Oracle und KI: Die Überwachungsfantasie des Larry Ellison

Was in autoritär regierten Ländern wie China gang und gäbe ist, wünscht sich Oracle-Verwaltungsratschef und CTO Larry Ellison auch für westliche Staaten wie die USA. Polizei und Bürger würden sich durch eine von künstlicher Intelligenz (KI) ausgewertete Überwachung "von der besten Seite zeigen, weil wir ständig alles beobachten und aufzeichnen, was vor sich geht" , sagte Ellison auf einem Treffen mit Finanzanalysten am 12. September 2024 ( Video ab 1:08(öffnet im neuen Fenster) ). Die Welt werde "ein besserer Ort sein, wenn wir diese Möglichkeiten und diese großartige Technik nutzen" , sagte der Multimilliardär.
Laut Ellison entwickelte Oracle bereits Körperkameras für Polizisten, die statt geschätzten 7.000 US-Dollar nur noch 70 US-Dollar kosteten. Die Bodycams seien mit dem Smartphone verbunden und würden die Aufnahmen permanent hochladen. "Die Kamera ist immer eingeschaltet" , so Ellison. Selbst beim Gang auf die Toilette werde alles aufgezeichnet. "Aber niemand kann ohne Gerichtsbeschluss auf diese Aufzeichnung zugreifen. Sie erhalten also die Privatsphäre, die Sie gefordert haben" , erläuterte er weiter.
Drohnen statt Verfolgungsjagden
Ellison verwies auf einen Vorfall in Memphis, bei dem fünf Polizeibeamte im Januar 2023 einen Mann zu Tode prügelten(öffnet im neuen Fenster) . "Nun, das kann nicht passieren, weil es auf den Bildschirmen in der Zentrale laufen würde. Jeder würde es sehen, die Körperkameras würden das übertragen" , erläuterte er und fügte hinzu: "Jeder Polizist wird zu jeder Zeit überwacht." Wenn es ein Problem gebe, werde die KI es der zuständigen Person wie dem Polizeichef melden, "um die Situation unter Kontrolle zu bringen."
Auch Verfolgungsjagden zwischen Polizei und Verdächtigen könnten künftig der Vergangenheit angehören. "Man lässt einfach eine Drohne dem Auto folgen" , sagte Ellison. Wenn in einem Einkaufszentrum etwas passiere, seien Drohnen viel schneller dort als ein Polizeiauto.
Automatische Erkennung von Waldbränden
Die autonomen Fluggeräte könnten zudem eingesetzt werden, um Waldbrände schneller zu erkennen. "Eine Drohne entdeckt den Waldbrand und senkt sich dann ab, um zu eruieren, ob sich ein Mensch in der Nähe der Wärmeentwicklung befindet und ob jemand anderes entweder ein unbeaufsichtigtes Lagerfeuer zurückließ, das einen Brand verursachte, oder ob es Brandstiftung war. All das können wir erkennen. Es wird alles autonom mit KI erledigt" , so Ellison.
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit sieht Ellison bei der Sicherung von Schulen. "Wir glauben, wir können Schulen absolut abriegeln, um die Zahl der Fälle, in denen sich jemand auf dem Schulgelände aufhält, der nicht dorthin gehört, drastisch zu reduzieren" , sagte der Oracle-Chef. So könne eine KI-Kamera erkennen, wenn jemand eine Waffe ziehe und dann sofort Alarm schlagen. "Wir halten jeden vom Campus fern, der nicht auf den Campus gehört" , sagte er weiter.
Gigawatt-Rechenzentren für KI
Für Oracle soll das KI-Geschäft in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. In einer Telefonkonferenz verwies Ellison nach der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen darauf , dass Oracle weltweit über 162 Rechenzentren verfüge oder derzeit baue. "Das größte Rechenzentrum hat eine Leistung von 800 Megawatt und wird Unmengen von Nvidia-GPU-Clustern enthalten, mit denen die größten KI-Modelle der Welt trainiert werden können" , erläuterte Ellison während der Präsentation.
Noch größere Rechenzentren seien in Planung. "Wir sind dabei, ein Rechenzentrum zu entwerfen, das eine Leistungsaufnahme von mehr als einem Gigawatt hat" , erklärte Ellison. Demnach wurde bereits ein Standort für das Rechenzentrum ausgewählt und es gibt Baugenehmigungen für drei kleine Nuklearkraftwerke zur Stromversorgung.



