Ethisch statt offen

Das mag zunächst überraschend erscheinen. Immerhin basiert vor allem die Idee der freien Software auf eben einem explizit ethischen Grundsatz: der Freiheit der Nutzer. Hinzu kommt, dass der heute meist synonym dazu genutzte Begriff Open Source zunächst in Abgrenzung zu freier Software entstanden ist, um die damit verknüpfte ethische Motivation zu überwinden. In diesem Sinne war die Bewegung also eigentlich immer schon ethisch motiviert - zumindest für einen großen Teil der Beteiligten.

Stellenmarkt
  1. Product Lead (f/m/d)
    NEXPLORE Technology GmbH, Essen, Darmstadt, München
  2. Softwareentwickler (m/w/d) C#
    Bayerische Landesärztekammer, München
Detailsuche

Das reicht einigen involvierten Entwicklern aber nicht mehr aus. Denn diese sehen weitere Probleme von Menschen, die durch Software ausgelöst werden, aber eben nicht mehr von der direkten Interaktion mit dieser abhängen. Das derzeit wohl prominenteste Beispiel ist die Nutzung von quelloffener Software durch die US-Einwanderungspolizei ICE (Immigration and Customs Enforcement).

Darüber hinaus gibt es viele Firmen aus dem Open-Source-Umfeld, die aktiv mit ICE oder ähnlichen Behörden als Kunden zusammenarbeiten. Im Fall von Chef haben Proteste dazu geführt, dass diese Zusammenarbeit beendet wird, bei Github wird diese trotz vielfältiger Proteste fortgeführt.

Mit dem Ethical Source Movement wollen einige Entwickler diesem Zusammenwirken entgegentreten. Vorgestellt wurde die Idee zu Ethical Source von Coraline Ada Ehmke auf der vergangenen Copyleft Conf. Ehmke ist in der Community unter anderem durch ihre Arbeiten am Contributor Covenant bekannt, in dem vielfach weiterverwendete Verhaltensregeln (Code of Conduct, CoC) für Softwareprojekte erstellt wurden.

Eine ethische Lizenz

Golem Karrierewelt
  1. ITIL 4® Foundation: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    12./13.12.2022, virtuell
  2. Automatisierung (RPA) mit Python: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    02./03.03.2023, Virtuell
Weitere IT-Trainings

In ihrem Vortrag vergleicht Ehmke dabei die aktuelle Zusammenarbeit von Entwicklern mit ICE etwa mit der Zusammenarbeit von IBM mit dem Nazi-Regime oder mit der Erstellung der Atombombe durch die beteiligten Wissenschaftler. Der Vorschlag Ehmkes und des Ethical Source Movements, um die aktuelle Zusammenarbeit aktiv zu unterbinden, setzt dabei wie schon bei freier Software auf eine Lizenz. Die von dem Projekt erstellte Hippocratic License setzt dabei voraus, dass die Software nur für Zwecke genutzt werden darf, die nicht gegen die allgemeine Erklärung der Menschenrechte verstößt.

Das wohl wichtigste Grundprinzip der Idee von Open Source und freier Software ist jedoch, dass die Software zu jeden Zweck ausgeführt werden darf. Die damit verbundenen bösen Einsatzzwecke schließt dies explizit mit ein. Das bisher vorherrschende Argument dazu ist, dass sich dies prinzipbedingt eben nicht ändern lassen könne. Ehmke und ihre Mitstreiter wollen genau das aber nicht akzeptieren.

Zwar dürfte wohl die große Mehrheit der Community mit den Zielen von Ehmke übereinstimmen, mit der Wahl der Mittel jedoch nicht. Das zeigt sich auch an der langen Podiumsdiskussion, die sich an dem Vortrag von Ehmke auf der Copyleft Conf anschloss. Hauptkritikpunkt war dabei die Lizenz.

Wie erwähnt ist diese mit der aktuellen Definition von freier und offener Software nicht kompatibel. Darüber hinaus lässt sich die Lizenz dieser Software wohl auch kaum juristisch durchsetzen. Immerhin gibt es schon jetzt reichlich Probleme damit, Lizenzverletzungen an Software durchzusetzen, die etwa unter der GPL steht. Und auch die Durchsetzung von Menschenrechten beziehungsweise die Verfolgung von Verstößen und Verbrechen gegen diese sind alles andere als einfach umsetzbar.

Auch aus diesem Spannungsverhältnis gibt es wohl kaum einen Ausweg, da eine Versöhnung der beiden Lager oder gar auch ein Kompromiss für beide Seiten nicht absehbar sind. Sollten die Befürworter der Ethical Source Bewegung eine kritische Masse erreichen, könnte auch das zu einer Spaltung führen. Davon profitiert wohl aber keine der beiden Seiten.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Risikokapital als Negativ-Beispiel
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3


Keep The Focus 24. Feb 2020

Die Restriktion hast du soeben genannt. Ich darf sie nur für MICH so anpassen. Wenn ich...

Omnibrain 23. Feb 2020

Was Du beschreibst ist weder sozial, noch sozialistisch, noch Das stimmt nicht. Das ist...

Semmel_Of_Nine 21. Feb 2020

@ashahaghdsa Ein perfektes Zitat, dass die ganze wichtigtuerische Diskussion treffend...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Amazon Shopper Panel
Amazon zahlt für Überwachung des Smartphone-Datenverkehrs

Wer seinen gesamten Smartphone-Datenverkehr über Amazons Server leitet, wird mit einem monatlichen Gutschein dafür bezahlt.

Amazon Shopper Panel: Amazon zahlt für Überwachung des Smartphone-Datenverkehrs
Artikel
  1. Vodafone und Telekom: LTE-Ausbau in Berliner Bahntunneln dauert weitere Jahre
    Vodafone und Telekom
    LTE-Ausbau in Berliner Bahntunneln dauert weitere Jahre

    Laut Senatsverwaltung kam der Ausbau der Base-Transceiver-Station-Hotels nicht wie geplant voran. Nicht nur die Kunden von Vodafone und Telekom haben das Nachsehen.

  2. Northrop Grumman: B21 Raider als erster digitaler Bomber vorgestellt
    Northrop Grumman
    B21 Raider als erster digitaler Bomber vorgestellt

    Northrop Grumman hat mit dem B-21 Raider eine neuen Tarnkappenbomber vorgestellt. Dabei kamen agile Softwareentwicklung und digitales Engineering zum Einsatz.

  3. Soziale Netzwerke: Liken bei Hasspostings kann strafbar sein
    Soziale Netzwerke
    Liken bei Hasspostings kann strafbar sein

    Facebook-Nutzer, die nicht davor zurückschrecken, diskriminierende oder beleidigende oder Postings zu liken, sollten sich das gut überlegen. Denn das Drücken des Gefällt-mir-Buttons kann hier erhebliche rechtliche Folgen haben.
    Von Harald Büring

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PS5-Bundle vorbestellbar • SanDisk Extreme PRO 1TB 141,86€ • Amazon-Geräte bis -53% • Mindstar: Alphacool Eiswolf 2 AiO 360 199€, AMD-Ryzen-CPUs zu Bestpreisen • Alternate: WD_BLACK P10 2TB 76,89€ • Advent-Tagesdeals bei MediaMarkt/Saturn • Thrustmaster Ferrari GTE Wheel 87,60€ [Werbung]
    •  /