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Openstack Foundation: "Wir werden von der Community überrannt"

Das rapide Wachstum von Openstack stellt die gleichnamige Stiftung vor einige Probleme. Zudem fehlt dem jungen, aber sehr erfolgreichen Projekt ein klarer Fokus, da Einzelinteressen überwiegen – wie auf dem Openstack-Dach-Day deutlich wurde.
/ Sebastian Grüner
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Nahezu alle großen IT-Unternehmen unterstützen Openstack oder nutzen es. (Bild: Flickr.com/Michael Coté/CC-BY 2.0)
Nahezu alle großen IT-Unternehmen unterstützen Openstack oder nutzen es. Bild: Flickr.com/Michael Coté/CC-BY 2.0

Mehr noch als bei ähnlichen Ereignissen gleicht zumindest der Beginn der Keynote-Ansprache von Mark Collier auf dem Openstack-Dach-Day(öffnet im neuen Fenster) einer reinen Werbeveranstaltung. Dabei sollte es der Chief Operating Officer der Openstack Foundation (OF) bei dem Anwendertreffen eines so rasant wachsenden Projekts eigentlich gar nicht mehr nötig haben, die Technik derart anzupreisen.

Doch Collier berichtet zunächst über einige Erfolgsgeschichten beim Einsatz von Openstack durch riesige Konzerne wie Walmart, Disney oder Wells Fargo. Profitieren könnten von der Cloud-Software natürlich aber auch kleine Startups, die sehr schnell wüchsen.

Als der Manager schließlich auf technische Details zu sprechen kommt, kategorisiert er die Openstack-Teilbereiche in bereits stabile Anwendungen und Experimente. Zu Letzteren zähle etwa die Integration vergleichsweise junger Technik wie Docker, an der noch gearbeitet werde. Der Vortrag wirkt angesichts der enormen Unterstützung von Openstack durch die Industrie sehr darum bemüht, positive Leistungen herauszustellen.

Das starke Wachstum lässt sich kaum verwalten

Im Gespräch mit Collier und seinem Vorstandskollegen Jonathan Bryce wird aber relativ schnell deutlich, warum der Vortrag nur sehr wenige technische Inhalte bot. Den Organisatoren fällt es einfach sehr schwer, mit der Community Schritt zu halten. Sie würden geradezu "überrannt", sagen die beiden.

So seien zurzeit rund 350 Firmen mehr oder weniger direkt an Openstack beteiligt. Auf dem vergangenen Openstack-Summit hätten sich circa 6.000 Interessierte getroffen, und es gebe nach wie vor ein "rasches Wachstum". Dabei ist das Projekt gerade einmal fünf Jahre alt.

Der OF bleibe also nichts anderes übrig, als eher zurückhaltend zu agieren und anderen die Arbeit am Code zu überlassen. Dafür gebe es verschiedene Arbeitsgruppen oder auch Entwicklersprints, und es werde die nötige technische Infrastruktur bereitgestellt sowie der Release Manager bezahlt.

Dieses Selbstverständnis ähnelt sehr stark dem der Linux Foundation (LF), in der ebenfalls eine Vielzahl von Unternehmen organisiert ist. Allerdings bezahlt die LF führende Entwickler und kümmert sich aktiv um Initiativen wie die Langzeitunterstützung für Kernel. Offenbar geht die Führung der OF davon aus, dass die Community so etwas selbst leisten kann. Probleme ergäben sich aus dieser Herangehensweise aber nicht, meint sie.

Harte Unternehmensinteressen statt echter Zusammenarbeit

Bestätigt wird dieses harmonisch gezeichnete Bild von den Anwesenden auf dem Openstack-Dach-Day je nach Ansprechpartner aber selten. Den auffälligsten Kontrapunkt setzt dabei Kristian Köhntopp von Syseleven(öffnet im neuen Fenster) mit dem Vortrag "45 Minutes of Openstack Hate", den er zuvor gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Loschwitz bereits auf der Open Source Data Center Conference(öffnet im neuen Fenster) gehalten hat.

Köhntopp beschreibt darin mit viel Häme, was an dem Code von Openstack alles falsch und unbrauchbar sei. Die wohl häufigste Erfahrung aus seinem Arbeitsalltag sei, dass der Upstream-Openstack-Code fast nicht zu gebrauchen sei. Dies sei teils so schwerwiegend, dass er annehme, dass die Software wohl nie unter realen Bedingungen in einem Rechenzentrum getestet worden sei.

Darüber hinaus sei die Architektur wohl darauf ausgelegt, dass Zusatzprodukte einzelner Anbieter hinzugekauft werden müssten. Diese und ähnliche, wenn auch weniger gravierende Beschreibungen zeugen von einem harten Konkurrenzkampf statt einer gemeinsamen Entwicklung.

Linux funktioniert ganz anders

Implizit bekräftigt wird diese Annahme auch von den Managern der OF, welche die Hauptaufgabe für die Arbeit an Openstack und die Bereitstellung für Endkunden bei verschiedenen Distributoren sehen. Gemeint sind damit etwa Red Hat, Canonical, Suse oder auch Mirantis.

Diese wiederum scheinen aber möglichst schnell möglichst große Marktanteile besetzen zu wollen, um langfristig von dem starken Wachstum bei Openstack profitieren zu können. Das wird angesichts der enormen Ressourcen deutlich, die in sehr kurzer Zeit von den Unternehmen in Openstack investiert wurden. Den Unternehmen wird dabei auch nachgesagt, nicht immer mit fairen Mitteln zu arbeiten.

Bei dem Vergleich mit der Entwicklung von Linux fallen klare Unterschiede auf. So dominiert bei den Kernel-Hackern nach wie vor das Credo zu einem Miteinander. Das führte etwa zu dem Zusammenlegen der beiden Live-Patching-Techniken von Red Hat und Suse.

Ebenso ist es erfahrenen Anwendern möglich, einen Kernel aus dem Upstream-Code zu erstellen und einzusetzen, da der Code getestet und oft mehrfach revidiert worden ist. Die Ausführungen von Köhntopp in Bezug auf Openstack hierzu zeigen klare Differenzen.

Die Kernel-Hacker benennen auch offen Probleme, so wie zuletzt der Sony-Angestellte Tim Bird, der die großen Code-Unterschiede bei mobilen Geräten anprangerte. Vergleichbare Schwierigkeiten gebe es bei den Openstack-Distributoren aber nicht, sagen einige Unternehmensvertreter auf Nachfrage.

Dem entgegen steht die klare Zustimmung zu dem Vortrag von Köhntopp aus dem Publikum. Damit sich Openstack, wie von Collier erhofft, tatsächlich zu dem führenden Produkt für Cloud-Software entwickelt, müssten die Akteure aus Nutzer-Community, Unternehmen und Distributoren wohl aber bald zueinanderfinden, statt wie bisher Ungereimtheiten zu übergehen.


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