Openschufa: Reverse-Engineering der Schufa geplant

Die NGOs Algorithm Watch und die Open Knowledge Foundation(öffnet im neuen Fenster) wollen herausfinden, wie die umstrittenen Bewertungen der Schufa zustande kommen. Dazu haben sie eine Initiative gestartet(öffnet im neuen Fenster) , um zunächst Geld zu sammeln und später eine massenhafte Auswertung von freiwillig eingesandten Schufa-Auskünften durchzuführen.
Schufa steht für Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung und ist eine privatrechtlich organisierte Auskunftei. Das Unternehmen sammelt zahlreiche Daten zur Kreditwürdigkeit von Verbrauchern, die dann über die Vergabe von Krediten, Mobilfunkverträgen und Bestellungen auf Rechnung abgefragt werden und bei schlechter Bewertung zur Ablehnung des Vertragsverhältnisses führen können.
Auch bei Mietverträgen für Wohnungen wird eine entsprechende Auskunft eingeholt, einige Vermieter verlangen neben der einfachen Auskunft auch eine Angabe des Score-Wertes. Die Schufa selbst gibt allerdings nach eigenen Angaben keine Informatioenn zum Score-Wert an die Immobilienwirtschaft weiter. Das Unternehmen hat mehrere Wettbewerber, etwa das zum Bertelsmann-Konzern gehörende Dienstleister Arvato Infoscore.
800 Millionen Einzeldaten
Die Schufa verfügt nach eigenen Angaben über 800 Millionen Einzeldaten zu 67,2 Millionen natürlichen Personen und zu etwa 5,3 Millionen Unternehmen. Wie genau die Verarbeitung der Daten und die Berechnung des Score-Wertes ablaufen, ist jedoch nicht transparent - die Schufa behandelt den dahinterstehenden Algorithmus als Geschäftsgeheimnis.

Dies will die Openschufa-Initiative ändern. Nach erfolgreicher Finanzierung soll eine App entwickelt werden, die es ermöglicht, eigene Auskunftsbescheide mit OCR abzufotografieren und hochzuladen. Dazu werden zunächst 30.000 Euro gesammelt, mit 50.000 Euro will die Initiative im Stande sein, die erhobenen Daten auch intensiv zu analysieren.
Die Initiative will dabei nicht alle Daten aus der Selbstauskunft. Im Gespräch mit Golem.de sagte Lorenz Matzat von Algorithm Watch: "Uns geht es um den Scan der sogenannten Haupttabelle, in der Scores für verschiedene Bereiche angegeben sind. Wer seine Daten spenden will, kann zusätzlich freiwillig weitere demografische Angaben zu Alter, Geschlecht oder Wohnort machen."
Für die Qualität der erhobenen Daten wird entscheidend sein, wie repräsentativ die eingesandten Bescheide sind. Dazu Matzat: "Uns ist bewusst, dass wir mit der Kampagne selbst nicht unbedingt die Menschen erreichen, die Probleme mit ihrem Schufa-Score haben. Deshalb wollen wir nach erfolgreicher Finanzierung gezielt auch an Sozialverbände und andere Initiativen herantreten."
Die Schufa selbst räumt ein, nicht immer eine optimale Datenbasis zur Verfügung zu haben. Das Unternehmen bestreitet aber, dass zum Beispiel der Wohnort einen maßgeblichen Einfluss auf den Score-Wert hat. Nur in wenigen Ausnahmefällen würde diese Information herangezogen, um Daten anzureichern.
Nachtrag vom 15. Februar 2018, 13:53 Uhr
Die Schufa kritisiert(öffnet im neuen Fenster) die Aktion. Sie sei "klar gegen die übergeordneten Interessen von Wirtschaft, Gesellschaft und den Wirtschaftsstandort Deutschland gerichtet" . Eine "Offenlegung der Scoreformel gegenüber der Allgemeinheit" würde in die Irre führen. Denn dann könnten Verbraucher ihren eigenen Score manipulativ verbessern und somit falsche Angaben zur Kreditwürdigkeit vortäuschen. Die Schufa kritisiert zudem, dass Algorithm Watch finanziell von der Bertelsmann Stiftung unterstützt wird, die mit Arvato Infoscore einen Wettbewerber betreibe. Die Kampagne soll jedoch aus Spendengeldern finanziert werden und nicht aus dem Beitrag von Bertelsmann. Die Schufa warnt außerdem davor, die eigene Schufa-Auskunft herauszugeben, da sie schützenswerte Informationen enthalte.



