OpenTTD, Wesnoth & Co: Quelloffen wuseln und aufbauen
Sie sind gratis, ihr Quellcode ist frei zugänglich und sie begeistern seit Jahren, manchmal seit Jahrzehnten eine eingeschworene Fangemeinde: Offene Computerspiele sind sehr viel mehr als kostenlose Nachbauten von populären Vorbildern.
Die Communitys arbeiten zum Teil höchst professionell und über Jahre an ambitionierten Projekten und erhalten sie unentgeltlich am Leben.
Klar, dass bei derartigen Titeln eher keine Highend-Grafik auf aktuellem Stand oder aufwendige Vertonungen zum Einsatz kommen. Dafür bieten die freien Klassiker aber Komplexität, beispiellose Plattformkompatibilität und eine große Zahl an Übersetzungen – die Spiele sind teilweise in über 50 Sprachversionen verfügbar.
Die folgenden fünf quelloffenen Games zählen zu den Klassikern. Auf die genauere Vorstellung des wohl ohnedies bekanntesten Open-Source-Games FreeCiv(öffnet im neuen Fenster) verzichten wir an dieser Stelle allerdings.
Wer den berühmten Civilization-Nachbau tatsächlich noch nicht kennt, sollte diese Bildungslücke schleunigst schließen – und sich dann die folgenden kostenlosen und freien Games installieren.
Widelands: Alternatives Wuseln
Die neueste Ausgabe der Siedler hat besonders ältere Fans der Aufbaustragiespiel-Reihe nicht wirklich glücklich gemacht ( Angespielt auf Golem.de ). Wer's gern ganz klassisch und noch dazu kostenlos hätte, sollte sich Widelands ansehen.
Seit 2002 arbeiten Freiwillige hier an einer Reinkarnation des zweiten Teils der Siedler-Reihe – es geht also ziemlich puristisch zurück in die gute, alte Zeit. Fünf Völker mit eigener Kampagne und ein Multiplayer-Modus machen Fans der Wusel-Aufbauklassiker glücklich. Wer die eher minimalistische Grafik verwinden kann, bekommt viel geboten.
Nach 19 Jahren Entwicklung stand 2021 die finale 1.0 als Versionsnummer, doch Widelands wird munter und aktiv weiterentwickelt. Das letzte größere Update vom Oktober letzten Jahres brachte drei neue Szenarien, Grafik-Updates und spielerische Änderungen.
"Widelands ist (und bleibt für immer) in konstanter Entwicklung" , heißt es auf der offiziellen Webseite(öffnet im neuen Fenster) . Wie viele Open-Source-Projekte, ist Widelands sowohl Spiel als auch Hobby und Herzensangelegenheit gleichzeitig.
OpenTTD: Wirtschaft trifft Logistik
Open Transport Tycoon Deluxe(öffnet im neuen Fenster) , kurz OpenTTD, ist eines der populärsten quelloffenen Games aller Zeiten. Eigentlich ist es aus der Not geboren: Weil die DOS-Version des 1995 erschienenen Kultspiels Transport Tycoon Deluxe von Chris Sawyer auf modernen Plattformen nur wackelig zum Laufen zu bringen war und ein Nachfolger auf sich warten ließ, machten sich Fans kurzerhand selbst ans Werk.
Im März 2004 startete der damals 23-jährige schwedische Programmierer Carl Ludvig Gunnar Strigeus das ambitionierte Open-Source-Projekt. Strigeus ist übrigens auch der Entwickler von ScummVM, einem Emulator für die klassischen Adventures von Lucas Arts, sowie des Bittorrent-Clients µTorrent.
OpenTTD versetzt die Spieler in die Rolle von Transportunternehmern. Bis zu 255 Personen in 15 Firmen dürfen sich zugleich an dieser logistischen Herausforderung versuchen.
Gerade erst ist mit Version 13.0 eines der größten Updates der 19-jährigen Geschichte der Wirtschaftssimulation erschienen. Tipp: Auch das noch ein paar Jahre zuvor begonnene Open-Source-Game Simutrans ist für Genrefreunde einen Blick wert.
Battle for Wesnoth, Cataclysm, 0 AD
Battle for Wesnoth: Rundenbasierte Strategie
Schon 2005 stellte der gebürtige Australier David White die erste Version von Battle for Wesnoth(öffnet im neuen Fenster) zum Download bereit. Das quelloffene Fantasy-Rundenstrategiespiel erinnert an Heroes of Might & Magic oder Fire Emblem.
Sieben Spielerfraktionen mit über 200 Einheitentypen, 17 Kampagnen und weit über 100 Stunden Umfang bietet allein der Standard-Download. Außerdem gibt es unzählige von der Community programmierte Zusatzkampagnen sowie Mods. Auch gegen menschliche Spieler kann man antreten – entweder online oder lokal per Hot-Seat-Modus.
Neben hunderten Freiwilligen haben im Verlauf der letzten 18 Jahre auch Szene-Größen der Open-Source-Welt wie Eric S. Raymond(öffnet im neuen Fenster) und Rusty Russell(öffnet im neuen Fenster) am Spiel mitgearbeitet.
Die Wesnoth-Community gilt als besonders freundlich und auch Einsteigern gegenüber sehr zuvorkommend, es wird laufend am Spiel weiterentwickelt. Wie OpenTTD ist Wesnoth inzwischen bequem auf Steam beziehbar.
Cataclysm – Dark Days Ahead: Offenes Rollenspiel
Eine ebenso offene wie riesige Rollenspielwelt nach der Zombie-Apokalypse, in der es keine festen Ziele gibt außer das Überleben: Darum geht es in Cataclysm – Dark Days Ahead(öffnet im neuen Fenster) (CDDA). Das Programm stellt zumindest in der Theorie wohl das absolute Traumspiel vieler Menschen dar.
In der Praxis schreckt die traditionell minimalistische Grafik des Rogue-like-Genres vermutlich viele potenzielle Fans ab. Schade, denn unter der spartanischen Oberfläche wartet tatsächlich eine bewundernswert komplexe und faszinierende Spielerfahrung, in der mit absurder Detailliertheit grimmiges Endzeit-Survival gespielt werden kann.
Das vor zehn Jahren veröffentlichte quelloffene CDDA ist ein Fork, also eine Code-Abspaltung vom ebenfalls offenen Rogue-like-Rollenspiel Cataclysm, hat dieses aber längst an Popularität übertroffen.
Wie bei vielen klassischen Rogue-likes bieten grafische Mods und Tilesets die Möglichkeit, das Spiel optisch zumindest ein bisschen aufzuhübschen. Wer sich angesichts des großen Erfolgs von Dwarf Fortress eine vergleichbar komplexe Singleplayer-Erfahrung im Horror-Setting gewünscht hat, ist hier richtig – ein bisschen Willen zur Einarbeitung vorausgesetzt.
0 AD: Historisch so korrekt wie möglich
Die Entwicklung von Open-Source-Spielen ist ein zeitaufwendiger Prozess, weil viele der daran beteiligten Entwickler ausschließlich nebenbei und in ihrer Freizeit an dem Projekt arbeiten und es de facto kein Budget gibt.
Beim Echtzeit-Strategiespiel 0 AD(öffnet im neuen Fenster) ist das ein bisschen anders: 2001 eigentlich als Total-Conversion-Modifikation von Age of Empires 2 gestartet und im Anschluss daran als Closed Source entwickelt, wurde das ambitionierte Game ab 2010 zum Standalone-Open-Source-Projekt.
Das Modding-Team hat sich unter dem Namen Wildfire Games als inzwischen 18-köpfiges Indie-Studio neu formiert, am quelloffenen Projekt haben aber schon bis zu 100 Freiwillige mitgearbeitet.
Das Wichtigste an 0 AD ist nach Entwickleraussage die historische Genauigkeit bei der Gestaltung der antiken Zivilisationen und Fraktionen, und die sieht man dem übrigens auch grafisch gelungenen Echtzeitstrategiespiel durchaus an.
Erst letzten September wurde mit der Alpha 26 die chinesische Han-Zivilisation als neue Fraktion eingeführt. Über eineinhalb Millionen Spieler haben 0 AD bereits gespielt.
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