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OpenAI: Auf dem Weg von Non-Profit zu Profit

Die finanzielle Einflussnahme anderer Konzerne und die Abkehr von der gemeinnützigen Mission verursachen bei OpenAI starke Spannungen.
/ Mike Faust
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Die Veränderungen im Unternehmen stellen OpenAi vor eine Zerreißprobe. (Bild: Artur Widak (via Reuters Connect))
Die Veränderungen im Unternehmen stellen OpenAi vor eine Zerreißprobe. Bild: Artur Widak (via Reuters Connect)

OpenAI befinde sich im Umbau von einer Non-Profit- zu einer For-Profit-Organisation, berichtet das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) am 27. September 2024. Die laufenden Veränderungen stellen das Unternehmen dem Bericht nach vor eine Zerreißprobe.

Erst am 25. September gab Chief Technology Officer Mira Murati, die bei OpenAI verschiedene Führungspositionen innehatte, bekannt, dass sie das Unternehmen verlassen wird. Als Grund für Ihren Rücktritt nannte sie lediglich den Wunsch nach persönlicher Entfaltung. Murati ist eine von mehr als 20 Führungskräften, die in diesem Jahr aufgehört haben, für OpenAI zu arbeiten.

Laut dem Wall Street Journal hängen dieser und weitere Abgänge mit den Spannungen zusammen, die seit der Rückkehr von CEO Sam Altman zugenommen haben. Am 26. September berichtete Reuters, dass OpenAI eine Umstrukturierung der gemeinnützigen Struktur(öffnet im neuen Fenster) des Unternehmens prüfe.

In einem Gespräch auf der Italian Tech Week in Turin bestritt Sam Altmann, dass die Abgänge von Mitarbeitern mit den Umstrukturierungsplänen in Zusammenhang stehen.

Fokus auf KI-Forschung ging verloren

Vor circa zwei Jahren war OpenAI ein gemeinnütziges Projekt, das sich seitdem vom KI-Forschungslabor zu einem der bekanntesten Tech-Unternehmen in diesem Bereich entwickelte.

Das ursprüngliche Vorhaben, KI für die Allgemeinheit zu entwickeln, gerät zunehmend in Konflikt mit der Einführung gewinnbringender Produkte. Weitere Streitigkeiten unter den Führungskräften sollen ihren Teil zum momentan vorherrschenden Chaos beitragen.

Laut aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern hat OpenAI Produktankündigungen überstürzt und damit den Vorsprung gegenüber konkurrierenden KI-Entwicklern eingebüßt. Durch den Ausbau des Produktangebots sei der Fokus auf die Forschung verloren gegangen, so der Vorwurf.

Um für KI und seine Pläne zu werben sowie Geld für den Bau von KI-Rechenzentren aufzutreiben, war Altman zudem nicht mehr mit dem Tagesgeschäft befasst. Zu den Geldgebern, bei denen Kapital eingesammelt werden sollte, gehören Firmen wie Microsoft, Nvidia und Apple.

Aussicht auf Gewinne zerstört Unternehmenskultur

Seit Altmans Rückkehr hat sich OpenAI immer mehr zu einem gewinnorientierten Unternehmen entwickelt. Die Mitarbeiterzahl stieg von 770 im November 2023 auf heute 1.700. Im Jahr 2024 wurden der erste Finanz- und der erste Produktvorstand ernannt sowie Personen mit Business- und Militärhintergrund in den Vorstand aufgenommen. Manche sehen dies als Zeichen dafür, dass die Aussicht auf große Gewinne die Kultur im Unternehmen zerstört habe.

Bei OpenAI gibt es aber auch Stimmen, die den Wandel befürworten. Diese sehen die Entwicklungen als notwendig an, damit OpenAI den Milliarden an US-Dollar, die für die Entwicklung und den Betrieb von KI-Modellen notwendig sind, ein tragfähiges Modell entgegensetzen kann. Forschung müsse aus dem Labor heraus in die Welt getragen werden, damit sie den Menschen wirklich helfen könne.

Darin, dass die Aufrechterhaltung eines gemeinnützigen Forschungsbetriebs und ein schnell wachsendes Geschäft innerhalb desselben Unternehmens zu Problemen führt, sind sich allerdings alle Stimmen einig.

Milliardenverluste trotz steigender Umsätze

In einem Brief an Investoren verkündete Sarah Friar, CFO von OpenAI, dass sich das Unternehmen auf einem guten Weg befinde, seine aktuelle Finanzierungsrunde bis zur ersten Oktoberwoche abzuschließen. Im Anschluss daran will man Telefonkonferenzen veranstalten, um die Investoren mit den Führungskräften der Produkt- und Forschungsteams bekannt zu machen.

Laut einer Prognose auf Grundlage der jüngsten Ergebnisse verdreifacht OpenAI seinen Jahresumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf circa 4 Milliarden US-Dollar. Dem stehen allerdings immer noch jährliche Verluste in Milliardenhöhe gegenüber.

Ob OpenAI sein Wachstum beibehalten kann, wird davon abhängen, ob es seinen technologischen Vorsprung behält. Die Zeit, in der die Entwicklung von GPT-5 mit Rückschlägen und Verzögerungen konfrontiert ist, nutzen andere Unternehmen, um konkurrierende KI-Modelle auf den Markt zu bringen.

Auf eine Anfrage des Wall Street Journal äußerte eine OpenAI-Sprecherin: "Wir stimmen diesen Charakterisierungen nicht zu, erkennen aber an, dass die Entwicklung von einem unbekannten Forschungslabor zu einem globalen Unternehmen, das Hunderten Millionen Menschen fortschrittliche KI-Forschung in nur zwei Jahren zur Verfügung stellt, Wachstum und Anpassung erfordert." Sam Altman konzentriere sich stark auf die Unternehmensstrategie sowie die Personalbeschaffung und treibe den Ausbau der Produktabteilung voran, fügte sie hinzu.


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