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Open-Source-Strategie: Mit diesem Plan will Berlin weg von Windows und Office

Mit Schulungen, Sprechstunden und Prototypen des Linux-PCs will die Berliner Verwaltung sich selbst verändern – eine große Aufgabe.
/ Oliver Nickel
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Die Verwaltung in Berlin nutzt aktuell noch viel Windows und Office. (Bild: Pixabay.com)
Die Verwaltung in Berlin nutzt aktuell noch viel Windows und Office. Bild: Pixabay.com / Pixabay-Inhaltslizenz

Schon Ende 2025 hat der Berliner Senat seine Absicht geäußert, künftig eine Strategie für Open-Source-Nutzung in den Behörden der deutschen Hauptstadt zu entwickeln. Der Plan (PDF)(öffnet im neuen Fenster) kann seit ein paar Tagen öffentlich eingesehen werden. Ziel ist es, die Berliner Verwaltung in Sachen quelloffener Software zu schulen und so von vorwiegend US-amerikanischen Unternehmen, Stichwort: Microsoft Windows und Office, loszukommen.

"Diese Strategie ist nicht nur eine Antwort auf die Herausforderungen, die sich aus der Abhängigkeit von geschlossenen Softwaresystemen und deren Lösungsanbietern ergeben, sondern auch ein Bekenntnis zu Transparenz, Zusammenarbeit und Effizienz", schreibt Martina Klement, Staatssekretärin für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung.

Dafür müssen viele Menschen in der Verwaltung geschult werden. Zwar nimmt der Bekanntheitsgrad des generellen Open-Source-Konzepts innerhalb der Belegschaft zu, auch weil einige Open-Source-Programme wie Libre Office stellenweise auf Führungsebene genutzt werden. Allerdings liegt die Verbreitung von quelloffenen Programmen wohl weiterhin mit Abstand hinter dem Einsatz proprietärer Software. Auf den meisten Computern wird etwa Microsoft Office für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und E-Mail-Verkehr verwendet. Das kostet monatlich viel Geld und macht Behörden von den Entscheidungen eines Konzerns abhängig.

In der Praxis äußert sich das auch beim genutzten Betriebssystem. Berlin verwendet größtenteils Windows und bekam bei der Umstellung auf Windows 11 bereits zeitliche Probleme(öffnet im neuen Fenster). Teilweise mussten sogar erweiterte Sicherheitsupdates eingekauft werden, um den Support für Windows 10 zu gewährleisten.

Schulungen schon an der Uni

Ein erster Schritt ist es deshalb, Angestellte in Sachen Open Source zu schulen. Laut dem Planungsdokument sind bereits Sprechstunden eingerichtet, zu denen sich Mitarbeiter zum Thema Open Source informieren können. Es sollen zudem Workshops und Hackathons abgehalten werden, mit denen sich eine Open-Source-Community innerhalb der Verwaltung fördern lässt. Ein zentrales Portal soll zu einem Informationshub werden, auf das Angestellte zugreifen und sich jederzeit informieren können.

Das Wissen für Open-Source-Inhalte soll bereits in Universitäten und Ausbildungsstätten vermittelt werden. Deshalb will die Verwaltung mit diversen Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten. Dabei sollen Prinzipien und Lizenzen quelloffener Projekte vermittelt werden. Mittels Mentorenprogramm sollen Kompetenzen von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Ziel ist es auch, aktiv an Open-Source-Projekten mitzuarbeiten und eigene Beiträge für diese zu veröffentlichen. Diese Beiträge sollen nach dem internationalen Standard ISO 5230 erstellt werden und allen notwendigen Sicherheitskriterien standhalten.

Wo kann Open Source überhaupt genutzt werden?

Abseits davon wird sich die Berliner Verwaltung anschauen, welche Software wie kritisch für den Betrieb ist und welche Software-Abhängigkeiten im Software-Stack existieren. Dazu soll ein standardisiertes Vorgehen entwickelt werden, das auf dem existierenden Software-Asset-Management des IT-Dienstleisters ITDZ basiert.

Sogenannte Single-Point-of-Failures, also kritische Systeme, die beim Wegfall einen enormen negativen Einschlag haben können, sollen identifiziert und vermieden werden. Aktuell wäre ein solcher Punkt, dass fast alle Computer auf Microsoft-Software aufbauen und ohne diese nicht funktionieren.

Das ITDZ wird für die Zukunft eine Testumgebung aufsetzen, in der Open-Source-Lösungen geschlossen ausprobiert und entwickelt werden können. Auch können hier Kompatibilitäten und Abhängigkeiten mit anderen eingesetzten Programmen getestet werden. So sollen Entwickler einschätzen können, wie sich ein Tool in die IT- Landschaft der Verwaltung einbinden lässt und wie viel Arbeit dies benötigen würde.

Linux-Arbeitsplatz für Krisenzeiten

Ein erstes handfestes Projekt wurde ebenfalls genannt. Es wird ein Client auf Basis von Opendesk und Linux eingerichtet, der als Notfallarbeitsplatz agieren kann, wenn die Hauptinfrastruktur beeinträchtigt ist. Die Machbarkeit eines solchen Arbeitsplatzes soll auf vier Ebenen geprüft werden: dem Betriebssystem, der Virtualisierungsebene, dem Citrix-Workspace und den Anwendungen.

Generell befindet sich die Berliner Verwaltung noch am Anfang dieses Projekts. Das wird auch deutlich, da innerhalb der Konzeptionalisierung des Öfteren Prototypen und geplante Maßnahmen erwähnt werden, bisher aber noch keine konkreten Ergebnisse aufgezeigt wurden.

Das Jahr 2026 wird zeigen, inwieweit sich die doch recht umfassenden Pläne überhaupt umsetzen lassen in einer Organisation, die aktuell fast ausschließlich auf proprietäre Software setzt – und das bereits seit Jahrzehnten.


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