Der Erfolg von VLC war nicht geplant

Aber niemand hatte beschlossen: Ich mache jetzt einen tollen Player, der dann alles abspielt und die Welt verändert. So passiert es vielleicht im Film, aber nicht im echten Leben. Es gab also mehrere Schritte. In den Jahren zwischen 2001 und 2005 betreuten Master-Studenten der Universität das Projekt jeweils für ein Jahr, um Punkte für ihren Abschluss zu sammeln. Diese wechselnden Gruppen leiteten die Entwicklung von VLC. Aber das wurde zunehmend schwieriger, weil es einfach zu groß wurde und es zu viele Bugs gab. Man konnte das mit jährlich frisch einsteigenden Studenten einfach nicht mehr stemmen.

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Wir bewegten uns also von einem reinen Studentenprojekt weg, was beinahe den Tod von VLC zur Folge gehabt hätte. Um 2007 gab es nur noch zwei Leute, die sich darum kümmerten: mich und Christophe (Christophe Mutricy - Anm. d. R.). Das funktionierte nicht, also beschloss ich, das Projekt von der Universität unabhängig einem Verein als Non-Profit-Organisation zu übergeben. Der übernahm alle Open-Source-Inhalte von der Universität und bündelte die Entwicklerinnen und Entwickler in einer neuen Gemeinschaft, die nicht an die Universität gekoppelt war. So konnten wir langfristig orientiert arbeiten.

Erst dann schafften wir es, den Kern von VLC für Version 1.0 zu erneuern. Dazu mussten eine Menge schwieriger und nervender Dinge angepackt werden, weil wir sonst nicht hätten wachsen können. 2009 hatten wir 100 Millionen Downloads mit der Version 1.0 - aber drei Jahre später waren es eine Milliarde! Da ging es wirklich los.

Golem.de: Hätte man das auch anders machen können - und viel Geld verdienen?

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Kempf: Ich finde, es war die richtige Entscheidung, diesen Weg zu gehen. Das hat vielleicht mit den Werten zu tun, die mir meine Eltern mitgegeben haben. Ich meine: das Projekt gehörte ja nicht mir allein! Für mich ist es wichtig, das Richtige zu tun - mehr als alles Geld. Und das Richtige war eben, weiterzumachen und dem Projekt Raum zum Wachsen zu geben. Ab 2014 gab es noch eine Transformation von VLC: Der Verein hat immer noch die Hoheit über die Softwareentwicklung und ich bin sein Präsident, aber es gibt jetzt auch noch eine Firma, die Beratungsdienstleistungen dazu anbietet. Das ist momentan eine treibende Kraft für VLC. Es gibt ein paar Firmen, die die Technologie von VLC einsetzen und von deren Weiterentwicklungen profitiert die Community.

So können wir auch Vollzeitkräfte bezahlen und springen auf den Startup-Zug auf. Das ist nämlich in Frankreich ein spezielles Problem: Wenn man einfach einen Verein hat, dann kann man keine Förderung bekommen, keine Steuererleichterungen, nichts! Aber wenn man sich als Startup deklariert, geht das alles.

Golem.de: Was sind die rechtlichen Herausforderungen für euch?

Kempf: Es gibt viele rechtliche Probleme rund um VLC und Open-Source-Technologie und das größte ist natürlich die Patentfrage. Bis jetzt lief alles ganz gut in Frankreich und der EU, hauptsächlich deswegen, weil diese Patente hier nicht gelten. Aber es gibt Bestrebungen für ein Europäisches Patent mit einheitlicher Wirkung - insbesondere auch aus Deutschland. Die Deutschen sind da ziemlich hinterher und setzen sich stark für Softwarepatente ein. Damit werden sie Dinge wie VLC vermutlich irgendwann zerstören. Das ist schon ein großes Problem und wir versuchen, Geld für Gegeninitiativen zu spenden. Unsere Nutzerschaft scheint diese Schwierigkeiten noch nicht so wirklich ernst zu nehmen, daher ist es für uns wichtig, das Thema politisch voranzutreiben. Das nervt schon ziemlich und irgendwann wirst du einfach eingestampft, wenn du nichts machst.

Ich versuche die Patentidee zu sabotieren, indem ich zeige, wie dumm und irrelevant sie ist. Es ist auch ein Kampf mit der Zeit, weil die Patente nach und nach auslaufen. Die meisten medienbezogenen Patente sind Patente auf einfache Mathematik. Man nimmt einfach diese Transformation oder diese Matrix, patentiert diese Zahlen und dann darf sie niemand mehr nutzen. Das hat doch ehrlich gesagt keinen Schöpfungswert.

Golem.de: Wie seid ihr mit anderen Projekten vernetzt?

Kempf: Die VideoLAN-Community ist nicht allein. VLC hat beispielsweise ungefähr eine Million Zeilen Code, aber wir nutzen so viele Open-Source-Bibliotheken, dass wir eher über 15 Millionen Zeilen Code insgesamt reden. In VLC ist eine riesige Menge anderer Software enthalten. Eine davon ist FFmpeg, von der wir vermutlich am meisten abhängen. Aber es gibt unzählige weitere kleine Projekte, die mit uns zusammenhängen. Wir beteiligen uns an vielen, wir forken einige und betreuen andere. Für FFmpeg hosten wir beispielsweise Ressourcen. Es gibt da eine enge Zusammenarbeit. Das sieht man auch auf den VideoLAN Dev Days, die wir veranstalten. Da sind vielleicht ein Drittel der Leute von uns und die anderen kommen von Kodi, OBS, FFmpeg oder X264. Also die Community ist schon stark vernetzt, wir schaffen das nicht allein, wir hängen alle voneinander ab.

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 Open-Source-Mediaplayer: "Die Deutschen werden VLC wohl zerstören"Die Verkehrskegelsammlung der Pariser Studentenschaft 
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Lachser 04. Mär 2021

Ja mit den guten Codec Packs ging es einigermassen gut. Aber man musste die richtigen...

Peter1965 26. Feb 2021

Für eine Anekdote fehlt meiner Schilderung der humoristische Teil. Ich bevorzuge deshalb...

heulendoch 26. Feb 2021

Das größte Problem beim Video ist hier wie immer der Golem Player.

Casablanca 25. Feb 2021

Sorry, aber das ist völliger Blödsinn. In Kinos läuft dezidierte Hard- und Software, es...

Infosoph 25. Feb 2021

Es gibt Teile der deutschen Industrie, die gerne Softwarepatente hätten. Soweit mir...



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