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Open Source: Frankreich will weg von Windows - was ist mit Deutschland?

Auch Deutschland will schon seit den 2000er-Jahren weg von Windows. Das läuft seit Jahren eher schleppend.
/ Oliver Nickel
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Auch Deutschland versucht, von Microsoft wegzukommen. Das ist aber nicht einfach. (Bild: Pixabay.com)
Auch Deutschland versucht, von Microsoft wegzukommen. Das ist aber nicht einfach. Bild: Pixabay.com / Pixabay-Inhaltslizenz
Inhalt
  1. Open Source: Frankreich will weg von Windows - was ist mit Deutschland?
  2. Berlin mit einigen Testballons

Die französische Regierung hat vor Kurzem einen großen Schritt angekündigt: Sie will komplett weg von Windows und anderen proprietären Produkten und künftig auf Open-Source-Lösungen setzen. Es ist damit eines der ersten EU-Länder, die das auf nationaler Ebene in Angriff nehmen. Auch Deutschland versucht seit langer Zeit, teilweise seit 2004, von Windows und Co. loszukommen. Bisher haben die Bundesländer allerdings nur mäßige Erfolge vorzuweisen.

Im Gegensatz zur zentralisierten Verwaltung in Frankreich ist es in Deutschland nämlich oft Sache der Länder, wie sie digitale Produkte auswählen und nutzen. Offenbar wird dabei auf den gesamten Staat gesehen noch viel Geld für Microsoft-Lizenzen ausgegeben. So ergab eine Anfrage der Grünen-Politikerin Rebecca Lenhard(öffnet im neuen Fenster) Anfang 2026: Im vergangenen Jahr gab Deutschland 481,4 Millionen Euro für Microsoft-Produkte aus.

Das ist verglichen mit den Vorjahren noch einmal ein Anstieg um mehr als 100 Millionen Euro. So wurden 2023 274 Millionen Euro an Microsoft überwiesen, 2024 bereits 348 Millionen. Das zeigt Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland, dass wir uns hierzulande aktuell wohl noch mehr auf Office, Windows, Azure und andere Microsoft-Angebote konzentrieren und sogar weniger auf Alternativen setzen.

Probleme mit Phoenix in Norddeutschland

Dabei gelten viele Open-Source-Projekte bereits als gescheitert oder ineffizient. So wurde etwa das Anfang 2020 hochgepriesene Projekt Phoenix, das vor allem nord- und ostdeutsche Bundesländer wie Bremen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu Open-Source-Alternativen migrieren wollte, Anfang 2026 vom Bundesrechnungshof stark kritisiert.

Demnach sollen der Dienstleister und die öffentliche Anstalt Dataport(öffnet im neuen Fenster) viele Eckpunkte nicht oder nur mangelhaft erfüllt haben. Dabei wurden offenbar viele Millionen Euro Steuergelder aufgewendet.

2024 meldete Dataport bereits 24 Millionen Euro Verlust, was auch durch die Einstellung von teurem Fachpersonal bei wenig Ergebnissen zustande kam. Schleswig-Holstein stieg aus dem Open-Source-Projekt aus. Das Projekt Phoenix wurde für praktisch tot erklärt.

Schleswig-Holstein macht sein eigenes Ding

Noch im selben Jahr beschloss Schleswig-Holstein(öffnet im neuen Fenster) ein eigenes Open-Source-Projekt. Zunächst sollte die freie Textverarbeitungssoftware Libreoffice in Behörden eingeführt werden. Behörden und Ministerien im nördlichsten Bundesland sind seitdem verpflichtet, das Tool zu verwenden. Entsprechende Schulungen sollen für Mitarbeiter der Landesverwaltung angeboten werden.

Ende 2025 erklärte die Landesregierung, dass immerhin bereits fast 80 Prozent der Arbeitsplätze auf Libreoffice umgestellt worden seien. Außerdem wird hier das in Deutschland entwickelte Open-Xchange als Alternative zu Outlook genutzt. Dadurch wurden laut eigenen Aussagen schon 15 Millionen Euro an Lizenzkosten gespart. Demgegenüber stehen demnach 6 Millionen Euro an Kosten für den Einsatz und die Einrichtung von Open-Source-Alternativen. Die Umstellung von Windows auf Linux wurde in dem Bundesland erprobt, aber bisher nicht vollständig umgesetzt.

Limux als böses Omen

Ganz anders sieht es in Bayern aus. Dabei galt die Landeshauptstadt München als früher Vorreiter einer Open-Source-Umstellung. Das Projekt Limux nahm sich bereits 2003 mit dem Supportende von Windows NT 4 vor, Arbeitsplätze der Verwaltung von Windows auf Linux umzustellen. Die Migration begann 2006 und wurde 2013 für abgeschlossen erklärt.

Microsoft versuchte in dieser Zeit vieles, um die Stadt vom Umstieg auf Linux abzuhalten. Der damalige CEO Steve Ballmer wollte sogar bessere Konditionen verhandeln. Später sollte eine in den Medien kritisierte Studie im Auftrag von Microsoft und HP ermitteln, wie viel günstiger der Betrieb mit Windows doch wäre.

Später verlegte Microsoft seine deutsche Firmenzentrale nach München, was der Stadt neue Steuergelder einbrachte. Damals wurden bereits Vermutungen laut, dass hier viel Lobbyarbeit geleistet wurde, die im Jahr 2017 schließlich zur Beendigung des Limux-Projekts führte. Bis 2020 stellte München wieder auf Microsoft-Produkte um.

Zumindest versuchen einzelne bayerische Kommunen, Alternativen zu Microsoft einzuführen. Da im Freistaat die Macht der Lokalpolitik aber noch einmal größer scheint als andernorts, stellt sich das als langer Prozess heraus.


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