Abo
  • Services:
Anzeige
Der Provider MCI soll über die Kooperation nur zum Teil informiert gewesen sein.
Der Provider MCI soll über die Kooperation nur zum Teil informiert gewesen sein. (Bild: MCI)

Operation Glotaic: BND griff Daten offenbar über Tarnfirma ab

Der Provider MCI soll über die Kooperation nur zum Teil informiert gewesen sein.
Der Provider MCI soll über die Kooperation nur zum Teil informiert gewesen sein. (Bild: MCI)

Die Kooperation des BND mit der CIA für die Operation Glotaic wirft neue Fragen auf. Möglicherweise betrieb der deutsche Geheimdienst einen getarnten Provider, um Daten abzugreifen.

Anzeige

Bei der Geheimdienstkooperation zwischen dem Bundesnachrichtendienst (BND) und der US-amerikanischen CIA ist der Provider MCI offenbar nur unvollständig eingeweiht gewesen. Für die sogenannte Operation Glotaic zwischen 2003 und 2006 wurden im nordrhein-westfälischen Hilden Daten abgegriffen. "Teile von MCI wussten nicht, was dort stattfindet", sagte die Linke-Ausschussobfrau im NSA-Untersuchungsausschuss, Martina Renner, am Dienstag in Berlin. Um zu verschleiern, dass die Daten zur BND-Außenstelle Rheinhausen weitergeleitet würden, sei offenbar eine Tarnfirma zwischengeschaltet worden, die sich möglicherweise als kommerzieller Provider oder Datenverarbeitungsunternehmen ausgegeben habe.

Die Konstruktion bei Glotaic sei daher eine andere als bei der Operation Eikonal gewesen, sagte Renner. Bei Eikonal hatte die Deutsche Telekom nach Intervention des Bundeskanzleramtes einen Vertrag mit dem BND zur Ausleitung von Daten am Internetknoten Frankfurt am Main geschlossen. In diesem Fall wusste die Telekom allerdings nicht, dass der BND seine Daten auch an den US-Geheimdienst NSA weitergab.

Standort für internationale Datenvermittlung bei MCI

Wie genau im Falle von Glotaic vorgegangen wurde, ist aber noch unklar. Daher will der Ausschuss nach Angaben Renners sowohl Vertreter von MCI (heute Verizon) aus den USA als auch aus Deutschland einladen. Laut einem Bericht der Rheinischen Post aus dem Jahr 2004 betrieb MCI damals in Deutschland neun inländische Schaltzentralen und "zwei internationale Übertragungssysteme", eines davon in Hilden und eines am Firmenhauptsitz in Frankfurt am Main. Wie der Spiegel berichtete, war die Operation nur auf Intervention der CIA ermöglicht worden. Dies lässt darauf schließen, dass zumindest die US-Konzernmutter damals über die Datenausleitung informiert worden war. Möglicherweise war dies bei der deutschen Firmentochter jedoch nicht der Fall.

Sollte dies zutreffen, erscheint es jedoch ungewöhnlich, dass ein Provider seinen Datenverkehr zu einem weiteren Provider doppelt, wie das bei Glotaic der Fall gewesen sein soll. Von der Tarnfirma aus wären die Daten dann an die BND-Außenstelle weitergeleitet worden. Wie viele Tarnfirmen die deutschen Geheimdienste betreiben, ist nicht bekannt. Die Bundesregierung wollte eine entsprechende Anfrage der Linke-Fraktion im vergangenen September nicht beantworten. Dies würde "die Preisgabe von Informationen beinhalten, die das Staatswohl in besonderem Maß berühren". Tarnfirmen oder sonstige Einrichtungen werden demnach genutzt, "um den Hintergrund z.B. für Beschaffungen oder Reisen zu verdecken. Dadurch werden Mitarbeiter, Operationen und Methoden der Informationsbeschaffung des Bundesnachrichtendienstes geschützt."

Nur wenige Fakten zu Glotaic bekannt

In einer Vernehmung durch den NSA-Ausschuss des Bundestags hatten zwei BND-Mitarbeiter nur spärlich Auskunft zu Glotaic gegeben. Nicht einmal den Namen, der in kaum verhüllter Form das Kürzel CIA enthält, durfte offiziell genannt werden.

Was bestätigt wurde: Der BND hörte bei einem Provider zwischen 2003 und 2006 leitungsvermittelte, ausländische Telefonverkehre ab und leitete die Daten über verschlüsselte Leitungen nach Rheinhausen. Die Leitungen wurden anhand von Metadaten ausgewählt und nach bestimmten Anschlüssen durchsucht. Zudem wurden noch Filter eingesetzt, die Inhalte deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger aussortiert haben sollen. Die relevanten Inhalte der ausgewerteten Gespräche wurden mit einem ausländischen Geheimdienst geteilt, wobei die Ausbeute sehr spärlich gewesen sein soll. "Der Partner war von den Ergebnissen genauso enttäuscht wie wir", sagte der Zeuge W.K., Unterabteilungsleiter Abteilung Technische Aufklärung (TA) beim BND.

Weitere Aufklärung in dem Fall soll am kommenden Donnerstag die Vernehmung eines BND-Mitarbeiters der Außenstelle Rheinhausen ergeben. Allerdings erscheint es unwahrscheinlich, dass die Bundesregierung ihre restriktive Aussagepolitik in der Zwischenzeit geändert haben sollte.


eye home zur Startseite
blizzy 25. Feb 2015

Willkommen in der Realität! :)

ratzeputz113 25. Feb 2015

Jo. Nur leider war ich nicht der erste, der drauf kam.

sn0 24. Feb 2015

GLOTAIC <=> CIA Total Observation LookingGlass. klingt irgendwie garnicht so abwegig...

KDE 24. Feb 2015

Am 21.2. hat Kai Biermann einen ausführlichen Bericht bei Zeit online unter der Headline...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. T-Systems International GmbH, Leinfelden-Echterdingen
  2. Robert Bosch GmbH, Abstatt
  3. Fresenius Netcare GmbH, Bad Homburg
  4. über JobLeads GmbH, Villingen-Schwenningen


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. ab 129,99€
  2. 14,99€
  3. 69,99€

Folgen Sie uns
       


  1. Arrow Launcher 3.0

    Microsofts Android-Launcher braucht weniger Energie und RAM

  2. Die Woche im Video

    Angeswitcht, angegriffen, abgeturnt

  3. Hardlight VR Suit

    Vibrations-Weste soll VR-Erlebnis realistischer machen

  4. Autonomes Fahren

    Der Truck lernt beim Fahren

  5. Selektorenaffäre

    BND soll ausländische Journalisten ausspioniert haben

  6. Kursanstieg

    Bitcoin auf neuem Rekordhoch

  7. Google-Steuer

    Widerstand gegen Leistungsschutzrecht auf EU-Ebene

  8. Linux-Kernel

    Torvalds droht mit Nicht-Aufnahme von Treibercode

  9. Airbus A320

    In Flugzeugen wird der Platz selbst für kleine Laptops knapp

  10. Urheberrecht

    Marketplace-Händler wegen Bildern von Amazon bestraft



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Galaxy-A-Serie vs. P8 Lite (2017): Samsungs und Huaweis Kampf um die Mittelklasse
Galaxy-A-Serie vs. P8 Lite (2017)
Samsungs und Huaweis Kampf um die Mittelklasse
  1. Wettbewerbsverstoß Google soll Tizen behindert haben
  2. Strafverfahren De-facto-Chef von Samsung wegen Korruption verhaftet
  3. Samsung Preisliches Niveau der QLED-Fernseher in der Nähe der OLEDs

Fire TV Stick 2 mit Alexa im Hands on: Amazons attraktiver Einstieg in die Streaming-Welt
Fire TV Stick 2 mit Alexa im Hands on
Amazons attraktiver Einstieg in die Streaming-Welt
  1. Fernsehstreaming Fire-TV-App von Waipu TV bietet alle Kanäle kostenlos
  2. Fire TV Amazon bringt Downloader-App wieder zurück
  3. Amazon Downloader-App aus dem Fire-TV-Store entfernt

Intel C2000: Weiter Unklarheit zur Häufung von NAS-Ausfällen
Intel C2000
Weiter Unklarheit zur Häufung von NAS-Ausfällen
  1. Super Bowl Lady Gaga singt unter einer Flagge aus Drohnen
  2. Lake Crest Intels Terminator-Chip mit Terabyte-Bandbreite
  3. Compute Card Intel plant Rechnermodul mit USB Type C

  1. Eine Generation verwöhnter Idioten

    pool | 12:18

  2. Re: warum ist eure hauptseite nicht erreichbar?

    gs (Golem.de) | 12:18

  3. Re: SHA1 Kollision

    Astorek | 12:09

  4. Re: First World Problems

    pool | 12:03

  5. Re: Anscheinend gibt es keine gesetzlichen Vorgaben.

    pool | 11:52


  1. 11:57

  2. 09:02

  3. 18:02

  4. 17:43

  5. 16:49

  6. 16:21

  7. 16:02

  8. 15:00


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel