Open Source Tea Party: Community schimpft zurück
Lennart Poettering, Aaron Seigo und Martin Gräßlin haben auf Mark Shuttleworths jüngste Äußerungen mit Empörung reagiert. Dieser hatte die Kritik aus der Open-Source-Community an Canonicals Mir-Projekt mit den politischen Taktiken der Tea Party verglichen. Einige fühlen sich persönlich angegriffen.
In seiner Argumentation, die Open-Source-Community nutze jede Gelegenheit, um Canonicals Projekte anzufechten, zog Mark Shuttleworth das Systemd-Projekt als Beispiel heran. Dessen Herangehensweise greife viel tiefer in das System ein als das Upstart-Projekt von Canonical. Systemd-Entwickler Lennart Poettering gehörte auch zu den Ersten, die in einem Google+-Posting auf Shuttleworths Kritik reagierten(öffnet im neuen Fenster). Er sei verwundert darüber, dass er in den Streit um Mir hineingezogen wurde, schreibt er. Nur einmal habe er das Projekt kritisiert. Er habe sich aber stets darum bemüht, mit den Entwicklern bei Canonicals Upstart-Projekt zu kooperieren und ihnen auch zu ermöglichen, Upstart auf diversen Konferenzen vorzustellen. Er selbst sei von Upstart als technische Lösung weiterhin nicht überzeugt, der Code von Canonicals Startumgebung sei aber deutlich besser als Sysvinit, das sowohl von Upstart als auch von Systemd ersetzt werden kann.
Shuttleworth verstößt gegen seinen eigenen Codex
KWin-Entwickler Martin Gräßlin fühlt(öffnet im neuen Fenster) sich durch Shuttleworths Äußerungen ebenfalls persönlich angegriffen und verweist auf den Ubuntu Verhaltenscodex, der Shuttleworth seiner Meinung nach selbst verletzt hat: "Uneinigkeit ist keine Entschuldigung für schlechtes Betragen. Wir arbeiten zusammen, um Konflikte zu lösen, setzen gute Absichten voraus und geben unser Bestes, um auf einfühlende Weise zu handeln. Wir lassen nicht zu, dass Frustration in einen persönlichen Angriff umschlägt. Eine Gemeinschaft, in der Menschen sich unwohl oder bedroht fühlen, ist keine produktive." Er lehne Patches für Mir in KDE weiterhin ab. Das habe aber keine politischen Gründe, sondern sei lediglich technisch bedingt. Solche Patches seien distributionsspezifisch und müssten daher auch dort appliziert werden.
Aaron Seigo, der ebenfalls für KDE entwickelt, kritisiert den Vergleich zur US-amerikanischen Tea Party scharf(öffnet im neuen Fenster). Shuttleworths Worte grenzten an Verleumdung, schreibt Seigo. Er fordere ihn heraus, an einer öffentlichen Diskussion über die Vorzüge und Nachteile von Wayland und Mir teilzunehmen.
Tatsächlich wird die Ablehnung des Mir-Projekts inzwischen auch von Teilen der Open-Source-Gemeinschaft kritisiert. Canonicals Entwickler hatten zunächst selbst für Unmut gesorgt, indem sie das Wayland-Projekt zu Unrecht anprangerten. Sie musste ihre Äußerungen wieder zurücknehmen. Canonical isoliert sich zunehmend in der Open-Source-Gemeinschaft durch eigenständige Projekte, die es auch intern entwickelt, und eigenmächtige Schritte durch Shuttleworth, etwa durch die Einführung von CLAs, die ebenfalls auf Ablehnung in der Gemeinschaft stießen. Shuttleworths jüngste Äußerungen dürften die Isolation von Canonical noch verstärken. Dabei wäre Canonical durchaus auf die Hilfe der Community angewiesen, allein schon deshalb, weil die Ubuntu-Firma an einem notorischen Entwicklermangel leidet.
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