Abo
  • IT-Karriere:

Operation 13: Anonymous wird wieder aktiv

Mehrere Jahre wirkte es, als sei das dezentrale Kollektiv Anonymous in Deutschland eingeschlafen. Doch es bewegt sich etwas, die Aktivisten machen gegen Artikel 13 mobil - auf der Straße wie im Internet.

Artikel von Anna Biselli veröffentlicht am
Wie damals bei den Protesten gegen Acta sollen nach dem Wunsch von Anonymous jetzt wieder viele Menschen gegen Artikel 13 auf die Straße gehen - mit oder ohne Guy-Fawkes-Masken.
Wie damals bei den Protesten gegen Acta sollen nach dem Wunsch von Anonymous jetzt wieder viele Menschen gegen Artikel 13 auf die Straße gehen - mit oder ohne Guy-Fawkes-Masken. (Bild: VALERY HACHE/AFP/Getty Images)

Schwarz-weißes Bildrauschen, eine grünlich leuchtende Erdkugel dreht sich zu dramatischer Musik, vor der Kugel erscheint ein Oberkörper im Anzug. Wo der Kopf sein sollte, befindet sich nur ein Fragezeichen. Eine computergenerierte Stimme verkündet abgehackt: "Hallo Welt, wir sind Anonymous. Mit Besorgnis beobachten wir die Deformierung des Urheberrechts durch das EU-Parlament mit dem sogenannten Artikel 13."

Es ist eines der wenigen Videos des deutschen Anonymous-Youtube-Kanals der letzten drei Jahre. Auch der Twitter-Account AnonNewsDE postet inzwischen wieder mehrmals täglich Memes, Infos und Aufrufe zum Protest gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform und die dadurch befürchteten Upload-Filter.

Man ist versucht zu sagen, Anonymous sei zurückgekehrt. Aber das wäre zu einfach. Anonymous kann nicht zurückkehren, denn das dezentrale Kollektiv war nie weg. Jeder kann das Label für Aktionen nutzen. Trotzdem: In den letzten Jahren waren die Aktivisten in Deutschland wie auch weltweit weniger aktiv als noch vor einigen Jahren.

Zum ersten Mal machte Anonymous 2008 mit dem Project Chanology auf sich aufmerksam. Sie luden ein internes Video von Scientology auf Youtube hoch, organisierten Demonstrationen gegen die Sekte und legten mit Denial-of-Service-Angriffen Webseiten von Scientologen lahm. Zunächst fanden die meisten Aktionen in den USA statt, später folgten Demonstrationen auch in deutschen Städten.

Über zehn Jahre Protestgeschichte im Internet und auf der Straße

Stellenmarkt
  1. operational services GmbH & Co. KG, Wolfsburg, Braunschweig
  2. Heidemark GmbH, Ahlhorn

Schließlich gab es Aktionen auf der ganzen Welt: So attackierten Aktivisten die Webseiten repressiver Regierungen wie des Iran, griffen nach eigenen Angaben Neonazi-Seiten an und veröffentlichten persönliche Daten von Sympathisanten rechter Gruppierungen. Weltweit attackierten Anhänger des Kollektivs zudem Webseiten und Social-Media-Accounts, die Propaganda für den sogenannten Islamischen Staat verbreiteten.

In den Jahren 2011 und 2012 prägte Anonymous das Bild der Proteste gegen das geplante Handelsabkommen Acta, das Urheberrechtsverletzungen und Produktpiraterie bekämpfen sollte. Bei Demonstrationen gingen europaweit mehr als hunderttausend Menschen auf die Straße.

Einige trugen Guy-Fawkes-Masken, die zum Erkennungszeichen des Kollektivs wurden. Sogar linksliberale Abgeordnete im polnischen Parlament hielten sich das grinsende Konterfei vors Gesicht, um gegen das Abkommen zu protestieren. Am Ende stimmte das EU-Parlament gegen Acta, das Vorhaben scheiterte.

Danach kam die sogenannte Operation Paperstorm gegen die Vorratsdatenspeicherung, bei der Flyer verteilt wurden, verbunden mit Protesten gegen die Bestandsdatenauskunft. Eine der letzten größeren Aktionen in Deutschland fand vor vier Jahren statt: Bei der Operation Pegida wurden mehrere Internetauftritte von Pegida und ihren Ablegern angegriffen.

Anonymous war für ein paar Jahre "eingeschlafen"

Nach 2015, schreibt AnonNewsDE im Chat mit Golem.de, sei das Kollektiv "aktivistisch und hacktivistisch etwas 'eingeschlafen'". AnonNewsDE spricht zwar nicht für das gesamte Kollektiv, erreicht aber mit unter anderem fast 36.000 Followern auf Twitter einen großen Teil des deutschen Ablegers. "Viele Anons, die schon lange dabei sind, werden auch älter, verfolgen irgendwann andere Interessen und halten sich im Hintergrund."

Auch Hetz- und Verschwörungsseiten, die sich das Label Anonymous gaben, haben dem Kollektiv geschadet. Die wohl bekannteste dieser Seiten ist Anonymousnews.ru. Die Seite und ihr Facebook-Auftritt verbreiten rassistische Inhalte, Falschmeldungen, Verschwörungstheorien und Hetze. Dahinter soll Mario Rönsch gesteckt haben, der im Dezember 2018 wegen illegalen Waffenhandels auf der Seite "Migrantenschreck" zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. "Für Menschen, welche vorher noch nie Kontakt mit Anonymous hatten, ist es schwer, das zu unterscheiden", sagt AnonNewsDE.

Ist Artikel 13 das neue Acta für Anonymous? 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 127,99€ (Bestpreis!)

ImBackAlive 13. Mär 2019

Dem habe ich wenig entgegen zu setzen - ich glaube nicht, dass die Nichtwähler alle ein...

Parlan 12. Mär 2019

In meinem Wohnort stehen zum Feierabenverkehr fast jeden Tag vor dem Bahnhof Leute, die...

h4z4rd 09. Mär 2019

Kleines Update, die Bewertungen wurden zwischendurch wieder zurückgesetzt. Aber die...

Onsdag 09. Mär 2019

... in der Vergangenheit haben die allenfalls zu Verzögerungen bei Projekten der Eliten...

tearcatcher 08. Mär 2019

Danke für die konstruktiven Beiträge. Ich halte fest: alle haben sich lieb und die golem...


Folgen Sie uns
       


Phase One IQ4 ausprobiert

Die Phase One IQ4 ist das Mittelformatsystem mit der höchsten Auflösung, das zur Zeit erhältlich ist. Wir haben die Profikamera getestet.

Phase One IQ4 ausprobiert Video aufrufen
Razer Blade 15 Advanced im Test: Treffen der Generationen
Razer Blade 15 Advanced im Test
Treffen der Generationen

Auf den ersten Blick ähneln sich das neue und das ein Jahr alte Razer Blade 15: Beide setzen auf ein identisches erstklassiges Chassis. Der größte Vorteil des neuen Modells sind aber nicht offensichtliche Argumente - sondern das, was drinnen steckt.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Blade 15 Advanced Razer packt RTX 2080 und OLED-Panel in 15-Zöller
  2. Blade Stealth (2019) Razer packt Geforce MX150 in 13-Zoll-Ultrabook

Radeon RX 5700 (XT) im Test: AMDs günstige Navi-Karten sind auch super
Radeon RX 5700 (XT) im Test
AMDs günstige Navi-Karten sind auch super

Die Radeon RX 5700 (XT) liefern nach einer Preissenkung vor dem Launch eine gute Leistung ab: Wer auf Hardware-Raytracing verzichten kann, erhält zwei empfehlenswerte Navi-Grafikkarten. Bei der Energie-Effizienz hapert es aber trotz moderner 7-nm-Technik immer noch etwas.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Navi 14 Radeon RX 5600 (XT) könnte 1.536 Shader haben
  2. Radeon RX 5700 (XT) AMD senkt Navi-Preise noch vor Launch
  3. AMD Freier Navi-Treiber in Mesa eingepflegt

Ricoh GR III im Test: Kompaktkamera mit Riesensensor, aber ohne Zoom
Ricoh GR III im Test
Kompaktkamera mit Riesensensor, aber ohne Zoom

Kann das gutgehen? Ricoh hat mit der GR III eine Kompaktkamera im Sortiment, die mit einem APS-C-Sensor ausgerüstet ist, rund 900 Euro kostet und keinen Zoom bietet. Wir haben die Kamera ausprobiert.
Ein Test von Andreas Donath

  1. Theta Z1 Ricoh stellt 360-Grad-Panoramakamera mit Profifunktionen vor
  2. Ricoh GR III Eine halbe Sekunde Belichtungszeit ohne Stativ

    •  /