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Opensuse 12.2: Verspätet und deshalb stabil

Fast zwei Monate später als geplant erscheint Opensuse 12.2 . Die Entwickler haben in der Zeit viele Fehler behoben und so für ein stabiles System gesorgt. Die größte Neuerung ist der Wechsel hin zu Grub2 und Plymouth.
/ Sebastian Grüner
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Opensuse ist mit Verspätung erschienen. (Bild: Screenshot: Golem.de)
Opensuse ist mit Verspätung erschienen. Bild: Screenshot: Golem.de

Die Entwicklung von Opensuse 12.2 verlief überhaupt nicht wie geplant. Ein vierter Meilenstein wurde nie veröffentlicht, die erste Beta erschien eine Woche zu spät und schließlich zog Release-Manager Stephan Kulow die Notbremse und verschob den finalen Termin um knapp zwei Monate . Diese Zeit nutzten die Projektmitglieder, um ihre Arbeit zu diskutieren und vor allem, um Fehler zu beheben.

Trotz der vielen Fehler, die während der Entwicklung auftraten, enthält Opensuse 12.2 kaum größere Neuerungen neben den aktualisierten Paketen. Die für Anwender wohl auffälligste Änderung ist der Wechsel des Bootloaders von Grub Legacy zu Grub 2. Andere Linux-Distributionen setzen diese Version bereits seit einiger Zeit ein, allen voran Ubuntu, das seit Oktober 2009 Grub 2 standardmäßig benutzt, wenn auch damals noch als Vorabversion. Der Bootloader bildet die Grundlage dafür, dass der UEFI-Standard von Opensuse künftig einfach unterstützt werden kann. Ob und wie Secure Boot eventuell noch in Opensuse 12.2 nutzbar wird, steht jedoch noch nicht fest.

Angepasstes Grub2 und Probleme mit Plymouth

Im Gegensatz zu Ubuntu oder auch Fedora, die dem textbasierten Bootmenü von Grub 2 nur eine Hintergrundfarbe verpassen, vewendet Opensuse ein eigenes Grub-Theme. Dieses fügt zum Beispiel zu einzelnen Menüeinträgen ein dem Betriebssystem entsprechendes Icon hinzu oder animiert die Wartezeit in einer Leiste. Das Ändern der Booteinträge durch Drücken der Taste E ist jedoch durch die Wahl der Schriftfarbe Grau fast nicht möglich. Die Einträge setzen sich kaum von dem Hintergrundbild ab, so dass sie nicht mehr lesbar sind.

Das Bootloader-Modul von Yast wurde auch an Grub 2 angepasst. Leider fehlt der Reiter für die Abschnittsverwaltung. Über diesen konnten Nutzer bisher unter anderem die Reihenfolge der Booteinträge festlegen, den Standardeintrag auswählen oder die Einträge einzeln bearbeiten, um etwa Kernel-Parameter dauerhaft hinzuzufügen.

Für die Anzeige während des Systemstarts ist nun Plymouth verantwortlich, das Animationen ermöglicht und zum Beispiel das Passwort für verschlüsselte Partitionen abfragen kann. Bei einigen Nvidia-Grafikkarten, die mit dem freien Nouveau-Treiber betrieben werden, kann der Einsatz von Plymouth jedoch unter Umständen den Start des X-Servers behindern. Einzige Abhilfe ist das Abschalten von Plymouth beziehungsweise der Wechsel in den Text-Konsolen-Modus während des Systemstarts. Um den Bootprozess selbst kümmert sich Systemd 44. Der Initialisierungsdienst kann damit auch das sogenannte Journal nutzen, das einen Ersatz für Syslog darstellt.

Dezente Anpassungen an Gnome 3.4

Das Opensuse-Team hat in Gnome 3.4 einige wenige Einstellungen der Gnome-Shell angepasst. So können Nutzer auch ohne Administrator-Rechte WLAN-Verbindungen erstellen. Ebenso ist die Option Tap-to-Click aktiviert und das Touchpad wird während des Schreibens deaktiviert. Dank der Grafikbibliothek Mesa 8.0 und des darin enthaltenen Llvmpipe-Treibers lässt sich die Gnome-Shell nun auch ohne 3D-beschleunigte Grafikhardware nutzen, etwa in virtuellen Maschinen. Die Berechnungen der 3D-Effekte übernimmt stattdessen die CPU.

Mit der Veröffentlichung von Gnome 3.4 setzten die Entwickler eine neue Designrichtlinie um. So verzichten einige Anwendungen auf eine eigene Menüleiste. Die wichtigsten Funktionen sind über den Eintrag einer Anwendung im Panel der Gnome-Shell per Mausklick erreichbar. Das gilt jedoch nicht für sämtliche Gnome-Anwendungen, sondern nur für ausgewählte, etwa Epiphany oder auch die Kontakt- oder die Dokumentenverwaltung.

Mit Gnome 3.4 ist auch erstmalig eine Vorabversion der Software Boxes verfügbar. Dieses grafische Frontend für virtuelle Maschinen ist für Privatanwender gedacht und nutzt Libvirt für den Zugriff auf KVM. Seine volle Funktionsfähigkeit soll Boxes jedoch erst mit Gnome 3.6 erreichen.

KDE SC 4.8 statt 4.9

Obwohl bereits seit knapp einem Monat KDE SC 4.9 zur Verfügung steht, haben sich die Opensuse-Entwickler für die Stabilität und damit gegen dessen Integration entschieden. Stattdessen wird KDE SC 4.8.4 eingesetzt. Dieses nutzt QtQuick samt der deklarativen Programmiersprache Qt Meta Object Language, kurz QML. Die QML-Bibliothek Plasma-Components stellt in KDE SC 4.8 ein API bereit, über das häufig genutzte Fensterobjekte wie Schaltflächen, Schieberegler oder Scrollleisten in eine Anwendung eingefügt werden können.

Für KDE SC 4.8 wurde auch die Energieverwaltung umgeschrieben, wodurch Einstellungen leichter vorzunehmen sind. Anwender können nun in Reitern zu dem Akku- und Netzbetrieb direkt die bekannten Einstellungen zu der Bildschirmhelligkeit oder den Ruhezuständen vornehmen. Bisher mussten separate Energieprofile erstellt und anschließend zugeordnet werden.

Die Anzeige des Dateimanagers Dolphin wurde komplett überarbeitet. Die Lücke nach dem Löschen von Dateien wird etwa sichtbar wieder "aufgefüllt". Das Verändern der Fenstergeometrie sorgt ebenfalls für Animationen, unter anderem, wenn die Dateien in drei statt vier Spalten angezeigt werden, weil die Fensterbreite verringert wird.

Für nostalgische KDE-Fans findet sich in den Paketquellen auch eine angepasste Version von KDE 3.5.10. Diese kann nun sowohl Upower als auch Udisks nutzen. Ebenfalls verfügbar sind Xfce 4.10 , das hauptsächlich optische Detailverbesserungen bietet, sowie ein aktualisiertes LXDE. Das leichtgewichtige Razor-qt und Enlightenment E17, das seit kurzem einen Release Manager hat , sind nicht über die offiziellen Paketquellen erhältlich.

Unter der Haube

Der Linux-Kernel 3.4 bildet die Basis von Opensuse 12.2. Vor allem für das bereits seit Opensuse 12.1 unterstützte Btrfs enthält der Kernel viele Verbesserungen. Bei unerwarteten Fehlern gibt das Dateisystem künftig Fehlermeldungen aus und versetzt sich in den schreibgeschützten Modus, bisher schaltete es sich mit einem Panic kommentarlos ab.

Das Kommandozeilenwerkzeug für die Paketverwaltung Zypper animiert den Download von Paketen mit einer von links nach rechts durchlaufenden Prozentangabe. Zudem hat das Team einige weitere Pakete nicht-freier Software in dem Non-OSS-Repository hinzugefügt. Deshalb wurde auch die Updatequelle aufgeteilt, in ein Repository für freie Software und eines für unfreie.

Mit der USRMerge-Initiative folgt Opensuse dem Fedora-Projekt, das mit Beefy Miracle sämtliche Binärdateien und Bibliotheken in das /usr-Verzeichnis verschoben hat. Aber noch ist nur eine kleine Anzahl der Pakete verändert worden. Einen Überblick über den Fortschritt(öffnet im neuen Fenster) der Initiative bietet das Opensuse-Wiki.

Entwicklungswerkzeuge

Erstellt wurde die Linux-Distribution mit GCC 4.7.1 , was dem System eine Leistungssteigerung bringen soll. Außerdem unterstützt die Compiler-Collection nun die Standards C++11 und C11. Das Projekt wechselt außerdem die bereitgestellte Java-Version und nutzt nun das OpenJDK 7, da Version 6 offiziell nur noch bis November dieses Jahres mit Updates versorgt wird.

Entwickler können außerdem auf Qt 4.8.1 zugreifen, ebenso wie auf die Glibc 2.15. Letztere optimiert vor allem die Funktionen auf 64-Bit-Systemen. Die von Google-Mitarbeitern initiierte Programmiersprache Go 1.0.2 kann ebenfalls genutzt werden.

Desktop-Software und Fazit

Dem Stabilitätsanspruch für Opensuse 12.2 folgend, haben die Entwickler auch bei den Desktopanwendungen nicht immer die neueste Version eingepflegt. Als Standard-Office-Suite kommt etwa Libreoffice 3.5.4 zum Einsatz, alternativ kann auch die Calligra-Suite 2.4.2 genutzt werden, die erste Veröffentlichung des KDE-Office-Pakets unter neuem Namen.

Auf den Installationsmedien finden sich Firefox und Thunderbird in Version 14, in den Update-Repositories ist jedoch bereits Version 15 enthalten. Zur Bildbearbeitung kann Gimp 2.8 im Ein-Fenster-Modus benutzt werden. Mit der Aufnahme der Musikplayer Tomahawk(öffnet im neuen Fenster) und Pragha(öffnet im neuen Fenster) und einiger weiterer Anwendungen wächst das Paketarchiv der Distribution weiter an.

Nutzern, denen die Softwareauswahl nicht aktuell genug ist, steht eine Vielzahl an Quellen zur Verfügung, über die KDE SC, Libreoffice oder anderes in der jeweils neuesten Version installiert werden kann. Um dabei die Übersicht zu wahren, startete Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman im Dezember 2010 Tumbleweed, das Rolling Releases für Opensuse(öffnet im neuen Fenster) anbietet. Weitere Software und vor allem jene zur Nutzung patentbehafteter Codecs bietet das Packman-Repository.(öffnet im neuen Fenster)

Fazit

In unserem kurzen Test haben wir bis auf das Problem mit Plymouth und dem Nouveau-Treiber keine größeren Fehler gefunden. Der Wechsel zu Grub2 sowie Plymouth sollte für die meisten Anwender problemlos sein, auch wenn die gewohnten grafischen Einstellungsmöglichkeiten für den Bootloader nicht mehr vorhanden sind.

Dass die Entwickler die vergangenen Monate genutzt haben, Fehler zu beseitigen und die Pakete aufeinander abzustimmen ist spürbar. Offen bleibt jedoch zunächst, welche Lehren das Projekt aus dem chaotischen Entwicklungszyklus zieht. Erste Ergebnisse werden der Opensuse-Summit in einigen Wochen und die Opensuse-Konferenz Mitte Oktober bringen.

Eine Übersicht über die Neuerungen in Opensuse 12.2(öffnet im neuen Fenster) bietet das Projekt-Wiki, ebenso wie eine Liste der Pakete(öffnet im neuen Fenster) in den Hauptquellen. Installationsabbilder für DVDs und CDs für 32-Bit- und 64-Bit-Systeme stehen ab sofort zum Download(öffnet im neuen Fenster) bereit. Um etwas Platz auf den Medien zu schaffen, ist ein Großteil der Dokumentation nun nicht mehr darauf enthalten. Kostenpflichtige Versionen(öffnet im neuen Fenster) von Opensuse sind ebenfalls erhältlich.


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