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Open Power Project: IBM Power 10 ist nicht mehr Open-Source

Raptor will vollkommen freie und offene Computer anbieten. Dafür musste IBM als CPU -Hersteller weichen, weil nicht der ganze Quellcode zugänglich ist.
/ Martin Böckmann
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Anders als bei normalen Plattformen legt Raptor Computing Systems die Firmware von CPU, Chipset, UEFI und allen Controllern offen. (Bild: Martin Böckmann/Golem.de)
Anders als bei normalen Plattformen legt Raptor Computing Systems die Firmware von CPU, Chipset, UEFI und allen Controllern offen. Bild: Martin Böckmann/Golem.de

Raptor Computing hat einen Nachfolger seiner Open-Power-Systeme mit IBM-Power-9-CPUs angekündigt(öffnet im neuen Fenster) . Nachdem der Hersteller sich eine Weile bedeckt hielt, ist mittlerweile klar, dass IBM Power 10 ausgeschlossen ist. Grund dafür sind zwei Firmware-Komponenten, die nicht als Source-Code verfügbar sind. Der Hersteller setzt Open Source aber zwingend voraus.

IBM setzt im Power-10-Prozessor einen PPE-I/O-Prozessor ein, in dem 16 Kiloworte proprietärer Code enthalten sind. Offenbar wollte IBM auch auf Nachfrage keinen Source-Code dazu veröffentlichen. Es lässt sich nicht einmal genau herausfinden, welche Funktionen dieser Teil der Firmware übernimmt. Aber auch an anderer Stelle gibt es Ärger.

Power 10 unterstützt OMI DDIMMs (Open Memory Interface), bei denen die Kommunikation zwischen CPU und Arbeitsspeicher über einen Controller auf dem Speichermodul stattfindet, statt passiven Speicher zu nutzen und den Controller vollständig in die CPU zu integrieren. Die Firmware der OMI-Controller des Herstellers Microchip ist allerdings ebenfalls proprietär.

Sicherheit durch Offenheit

Raptor-Systeme sind dafür bekannt, dass sie Anwendern volle Kontrolle über alle Aspekte des Computers bieten. Das wird dadurch sichergestellt, dass Zugriff auf sämtlichen Quellcode besteht, darunter auch das UEFI und interne Firmware von Controller-Chips. Damit eignen sie sich für sicherheitskritische Einsatzbereiche.

Statt Power 10 kommen deshalb Solid-Silicon(öffnet im neuen Fenster) -S1-Prozessoren zum Einsatz. Sie basieren auf der Power-ISA-3.1 und sind voll kompatibel zu Power 10, kommen aber ohne proprietäre Firmware aus. Auch OMI-Arbeitsspeicher wird nicht vorausgesetzt. Die CPU soll PCI-Express-5.0, DDR5-Arbeitsspeicher und SMT-4 beherrschen, also gleichzeitig vier Threads pro Kern bearbeiten können.

Die CPU soll zwischen 3,5 und 4,5 GHz Taktfrequenz schaffen, genaue Werte nennt Raptor aber noch nicht. Solid Silicon ist bislang kein bekannter Hersteller von Open-Power-Prozessoren, abgesehen von der Webseite der Firma gibt es wenig Informationen. Für Kunden von Raptor dürfte letztendlich entscheidend sein, dass sämtliche Komponenten und der verwendete Code auch bei den neuen Systemen unabhängig auditiert werden können.


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