Openschufa: Reverse-Engineering der Schufa geplant

Wie genau kommt der Schufa-Score eigentlich zustande? Das wollen Algorithm Watch und die Open Knowledge Foundation zusammen herausfinden und bitten dafür um Geld - und später um Daten.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Initiative Openschufa will Schufa-Auskünfte sammeln und analysieren.
Die Initiative Openschufa will Schufa-Auskünfte sammeln und analysieren. (Bild: Manuel Kinzer/Algorithm Watch)

Die NGOs Algorithm Watch und die Open Knowledge Foundation wollen herausfinden, wie die umstrittenen Bewertungen der Schufa zustande kommen. Dazu haben sie eine Initiative gestartet, um zunächst Geld zu sammeln und später eine massenhafte Auswertung von freiwillig eingesandten Schufa-Auskünften durchzuführen.

Stellenmarkt
  1. Referent (m/w/d) für IT und Informationssicherheit
    PSI Software AG Geschäftsbereich PSI Energie EE, Dortmund
  2. IT Security Consultant/IT Security Architect (m/w/d)
    SySS GmbH, Tübingen, München, Frankfurt
Detailsuche

Schufa steht für Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung und ist eine privatrechtlich organisierte Auskunftei. Das Unternehmen sammelt zahlreiche Daten zur Kreditwürdigkeit von Verbrauchern, die dann über die Vergabe von Krediten, Mobilfunkverträgen und Bestellungen auf Rechnung abgefragt werden und bei schlechter Bewertung zur Ablehnung des Vertragsverhältnisses führen können.

Auch bei Mietverträgen für Wohnungen wird eine entsprechende Auskunft eingeholt, einige Vermieter verlangen neben der einfachen Auskunft auch eine Angabe des Score-Wertes. Die Schufa selbst gibt allerdings nach eigenen Angaben keine Informatioenn zum Score-Wert an die Immobilienwirtschaft weiter. Das Unternehmen hat mehrere Wettbewerber, etwa das zum Bertelsmann-Konzern gehörende Dienstleister Arvato Infoscore.

800 Millionen Einzeldaten

Die Schufa verfügt nach eigenen Angaben über 800 Millionen Einzeldaten zu 67,2 Millionen natürlichen Personen und zu etwa 5,3 Millionen Unternehmen. Wie genau die Verarbeitung der Daten und die Berechnung des Score-Wertes ablaufen, ist jedoch nicht transparent - die Schufa behandelt den dahinterstehenden Algorithmus als Geschäftsgeheimnis.

Golem Akademie
  1. Penetration Testing Fundamentals
    17.-18. Januar 2022, online
  2. Linux-Systeme absichern und härten
    8.-10. November 2021, online
  3. Netzwerktechnik Kompaktkurs
    8.-12. November 2021, online
Weitere IT-Trainings

Dies will die Openschufa-Initiative ändern. Nach erfolgreicher Finanzierung soll eine App entwickelt werden, die es ermöglicht, eigene Auskunftsbescheide mit OCR abzufotografieren und hochzuladen. Dazu werden zunächst 30.000 Euro gesammelt, mit 50.000 Euro will die Initiative im Stande sein, die erhobenen Daten auch intensiv zu analysieren.

Die Initiative will dabei nicht alle Daten aus der Selbstauskunft. Im Gespräch mit Golem.de sagte Lorenz Matzat von Algorithm Watch: "Uns geht es um den Scan der sogenannten Haupttabelle, in der Scores für verschiedene Bereiche angegeben sind. Wer seine Daten spenden will, kann zusätzlich freiwillig weitere demografische Angaben zu Alter, Geschlecht oder Wohnort machen."

Für die Qualität der erhobenen Daten wird entscheidend sein, wie repräsentativ die eingesandten Bescheide sind. Dazu Matzat: "Uns ist bewusst, dass wir mit der Kampagne selbst nicht unbedingt die Menschen erreichen, die Probleme mit ihrem Schufa-Score haben. Deshalb wollen wir nach erfolgreicher Finanzierung gezielt auch an Sozialverbände und andere Initiativen herantreten."

Die Schufa selbst räumt ein, nicht immer eine optimale Datenbasis zur Verfügung zu haben. Das Unternehmen bestreitet aber, dass zum Beispiel der Wohnort einen maßgeblichen Einfluss auf den Score-Wert hat. Nur in wenigen Ausnahmefällen würde diese Information herangezogen, um Daten anzureichern.

Nachtrag vom 15. Februar 2018, 13:53 Uhr

Die Schufa kritisiert die Aktion. Sie sei "klar gegen die übergeordneten Interessen von Wirtschaft, Gesellschaft und den Wirtschaftsstandort Deutschland gerichtet". Eine "Offenlegung der Scoreformel gegenüber der Allgemeinheit" würde in die Irre führen. Denn dann könnten Verbraucher ihren eigenen Score manipulativ verbessern und somit falsche Angaben zur Kreditwürdigkeit vortäuschen. Die Schufa kritisiert zudem, dass Algorithm Watch finanziell von der Bertelsmann Stiftung unterstützt wird, die mit Arvato Infoscore einen Wettbewerber betreibe. Die Kampagne soll jedoch aus Spendengeldern finanziert werden und nicht aus dem Beitrag von Bertelsmann. Die Schufa warnt außerdem davor, die eigene Schufa-Auskunft herauszugeben, da sie schützenswerte Informationen enthalte.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


demon driver 16. Feb 2018

Würde ich auch. Ich bin aber nicht die, und deswegen begrüße ich erst mal vorsichtig...

suicicoo 16. Feb 2018

angeblich weiß die Schufa nichts von unbezahlten Rechnungen oder rückgebuchten Umsätzen...

quark2017 16. Feb 2018

Die Argumentation der Schufa, man könne ja seinen eigenen Score manipulieren, zeigt wie...

Mingfu 16. Feb 2018

Das stimmt so nicht. Auch wenn es im Arbeitsvertrag explizit verboten sein sollte, so...

chewbacca0815 16. Feb 2018

Mautvignette Österreich oder Schweiz? ÖPNV-Ticket? Miete für Deine Wohnung...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Google
Neues Pixel 6 kostet 650 Euro

Das Pixel 6 Pro mit Telekamera und schnellerem Display kostet ab 900 Euro. Google verbaut erstmals einen eigenen Prozessor.

Google: Neues Pixel 6 kostet 650 Euro
Artikel
  1. M1 Pro/Max: Dieses Apple Silicon ist gigantisch
    M1 Pro/Max
    Dieses Apple Silicon ist gigantisch

    Egal ob AMD-, Intel- oder Nvidia-Hardware: Mit dem M1 Pro und dem M1 Max schickt sich Apple an, die versammelte Konkurrenz zu düpieren.
    Eine Analyse von Marc Sauter

  2. Klimaforscher: Das Konzept der Klimaneutralität ist eine gefährliche Falle
    Klimaforscher
    Das Konzept der Klimaneutralität ist eine gefährliche Falle

    Mit der Entnahme von CO2 in den nächsten Jahrzehnten netto auf null Emissionen zu kommen, klingt nach einer guten Idee. Ist es aber nicht, sagen Klimaforscher.
    Von James Dyke, Robert Watson und Wolfgang Knorr

  3. Kalter Krieg 2.0?: Die Aufregung um Chinas angebliche Hyperschallwaffe
    Kalter Krieg 2.0?
    Die Aufregung um Chinas angebliche Hyperschallwaffe

    Die Volksrepublik China soll eine Hyperschallwaffe getestet haben. China dementiert die Vorwürfe aber und sagt, es wäre ein Raumschiff gewesen.
    Eine Analyse von Patrick Klapetz

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 16% auf SSDs & RAM von Adata & bis zu 30% auf Alternate • 3 Spiele für 49€: PC, PS5 uvm. • Switch OLED 369,99€ • 6 Blu-rays für 40€ • MSI 27" Curved WQHD 165Hz HDR 479€ • Chromebooks zu Bestpreisen • Alternate (u. a. Team Group PCIe-4.0-SSD 1TB 152,90€) [Werbung]
    •  /