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Open Source: Sticken! Echt jetzt?

Wenn moderne Technik und freie Software ausgerechnet auf eine uralte Kunst wie das Sticken treffen, ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Das beweist das Stitchcode-Projekt.

Artikel von Erik Bärwaldt/Linux User veröffentlicht am
Nähgarnrollen
Nähgarnrollen (Bild: Aleksey Sagitov/123RF)

Verschiedene Stoffe und ein Stickrahmen, zwei elektronische Stickmaschinen und ein Laptop stehen auf dem Tisch von Andrea Mayr-Stalder. Sie ist studierte Mediengestalterin und Initiatorin vieler Bildungsprojekte rund um Linux und freie Software. Die Dinge auf ihrem Tisch sind die Basis von Stitchcode - ein Projekt mit folgendem Ziel: mit freier Software ganz neue Stickmuster zu gestalten und durch Sticken sogar die Logik des Programmierens verständlich zu machen. Mayr-Stalder hat Stitchcode gemeinsam mit dem Künstler und Programmierer Michael Aschauer initiiert. Das Projekt stößt nicht nur in allgemeinbildenden Schulen auf wachsendes Interesse, sondern wird auch vom Förderprogramm Netidee.at der österreichischen Internet Foundation unterstützt.

  • So sieht ein PGP-Key als Stickmuster aus. (Bild: Erik Bärwaldt)
  • Das Browsertool des Projekts akzeptiert auch Freihandgrafiken als Stickmuster. (Bild: Erik Bärwaldt)
  • Das freie Turtlestitch-Programmiermodul im Einsatz (Bild: Erik Bärwaldt)
  • Auch anspruchsvolle Stickmuster lassen sich einfach per Turtlestitch entwerfen. (Bild: Erik Bärwaldt)
  • Das Turtlestitch-Projekt bietet neben der Software auch Workshops an. (Bild: Erik Bärwaldt)
So sieht ein PGP-Key als Stickmuster aus. (Bild: Erik Bärwaldt)
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Zunächst hätten sie sich Gedanken über einen neuen Zugang zum Gestalten von Stickmustern gemacht, sagt Mayr-Stalder. Von den kostspieligen proprietären Softwarepaketen, die für die gängigen elektronischen Stickmaschinen angeboten werden, hätten sie sich jedoch eingeengt gefühlt: Viele der Ideen, die Mayr-Stalder und Aschauer im Lauf der Zeit entwickelten, ließen sich mit der herkömmlichen Software nicht umsetzen. So begannen die Arbeiten am Stitchcode-Projekt, das nicht nur neue Zielgruppen für das kreative textile Gestalten interessieren soll, sondern im Turtlestitch-Modul auch abstrakte Logik in Stickarbeiten erfahrbar machen will.

40 weitgehend inkompatible Dateiformate

"Das größte Problem waren für uns die Dateiformate", erzählt Andrea Mayr-Stalder. Jeder Hersteller von modernen Stickmaschinen macht hier sein eigenes Ding. So gibt es etwa 40 verschiedene, weitgehend zueinander inkompatible Dateiformate zum Ansteuern der Maschinen. Daher beschränkten sich die beiden Projektinitiatoren auf das vom Marktführer für Stickmaschinen genutzte und gut dokumentierte EXP-Format, das - in Abwandlungen - auch einige Dritthersteller unterstützen. Ein weiteres Problem ergab sich für Mayr-Stalder aus undokumentierten Funktionen der Stickmaschinen: "Wir waren ganz überrascht, als wir bemerkten, dass unsere Stickmaschine auch Hexadezimal-Codes annimmt und verarbeitet!" So lassen sich beispielsweise mit den Maschinen auch PGP-Keys aussticken.

Um neue Zielgruppen für die Ästhetik des Stickens zu begeistern, entwickelte Michael Aschauer auf der Basis von Python und Javascript ein Zeichentool für den Einsatz im Webbrowser. Dieses Werkzeug ermöglicht das Freihandzeichnen ähnlich wie auf Papier mit einem Stift. Mit der Maus oder einem Grafiktablet mit Stift setzen Nutzer ihre kreativen Ideen um und speichern das so generierte Stickmuster anschließend lokal ab. Die dabei entstandene EXP-Datei können sie danach beispielsweise per USB-Stick in eine Stickmaschine laden und aussticken. Neben eigenen Mustern unterstützt das Browsertool inzwischen auch die Drag-and-Drop-Integration von Fremdzeichnungen, die sich dann abspeichern und aussticken lassen.

Sogar rudimentäre Bearbeitungsfunktionen bietet das browsergestützte Werkzeug: So ermöglichen die unterhalb des Browserfensters mittig angeordneten Schalter das Löschen der gesamten Zeichnung, des letzten Stichs oder der letzten zehn Stiche. Das Zeichentool haben die Projektinitiatoren im Oktober 2013 im Internet veröffentlicht.

Durch Sticken die Logik des Programmierens verstehen

Deutlich komplexer ist das Turtlestitch-Modul. Primär soll es Laien mit Hilfe einer grafischen Oberfläche mit der Logik des Programmierens vertraut machen. Anschließend lassen sich die mit dem Modul generierten Muster aussticken, was die abstrakten Programmierschritte haptisch erfahrbar macht.

Andrea Mayr-Stalder sieht in dieser Herangehensweise mehrere Vorteile: "Wir können vor allem auch junge Mädchen für den häufig arg trockenen Informatikunterricht begeistern, indem wir die abstrakte Logik des Programmierens konkret in den Stickmustern erfahrbar machen." Zugleich werde das kooperative Arbeiten im Team gefördert und Schüler zu mehr Kreativität ermuntert. Als Zielgruppe für Turtlestitch sieht Mayr-Stalder Schüler der weiterführenden Schulen, Kunststudenten, aber auch Mediengestalter und Designer, die mit neuen Gestaltungsmethoden experimentieren möchten. Hier steht die ästhetische Innovation im Vordergrund - mit Sticken geht viel mehr, als nur Logos und Schriftzüge auszuarbeiten.

Für das Turtlestitch-Modul entwickelte Michael Aschauer erneut ein im Webbrowser ablaufendes Werkzeug, das auf der freien grafischen Programmierumgebung Snap! basiert. Snap! richtet sich in erster Linie an Einsteiger und möchte sie mit der grundlegenden Logik des Programmierens vertraut machen. Daher benötigt der Stick-Schüler keinerlei Kenntnisse in anderen Programmiersprachen, um das Modul zu nutzen.

Durch den Wegfall einer stationären Installation lässt sich das ebenfalls in Javascript realisierte Turtlestitch-Modul ebenso wie das Zeichentool von Stitchcode faktisch auf jedem Computer plattformunabhängig nutzen. Die damit generierten Muster kann man entweder lokal oder in der Cloud speichern und von dort aus per USB-Stick auf einer Stickmaschine ausarbeiten.

Neben der Präsenz im Internet bietet das Projekt auch Workshops mit der Turtlestitch-Programmierumgebung an, wobei diese Kurse für jeweils vier bis fünf Teilnehmer eine Länge von etwa vier Stunden haben. Die Workshops sprechen vornehmlich junge Mädchen und Frauen an und sind meist bereits Wochen im Voraus ausgebucht. Andrea Mayr-Stalder betont jedoch, dass eine sinnvolle Teilnahme an den Kursen bereits ab einem Alter von etwa zehn Jahren möglich ist, da die Workshops die Logik des Programmierens sehr niederschwellig vermitteln.

Große Pläne

Andrea Mayr-Stalder und Michael Aschauer haben sich für die Zukunft viel vorgenommen. Aschauer entwickelt die Zeichensoftware weiter und plant die Integration neuer Features. So wird das Tool künftig auch vorhandene Grafiken, Bilder und Vorlagen per Drag and Drop übernehmen, so dass der Anwender sie anschließend manuell nachzeichnen kann. Das soll das Werkzeug auch für Menschen attraktiv machen, die kein Talent zum Freihandzeichnen haben.

Zusätzlich kooperieren die Projektinitiatoren mit einer wachsenden Anzahl von allgemeinbildenden Schulen sowie mit der Universität für angewandte Kunst in Wien, in denen dreiteilige Workshops mit jeweils etwa 15 Teilnehmern pro Kurs angeboten werden sollen. Da hier der Fokus auf der Programmierumgebung liegt, sind im schulischen Bereich dazu Klassen der Sekundarstufe 1 vorgesehen, deren Schüler und Schülerinnen ein Mindestalter von etwa 13 Jahren haben.



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minnime 28. Aug 2015

Ich bin auch immer wieder froh über den Verlauf meiner Schulkarriere in den 90ern in...

DerHeinzi 27. Aug 2015

Hahaha, du hast völlig recht! :)

SoniX 27. Aug 2015

Hallo Max Du hast dir ja Mühe gemacht! Danke! Ich habe selbst schon Stunden damit...


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