte Tochterfirma Thiokol bereits die Raketenstufen für die Pegasus, Taurus und Minotaur produzierte. Die Firma Thiokol hat unter anderem die Feststoffbooster für das Space Shuttle hergestellt und wurde wegen ihrer Rolle in der Challenger-Katastrophe 1986 bekannt. Der Frachtbehälter und die Druckschleuse des Cygnus-Frachters, mit dem die ISS schließlich versorgt werden sollte, wurde der italienischen Thales Alenia Space übernommen, während Steuerung und Navigation aus der hauseigenen Satellitentechnik von Orbital Sciences kamen.

Drei Flüge und ein Feuerball

Nach drei erfolgreichen Flügen der so gebauten Antares-Rakete versagte beim vierten Start im Jahr 2014 eines der beiden Triebwerke in der ersten Stufe. Schon zuvor hatte es Gerüchte von Problemen mit einigen Triebwerken auf dem Teststand gegeben. Die Rakete fiel zurück auf die Startrampe und explodierte. Der finanzielle Schaden hielt sich in Grenzen. Der Start war versichert und der Vertrag mit der Nasa zur Versorgung der ISS war so großzügig, dass dennoch 80 Prozent der Erfolgsprämie ausgezahlt wurden. Noch im selben Jahr beschlossen Orbital Sciences und ATK eine Fusion und firmierten seitdem unter dem Namen OrbitalATK.

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Anschließend wurden die Cygnus-Frachter mit der Atlas-V-Rakete der United Launch Alliance gestartet, während Orbital Sciences nach Alternativen für das AJ-26-Triebwerk suchte, das beim vierten Start versagt hatte. Schließlich bot Russland an, ein vergleichbares, wenn auch etwas schubstärkeres Triebwerk mit der Bezeichnung RD-181 zu liefern. Das alles geschah zu einer Zeit, als sich die Atlas-V-Rakete in den USA wegen ihres russischen RD-180-Triebwerks starker Kritik ausgesetzt sah.

Inzwischen ist diese neue Antares im Oktober 2016 wieder geflogen und eine weitere hat am 12. November 2017 den Cygnus-Frachter Gene Cernan zur ISS gestartet. Am 26. September 2017 gab der Rüstungskonzern Northrop Grumman bekannt, Orbital ATK für 7,8 Milliarden Dollar zu kaufen. Die Geschichte von Orbital Sciences und seinen Raketen ist damit nicht zu Ende. Der Start der nun neu benannten Minotaur-C, der Antares und sogar der altgedienten Pegasus beweist das. Aber als Teil eines der größten Rüstungskonzerne der Welt wird Orbital Sciences wohl nie wieder den Status des gewitzten Underdogs zurückbekommen, der Raketen in Rekordzeit mit minimalem Aufwand aus vorhandenen Teilen entwickelt.

Nachtrag vom 22. September 2021, 9:55 Uhr

Die Ursache für den Absturz von zwei Nasa-Satelliten wurde erst nach Veröffentlichung dieses Artikels bekannt. Es handelte sich um gefälschte Zertifikate einer Lieferfirma. Der Artikel wurde entsprechend angepasst.

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 Satelliten statt Atombomben
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