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Open Data: Der Lift ist nicht kaputt, sondern außer Betrieb

Rollstuhlfahrer Raúl Krauthausen löst seine täglichen Herausforderungen mit technischer Kreativität, Open Data und dank einer Community aus Freiwilligen. Das ist aber leichter gesagt als getan, da vor allem der Staat noch Probleme mit Open Data hat.

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Raúl Krauthausen und Holger Dieterich auf der QtCon 2016.
Raúl Krauthausen und Holger Dieterich auf der QtCon 2016. (Bild: KDE/CC-BY 3.0)

"Raúl, wieso treffen wir uns eigentlich immer im gleichen Café?", diese Frage wiederholt Holger Dieterich in der Keynote auf der diesjährigen Qtcon, um zu verdeutlichen, wieso mit der Arbeit an Wheelmap.org begonnen wurde. Denn die Antwort darauf war recht einfach. Raúl Krauthausen ist auf die Benutzung eines Rollstuhls angewiesen und kannte schlicht kein anderes rollstuhlgerechtes Café. In den vergangen sechs Jahren ist die Wheelmap, die rollstuhlgerechte Orte auf Basis der Openstreetmap anzeigt, massiv gewachsen.

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Doch die Macher stehen mit ihrer Open-Data-Initiative weiter vor enormen Herausforderungen. Denn idealerweise sollten die benötigten Daten für die Karte nicht nur von Freiwilligen zusammengetragen werden, sondern sie sollten von Institutionen wie der öffentlichen Verwaltung oder den lokalen Verkehrsbetrieben angeboten werden. Dadurch lassen sich letztlich auch spezielle Probleme vermeiden, wie Krauthausen und Dieterich erklären.

Wichtige Daten sind verfügbar - theoretisch

So würde eine unabhängige Community vielleicht noch melden, wenn ein Fahrstuhl an einem Bahnhof nicht genutzt werden kann, aber wohl nicht, dass alles in Ordnung ist. Solche Informationen werden, wie in diesem Fall von den Verkehrsbetrieben, zwar oft vorgehalten, sind durch Initiativen wie Wheelmap aber nicht unmittelbar nutzbar, da dies zum Beispiel nicht legal ist.

In konkreten Fall haben das Krauthausen, Dieterich und ihre Mitstreiter aber nicht ganz ernst genommen und die Daten trotzdem einfach von den Seiten der BVG sowie der S-Bahn in Berlin übernommen. Das hat so gut funktioniert, dass letztlich der Berliner Senat darauf hinwirkte, diese Anstrengungen offiziell zu legitimieren und die Daten frei zur Verfügung zu stellen.

Dazu seien sehr viele Gespräche notwendig gewesen, so Krauthausen - und ein Kniff, der dazu führt, dass die betroffenen Lifte in der Auflistung unter Brokenlifts.org nicht "als kaputt, sondern mit 'Außer Betrieb'" bezeichnet werden müssen. Diese Vorgabe musste umgesetzt werden, da es aus Sicht der Verkehrsbetriebe noch weitere Gründe dafür geben kann, dass die Lifte nicht genutzt werden können. Viel wichtiger als die Frage, was genau kaputt meint, ist hingegen das Ergebnis, das vielen Menschen in ihrem Alltag helfen kann.

Daten offen legen bleibt schwierig

Diese Anekdote zeigt zwar, dass es prinzipiell möglich ist, die vorhandenen Daten zu verwenden. Und laut Krauthausen gibt es viele ähnliche Projekte weltweit mit ähnlichen Zielen, die darüber hinaus künftig besser verbunden werden sollen. Dafür arbeiten Krauthausen und Dieterich an dem Projekt Acessibility.cloud, das einen einfacheren Datenaustausch ermöglichen soll.

Nach wie vor sei es aber auch ein extrem großes Problem, überhaupt an diese Daten zu kommen. Denn viele Unternehmen ebenso wie staatliche Akteure klammerten sich nach wie vor noch viel zu sehr an ihren eigenen Datenbestand, statt diesen frei zur Verfügung zu stellen.

Derartige Missstände zu lösen oder zu umgehen sei aber nicht Aufgabe einer Community aus Freiwilligen, sondern des Staates, darin sind sich Krauthausen und Dieterich einig. Sie sehen ihre Projekte deshalb auch ganz klar als Aktivismus, um auf diese Probleme auch auf staatlicher Seite hinzuweisen.



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