''Eine Frage des technologischen Eigentums und der Kontrollarchitektur''
Dirk von Suchodoletz vom Rechenzentrum der Universität Freiburg beschrieb dabei den Ist-Zustand mit einem dysfunktionalen Softwaremarkt, in dem bestehende Monopole aufgrund ihrer Machtposition eine dringend notwendige Bereinigung des Marktes verhinderten und innovative Verfolger entweder aufkauften oder aus dem Markt drängten. Er regte eine Neugestaltung digitaler Märkte an, bei der eine intelligente Regulierung im Vordergrund stehen müsse. Mit dem Digital Services Act (DSA) und dem Digital Markets Act (DMA) der EU sei dafür ein Anfang gemacht.
Harald Wehnes, der als Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises Digitale Souveränität der Gesellschaft für Informatik (GI) die Konferenz mitorganisiert hatte, wies in seinem Vortrag auf die enormen Preissteigerungen hin, mit denen US-Konzerne ihre Marktmacht ausnutzen, und die gleichzeitig das Dienstleistungsdefizit der EU gegenüber den USA explodieren lassen. Wehnes forderte daher ebenfalls eine Kostenparität im Bildungswesen für Opendesk als Alternative zu Microsoft 365.
Alexander Rosenthal vom Digitalhub.SH aus Kiel, der in Vertretung des Digitalministers von Schleswig-Holstein, Dirk Schrödter, an der Veranstaltung teilnahm, betonte: "Die Abhängigkeit im digitalen Raum beginnt bereits in der Schule. Proprietäre Software beschränkt Lernen, Anpassung und Verbesserungen durch Dritte. Digitale Souveränität ist daher nicht nur eine Frage der Governance, sondern eine Frage des technologischen Eigentums und der Kontrollarchitektur." Er verwies auf die Erfolge in Schleswig-Holstein, die bereits jährlich rund 15 Millionen Euro einsparten.
Als zentrale Probleme für die schnelle Migration hin zu digital souveränen Lösungen wurden in der anschließenden Diskussion das Sovereign Washing und die Unterfinanzierung des Zendis ausgemacht.
Für US-Hyperscaler, die ihre Dienste mit neu in Europa etablierter Infrastruktur als angeblich digital souverän bewerben würden und dabei verschwiegen, dass diese trotzdem der Rechtshoheit der USA (Cloud Act) unterlägen, verlangten die Teilnehmer Vertragsstrafen und einen Ausschluss bei öffentlichen Ausschreibungen.
2,7 Millionen fürs Zendis, 481 für Microsoft
Das Zendis sei im Jahr 2025 lediglich mit 2,7 Millionen Euro finanziert worden, während allein der Bund im gleichen Jahr 481 Millionen Euro an Microsoft bezahlt habe. Daher forderten die Teilnehmer der Fachtagung eine ausreichende und nachhaltig angelegte Grundfinanzierung des Zendis in Höhe von mindestens 40 bis 50 Millionen Euro pro Jahr.
Schließlich solle das Opendocument-Format (ODF) verpflichtend in Verwaltung und Bildung eingeführt werden, und es sollten ausreichende Mittel für die Wartung von Open-Source-Software bereitgestellt werden. Unterstützt wurde auch der noch zu verabschiedende Public Procurement Act der EU, der Open-Source-Lösungen in öffentlichen Ausschreibungen verankern soll.
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