Macht in Open-Source-Unternehmen
Und dann sind da noch die Unternehmen. Die wirken auf den ersten Blick wie Fremdkörper im Kosmos der digitalen Gegenwelt: Passen Profitorientierung und Gemeingut überhaupt zusammen?
In einigen Fällen funktioniert das erstaunlich gut. Unternehmen beteiligen sich an der Bereitstellung von Gemeingütern, an denen sie keinerlei exklusives Eigentum erwerben. Open-Source-Geschäftsmodelle ermöglichen es, dennoch Geld zu verdienen – in Form von Cloudlösungen, Support- und Beratungsdienstleistungen, nicht-freien Zusatzprodukten oder angepassten Firmenversionen.
Ohne die Beteiligung von Unternehmen wäre die alternative Digitalwelt sehr viel ärmer. Das meistgenutzte Linux-PC-Betriebssystem Ubuntu ist ein Produkt des Unternehmens Canonical Limited mit Sitz in der Steueroase Isle of Man. Mehr als 40 Prozent aller Webseiten basieren auf der Wordpress-Software des US-Start-ups Automattic Inc. Die Stuttgarter Nextcloud Gmbh und die Nürnberger Owncloud Gmbh ermöglichen es, eigene Datenwolken aufzubauen. Und ohne das neuseeländische Unternehmen Innocraft und sein Softwareprodukt Matomo gäbe es keine starke Antwort auf den Datenfresser Google Analytics.
Diese freien Produkte entstehen oft in enger Zusammenarbeit des Unternehmens mit einer Community, die bereitwillig mitarbeitet, weil als Ergebnis hochwertige freie Software herausspringt.
Die Gurus der digitalen Gegenwelt
Communitys, Organisation und Unternehmen mit Open-Source-Geschäftsmodell; das sind die typischen Akteure der digitalen Gegenwelt.
Daneben spielen auch prominente Einzelpersonen eine wichtige Rolle. Diese Gurus der freien IT-Szene haben das jeweilige Projekt gegründet. Die Gurus, fast immer mittelalte Männer aus der Mittelschicht, haben sogenannte Soft Power: Sie halten umjubelte Vorträge auf Hackerkonferenzen. Ihr Wort hat Gewicht, wenn sie auf Mailinglisten oder in Chatsystemen mitdiskutieren.
Oft haben sie auch formale Machtpositionen innerhalb des Projekts inne. Dem Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gesteht die Satzung der Wikimedia Foundation einen festen Sitz im Vorstand zu. Der Canonical-Gründer Mark Shuttleworth bezeichnet sich selbstironisch als gutmütigen Diktator, als "Self Appointed Benevolent Dictator For Life" (SABFDL).
Auf einer Governance-Grafik schwebt er oberhalb aller Projektgremien und -gruppen. Er sitzt stets im Community Council und dem Technical Board, den beiden obersten Gremien des Ubuntu-Projekts.
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Das bezieht sich wahrscheinlich auf die kürzliche Debatte um das Gehalt der CEO von...
Der Artikel verwendet den Eigentumsbegriff eher seltsam, insbesondere indem er ihn in...
Unsinn. Wer zum Dikator eines Open Source Projektes aufsteigen will, forkt es einfach...
Das ist doch der Grundgedanke der Demokratie. Müssen wir das ernsthaft noch hinterfragen? #sb
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