Open Source: Community verärgert über Telemetrie-Pläne von Audacity

Kurz nach einer Übernahme soll der Open Source Audio-Editor Audacity Google Analytics integrieren. Teile der Community sind entsetzt.

Artikel veröffentlicht am ,
Mit Audacity lassen sich Audioaufnahmen selbst bearbeiten.
Mit Audacity lassen sich Audioaufnahmen selbst bearbeiten. (Bild: Pixabay)

Der freie Audio-Editor Audacity ist eines der vielen Open-Source-Werkzeuge, die im Vergleich zu professionell unterstützter Software nur vergleichsweise wenig gepflegt und weiterentwickelt werden, sich aber auf Grund ihrer Basisfunktionen weitreichender Nutzung erfreuen. Die Idee, Audacity um Telemetrie-Funktionen auf Basis von Google Analytics zu erweitern, erzürnt aber zahlreiche Nutzer innerhalb der Community.

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Der entsprechende Änderungsvorschlag zum Code von Audacity auf Github hat inzwischen mehr als 1.600 negative Bewertungen. Auch das Confused-Emoji wurde bereits von mehr als 300 Github-Nutzern als Bewertung hinterlassen.

Ebenso gibt es bereits mehr als 300 Kommentare zu der Code-Änderung. Darüber hinaus setzen sich einige Nutzer von Github direkt mit dem vorgeschlagenen Code auseinander, wobei etwa kritisiert wird, dass es eine feste Abhängigkeit auf eine spezifische Version von Curl geben soll.

Widerstand gegen Tracking in Open Source

Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder teils sehr hitzig geführte Debatten um die Integration von Telemetrie-Funktionen und ähnlichen Techniken in Open-Source-Software. Erinnert sei hier etwa an den Amazon-Launcher in Ubuntu. Ähnliche Aufregung zeigt sich nun auch bei Audacity, wobei die Diskussion teils deutlich von argumentativer Kritik abweicht.

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Die Enttäuschung über die Änderung und die Kritik daran fasst stellvertretend für viele wohl Katharina Fey in einem ausführlichen Kommentar zusammen: "Ich habe noch nie zu Audacity beigetragen und mich noch nie wirklich mit der Entwicklung des Projekts befasst. Ich habe jedoch fast ein Jahrzehnt lang Audacity für verschiedene Audiobearbeitungsaufgaben verwendet. Ich begrüße zwar die Aussicht auf eine neue Entwicklung und Updates, die das Projekt verdient hat, aber ich bin aus prinzipiellen Gesichtspunkten besorgt über die Verwendung von Analytics."

Fey kritisiert dabei darüber hinaus die zunehmende "Überwachung und Tracking" in inzwischen fast alle Teilen des eigenen Lebens. Diese Techniken seien inzwischen so weit normalisiert worden, dass "die Mehrheit der Leute es einfach erträgt oder die Verwendung nicht infrage stellt". An das Entwicklungsteam gerichtet schreibt Fey: "Wenn Sie wissen möchten, was Ihre Benutzer über etwas denken, fragen Sie uns. Fragen Sie uns direkt und offen. Spionieren Sie uns nicht aus." Der Kommentar hat inzwischen mehr als 500 positive Reaktionen.

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Erst vor wenigen Tagen hat das Team von Audacity bekannt gegeben, dass das Projekt von dem erst kurz zuvor neu gegründeten Unternehmen Muse Group gekauft wurde. Zur Muse Group gehören unter anderem auch die freie Software zur Musiknotation Muse Score sowie einige weitere Apps und Community-Foren rund um Musik und Produktion wie etwa Ultimate Guitar. Haupteinnahmequelle sind derzeit Werbung sowie erweiterte Bezahlangebote und Abonnements für die Dienste.

Auch die freie Software Muse Score enthält die Möglichkeit, Google Analytics für Telemetrie-Daten zu verwenden. Ob dies letztlich auch bei Audacity geschehen wird, ist noch nicht geklärt. Denn noch wurde der dazugehörige Code nicht in den Hauptzweig von Audacity eingepflegt.

Tracking für Einsichten in Nutzerbasis

Die Audacity-Entwickler versichern in einer aktualisierten Erklärung zu dem Code-Beitrag jedoch, dass die Telemetrie-Nutzung optional sei und standardmäßig deaktiviert. Die Technik funktioniere zudem nur in den CI-Builds von Audacity, die auf Github erstellt werden. Letztlich sollen auch Linux-Distributionen und andere Distributoren die Möglichkeit erhalten, die Tracking-Funktion über ein Build-Option in CMake zu steuern.

Darüber hinaus erklären die Entwickler noch einmal ausführlicher, was sie mit den Telemetrie-Daten erreichen wollen. Dazu gehören unter anderem ein besserer Einblick in die tatsächliche Größe der Nutzerbasis oder Informationen, welche Plattformen die Nutzer einsetzen.

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ptepic 18. Mai 2021

Und danach heißt das Ding dann Librecity :-D

gardener 10. Mai 2021

Würde es sich um Freeware handeln, dann würde ich dir Recht geben. Open Source sehe ich...

wurstdings 10. Mai 2021

Aber mit Google ist das natürlich nicht attraktiv. Zumindest sind sie offen für...

/mecki78 10. Mai 2021

Nur wenn man es von Grund auf neu schreibt und dann wäre es aber eine komplett neue App...



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