Abo
  • Services:

OpenSSL-Lücke: Die Sache mit den sicheren Primzahlen

OpenSSL hat mit einem Sicherheitsupdate eine Sicherheitslücke im Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch behoben, deren Risiko als "hoch" eingestuft wird. Allerdings dürfte kaum jemand von der Lücke praktisch betroffen sein.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Beim Schlüsselaustausch mit dem Diffie-Hellman-Verfahren wurde ein Problem in OpenSSL entdeckt.
Beim Schlüsselaustausch mit dem Diffie-Hellman-Verfahren wurde ein Problem in OpenSSL entdeckt. (Bild: PMRMaeyaert/Wikimedia Commons/CC-BY-SA 3.0)

Auch wenn die Auswirkungen begrenzt sein dürften: Eine neu entdeckte Sicherheitslücke in OpenSSL zeigt erneut, welche Fallstricke es bei der Implementierung des Diffie-Hellman-Schlüsselaustauschverfahrens gibt. Eine Rolle spielen dabei sogenannte "sichere" Primzahlen und die Wiederverwendung von Ephemeral-Diffie-Hellman-Keys über mehrere Verbindungen. Eine weitere Sicherheitslücke erlaubt unter bestimmten Umständen die Nutzung von Uralt-Ciphern aus dem SSL-Protokoll Version 2.

Stellenmarkt
  1. Hays AG, Offenbach
  2. Host Europe GmbH, Hürth

OpenSSL hat die Versionen 1.0.1r und 1.0.2f veröffentlicht. Die älteren Versionszweige 0.9.8 und 1.0.0 werden seit kurzem nicht mehr unterstützt.

Safe Primes und Sophie-Germain-Primzahlen

Der Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch benötigt als Parameter für Verbindungen eine Primzahl. Für diese Primzahl wird üblicherweise eine sogenannte "safe Prime" ("sichere Primzahl") eingesetzt. Doch der Name ist missverständlich, denn es gibt auch andere Primzahlen, die in sicherer Art und Weise verwendet werden können. Dabei muss man allerdings einiges beachten.

Diese "safe Primes" zeichnen sich dadurch aus, dass es zu einer Primzahl p eine weitere Primzahl gibt, die man durch die Formel (p-1)/2 berechnen kann. Diese weitere Primzahl nennt sich Sophie-Germain-Primzahl. Ob eine Primzahl eine "safe Prime" ist, lässt sich so relativ einfach testen.

OpenSSL 1.0.2 nutzte standardmäßig jedoch keine Primzahlen dieser Form, es verwendete Primzahlen aus dem RFC 5114, die andere Eigenschaften haben. Diese Primzahlen können eine höhere Performance bieten, allerdings muss man dabei eine Sache beachten: Mit demselben Schlüssel darf jeweils nur ein Schlüsselaustausch durchgeführt werden, andernfalls ist ein Angriff möglich. Auch ältere Versionen von OpenSSL unterstützen bereits die Erzeugung von anfälligen Diffie-Hellman-Primzahlen mit dem Parameter -dsaparam.

Mehrfach verwendete Ephemeral-Keys

Hier wird nun eine andere Eigenschaft von OpenSSL zum Verhängnis: Die Ephemeral-Keys beim Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch werden - zumindest standardmäßig - mehrfach verwendet. Doch man kann dieses Wiederverwenden von Ephemeral-Keys abschalten, dafür hat OpenSSL die Option SSL_OP_SINGLE_DH_USE. Diese Option ist auch der Grund, weshalb die Auswirkungen der Lücke begrenzt sein dürften: Alle wichtigen Serveranwendungen, darunter etwa Apache und Nginx, haben diese Option bereits gesetzt.

Entdeckt wurde die Lücke von Antonio Sanso, einem Sicherheitsforscher von Adobe. In seinem Blog hat Sansodie Details und auch den möglichen Angriff erläutert. Die Lücke hat die Id CVE-2015-1788 erhalten.

Neben den wiederverwendeten Ephemeral-Keys gibt es eine weitere Situation, in der die Lücke problematisch sein kann: beim statischen Diffie-Hellman-Verfahren. Das verwendet allerdings sowieso fast niemand und es ist auch eher nicht empfehlenswert, auf dieses ungewöhnliche Verfahren zu setzen. Im vergangenen Jahr sorgte bereits der sogenannte KCI-Angriff für Zweifel an diesen Ciphern.

Das problematische Wiederverwenden von Ephemeral-Keys hat OpenSSL nun deaktiviert. Die Option SSL_OP_SINGLE_DH_USE ist standardmäßig gesetzt und lässt sich auch nicht mehr ausschalten. Das sorgt für geringe Performanceeinbußen, vermeidet jedoch einige Risiken. Beim Diffie-Hellman-Verfahren mit elliptischen Kurven wird der Ephemeral-Key jedoch weiterhin wiederverwendet. Allerdings gilt auch hier: Fast alle wichtigen Serveranwendungen deaktivieren diese Funktion.

Da sich der Einsatz der sogenannten "safe Primes" leicht testen lässt, hat der Autor dieses Textes bereits vor einiger Zeit ein Skript erstellt, mit dem sich Server testen lassen. Dazu sei allerdings nochmal betont: Wenn ein Server keine "safe Prime" einsetzt, heißt das noch nicht, dass eine Sicherheitslücke besteht. Nur die Kombination aus einer anderen Primzahl und dem Cachen von Ephemeral-Keys ist ein Risiko.

SSLv2-Cipher können trotz Abschaltung aktiv bleiben

Die zweite Lücke, die mit diesem Update behoben wird, betrifft das uralte SSL Version 2. Schaltet ein Server alle Cipher-Suites für dieses alte Verfahren aus, vergisst jedoch, auch das zugehörige Protokoll auszuschalten, sind weiterhin Verbindungen mit diesen Cipher-Suites möglich. Diese Lücke hat die Id CVE-2015-3197 erhalten und wurde von Nimrod Aviram und Sebastian Schinzel entdeckt. In fast allen modernen Anwendungen ist SSL Version 2 sowieso ausgeschaltet. Selbst wenn ein Server von dieser Lücke betroffen ist, dürften die Auswirkungen begrenzt sein: Kaum eine Software kann sich damit noch verbinden.



Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. Logan, John Wick, Alien Covenant, Planet der Affen Survival)
  2. (u. a. 3 Blu-rays für 15€, 2 Neuheiten für 15€)

bstea 29. Jan 2016

Falls die Frage aufkommen sollte, ja Libressl ist auch betroffen. 2.2.6 wird mit dem...

Nibbels 29. Jan 2016

Also... ich persönlich bin froh, dass die Bugs, welche man in den letzten Jahren gefunden...

mnementh 29. Jan 2016

(59-1)/2=29 Der Artikel sagte ziemlich klar, dass p eine safe prime ist, wenn man durch...


Folgen Sie uns
       


Dell Ultrasharp 49 (U4919DW) - Fazit

Dells neuer Super-Ultrawide-Monitor begeistert uns im Test als sehr guter Allrounder. Einzig einige Gaming-Features fehlen ihm.

Dell Ultrasharp 49 (U4919DW) - Fazit Video aufrufen
Red Dead Online angespielt: Schweigsam auf der Schindmähre
Red Dead Online angespielt
Schweigsam auf der Schindmähre

Der Multiplayermodus von Red Dead Redemption 2 schickt uns als ehemaligen Strafgefangenen in den offenen Wilden Westen. Golem.de hat den handlungsgetriebenen Einstieg angespielt - und einen ersten Onlineüberfall gemeinsam mit anderen Banditen unternommen.

  1. Spielbalance Updates für Red Dead Online und Battlefield 5 angekündigt
  2. Rockstar Games Red Dead Redemption 2 geht schrittweise online
  3. Games US-Spielemarkt erreicht Rekordumsätze

IMHO: Valves Ka-Ching mit der Brechstange
IMHO
Valves "Ka-Ching" mit der Brechstange

Es klingelt seit Jahren in den Kassen des Unternehmens von Gabe Newell. Dabei ist die Firma tief verschuldet - und zwar in den Herzen der Gamer.
Ein IMHO von Michael Wieczorek

  1. Artifact im Test Zusammengewürfelt und potenziell teuer
  2. Artifact Erste Kritik an Kosten von Valves Sammelkartenspiel
  3. Virtual Reality Valve arbeitet an VR-Headset und Half-Life-Titel

Mars Insight: Nasa hofft auf Langeweile auf dem Mars
Mars Insight
Nasa hofft auf Langeweile auf dem Mars

Bei der Frage, wie es im Inneren des Mars aussieht, kann eine Raumsonde keine spektakuläre Landschaft gebrauchen. Eine möglichst langweilige Sandwüste wäre den beteiligten Wissenschaftlern am liebsten. Der Nasa-Livestream zeigte ab 20 Uhr MEZ, dass die Suche nach der perfekten Langeweile tatsächlich gelang.

  1. Astronomie Flüssiges Wasser auf dem Mars war Messfehler
  2. Mars Die Nasa gibt den Rover nicht auf
  3. Raumfahrt Terraforming des Mars ist mit heutiger Technik nicht möglich

    •  /