Opendata im SPNV: Deutsche Bahn öffnet sich weiter der Hackercommunity

Auf einem Chaos-Congress erwartet man eigentlich keinen Staatskonzern. Doch der Wandel der Deutschen Bahn zeigt sich ausgerechnet in Hamburg beim größten deutschen Hackertreffen am deutlichsten: DB-Mitarbeiter tauschten auf Augenhöhe mit der Community Ideen aus.

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Die Deutsche Bahn will zunehmend Daten bereitstellen.
Die Deutsche Bahn will zunehmend Daten bereitstellen. (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)

Noch vor einem halben Jahr war die Eröffnung der Netzwerkstatt der Deutschen Bahn für Außenstehende eine sehr seltsame Veranstaltung. Da trafen sich die Oberen aus dem Vorstand in schönen, teils glänzenden Anzügen mit der Startup-Szene, leger und normal, dem Anlass entsprechend gekleidet. Es fiel der Deutschen Bahn schon sichtlich schwer, sich auf das Duzen einzulassen. Auf dem 32. Chaos Communication Congress hat sich das geändert. Die Deutsche-Bahn-Mitarbeiter und ein beratender Open-Data-Aktivist waren optisch kaum von den Hackern zu unterscheiden. Und nicht nur das: Auch die Offenheit der Mitarbeiter war für den wenig flexiblen Großkonzern ungewöhnlich. Und so scherzte man vor Ort auch, dass zum Glück keine Kamera laufe.

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Das Thema der Diskussion war vor allem die neue Offenheit der Deutschen Bahn. Die Mitarbeiter versuchten den Hackern ihre Wünsche zu entlocken: Welche Daten braucht es, wie müssen die aussehen, und was lässt sich verbessern? Den Anfang hat die Deutsche Bahn schon vor einigen Monaten gemacht. Unter data.deutschebahn.com finden sich bereits einige Datensätze, die aber noch nicht unbedingt das sind, was Hacker wollen. Häufig wurde etwa der Wunsch nach Verspätungsdaten genannt, die zuvor nur unter Stillschweigevereinbarungen herausgegeben wurden. Zwar versprach die Deutsche Bahn hier nichts, doch der Wille war mehr als offensichtlich. Im Prinzip müssen nur die entsprechenden Stellen davon überzeugt werden, dass sich die Herausgabe der Daten auch für den Konzern lohnt.

Und in dem Bereich war auch die Hauptintention der Mitarbeiter zu erkennen: sie brauchen Vorzeigeprojekte, um den oberen Stellen zu zeigen, dass mit den Daten Gutes entstehen kann. Und der Konzern muss einen Sinn darin sehen, die Daten aufzubereiten, denn bisher ist das Ganze mitunter unvollständig oder nicht aktuell. Ein Beispiel waren Aufzugsdaten. Auf Hackdash.org sind einige interessante Projekte dazu zu sehen. In Echtzeit lässt sich mit einer Lift-API der Status dieser Anlagen abfragen. Die Deutsche Bahn ging sogar so weit, die Fahrstühle mit Embedded-Devices auszurüsten, um die Daten überhaupt zentral zur Verfügung zu stellen. Bisher stehen so 100 Aufzüge zur Verfügung. Ein Bruchteil des Möglichen, wenn man bedenkt, dass ein größerer Bahnhof alleine schon mehr als ein Dutzend Aufzüge besitzt. Doch die Arbeit hat erst angefangen. Und vor allem passiert das bundesweit - eine größere Anstrengung, als mal eben ein paar größere Bahnhöfe auszustatten.

Wem gehört der Fahrstuhl?

Dabei ergaben sich auch erhebliche Probleme. Die Schwierigkeit, einen Fahrstuhl eindeutig zu erfassen, so dass er etwa in Openstreetmap identifizierbar ist, ist schwer zu lösen. Zwar gibt es einen europaweit gültigen Standard, doch die Identifizierungsmerkmale sind trotzdem von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Schwierig wird es zudem, wenn es um sehr alte Aufzugsanlagen geht. Bei der Erfassung kam beispielsweise heraus, dass einer der Aufzüge aus den 1940er Jahren stammt und in Stuttgart arbeitet. Zudem stellt sich die Frage, wie mit anderen Aufzügen umzugehen ist. Nicht alle Anlagen im SPNV gehören der Deutschen Bahn, doch aus Sicht eines Entwicklers oder eines Fahrstuhlnutzers ist das ein unwichtiger Umstand.

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Um mit der Community zu kommunizieren und eben auch solche Probleme anzugehen, hat die Deutsche Bahn zusätzlich einen eigenen Opendata-Twitter-Account eingerichtet. Denn es zeigte sich bereits, dass der Versuch, über die normalen Kommunikationswege die Deutsche Bahn zu erreichen, scheitert. Es fehle der kurze Dienstweg, meinte einer der Hacker. Tatsächlich dürften die Mitarbeiter des Unternehmens Schwierigkeiten haben, die entsprechenden Stellen zu kontaktieren. Mal fehlt das technische Verständnis und manchmal wissen sie schlicht nicht, welches Tochterunternehmen denn nun für einen Fahrstuhl, einen Parkplatz oder ein Gebäude verantwortlich ist.

Für die Deutsche Bahn war schon nach kurzer Diskussion ein Erfolg zu erkennen. Die Unternehmensvertreter erklärten, dass sie viele Informationen mitnehmen und diese weitergeben würden.

Für das Ziel Modernisierung und Agilität hat die Deutsche Bahn anscheinend den richtigen Weg eingeschlagen, der allerdings aufgrund der schieren Masse an interessanten Daten sehr lang sein dürfte. Doch die positiven Wirkungen der ersten Hackathons und des Open-Data-Ansatzes sind schon an den vielen kleinen Umsetzungen erkennbar. Und die Deutsche Bahn ist nicht nur bereit, Daten herauszugeben, sondern will offensichtlich auch in die Infrastruktur investieren, um überhaupt die Daten zu erfassen. Und wer weiß, vielleicht hat in Zukunft jeder ICE einen kleinen Raspberry Pi samt GPS-Einheit an Bord - das zumindest waren aus der Hackercommunity Vorschläge, um bessere Positionsdaten zu bekommen. Bisher sind das reine Interpolationen.

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