Opel Zafira-e Life im Test: Die Entdeckung der Langsamkeit

Der Opel Zafira-e Life ist ein praktischer Kleinbus für Familien und Fahrdienste. Doch längere Fahrten mit dem Elektroauto können zur Geduldsprobe werden.

Ein Test von veröffentlicht am
Der Zafira-e Life ist ein komfortabler Kleinbus mit Elektroantrieb.
Der Zafira-e Life ist ein komfortabler Kleinbus mit Elektroantrieb. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Es hat nicht viel gefehlt, dann wäre der Test des vollelektrischen Opel Zafira Life der wohl kürzeste für Golem.de geworden. Der "Systemfehler Elektroantrieb" piepte, der ADAC-Pannendienst war schon unterwegs. Nervös suchte ich auf Google Maps, wie man von der Autobahnraststätte Schaalsee zwischen Hamburg und Berlin wieder in die Zivilisation zurückfindet.

Weil die Raststätte coronabedingt geschlossen und es draußen wegen der Kälte nicht auszuhalten war, blieb mir nichts anderes übrig, als mich noch einmal in den roten Van zu setzen und die Heizung einzuschalten. Doch plötzlich war die nervig fiepende Aufforderung, das Fahrzeug reparieren zu lassen, wieder verschwunden. Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch konnte die Testfahrt doch noch weitergehen.

Ein Abbruch des Tests wegen des Fehlalarms, auf dessen mögliche Ursachen wir weiter unten eingehen, wäre schade gewesen. Denn in diesem Fahrzeugsegment gibt es derzeit nur wenige vollelektrische Modelle.

Der 2019 auf den Markt gekommene Zafira Life hat nicht mehr viel mit dem vorher gebauten Kompaktvan Zafira zu tun. Das hängt mit der Übernahme von Opel durch den PSA-Konzern zusammen. Daher ist der Zafira in großen Teilen baugleich mit dem Peugeot Traveller, dem Citroën Spacetourer und dem Toyota Proace Verso. Die von Golem.de getestete Version Elegance M ist 4,96 m lang. Daneben werden eine kürzere Version S (4,61 m) und eine längere Version L (5,31 m) angeboten.

Reichweite von rund 300 km nach WLTP

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Ebenso wie der Opel Vivaro, der als Kleintransporter angeboten wird, basiert der Zafira auf der PSA-Plattform EMP2. Auch der elektrische Antrieb stammt aus einem Baukasten des Konzerns. Der Elektromotor mit 100 Kilowatt (136 PS) und einem Drehmoment von 260 Newtonmetern wird ebenfalls im neuen Corsa-e eingesetzt. Mit nutzbaren 69 Kilowattstunden (kWh) (brutto 75 kWh) ist der Akku jedoch um die Hälfte größer. Die Reichweite wird mit rund 300 Kilometern nach dem WLTP-Zyklus angegeben, was je nach Ausstattung etwas variiert. Bei dem ebenfalls wählbaren Akku mit 46 kWh (50 kWh) schrumpft die Reichweite auf 205 km zusammen. Angesichts des hohen Luftwiderstands und hohen Gewichts verwundert das nicht.

Opel bewirbt den Zafira-e als "Lounge auf Rädern" für "vollelektrisches Reisen auf Top-Niveau". Da der Van auch als Tourer angeboten wird und daher dem VW-Bulli Konkurrenz macht, ist dazu jedoch eine gewisse Reichweite erforderlich, um bei längeren Strecken überhaupt von einer Ladesäule zur anderen zu gelangen. Bei unserem Test hat sich allerdings gezeigt, dass dies gerade im Winter zu einer Geduldsprobe werden kann.

Elektromobilität: Theorie und Praxis zur Ladeinfrastruktur (de-Fachwissen)

Frieren oder fahren?

Recht realitätsnah verhält sich dabei der Reichweitenrechner auf der Konfigurationsseite des Zafira-e. Mehr als 300 Kilometer sind bei eingeschalteter Heizung/Klimaanlage im Grunde nur unbeladen, bei 25 Grad Celsius Außentemperatur und einer Geschwindigkeit von 60 km/h möglich. Wer im Winter bei 90 km/h über die Autobahn fährt und nicht erfrieren will, kommt nur noch knapp 200 Kilometer weit. Und selbst dann mussten wir auf der Fahrt von Berlin nach Halle an der Saale, gut 180 km, zwischendurch immer wieder die Heizung ausschalten.

  • Der Opel Zafira-e Life ist ein geräumiger und komfortabler Van für Familien und Fahrdienste. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Neben komfortablen Sitzen bietet der Zafira-e dem Fahrer zahlreiche Assistenzsysteme.  (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Neben klassischen Rundinstrumenten für Geschwindigkeit und Leistung gibt es im Armaturenbrett noch Anzeigen für den Komfortverbrauch (l.) und den Ladezustand. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das Mulitmedia-Navi ist mit dem 7-Zoll-Display nicht besonders groß. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Fahrstufenschalter in der Mittelkonsole ist etwas gewöhnungsbedürftig. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Im Fond gibt es ausreichend Platz für bis zu 6 Personen und je nach Ausstattung ein Panorama-Glasdach. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Praktisch ist der Drehschalter für den Geschwindigkeitsregler und -begrenzer. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Rückfahrkamera ist hilfreich beim Ein- und Ausparken des Kleinbusses. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Sitze für Fahrer und Beifahrer verfügen über eine Heizung und eine Massagefunktion. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Sitze lassen sich leicht umklappen ... (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • ... oder auch komplett herausnehmen. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Per Gleichstrom lädt der Zafira-e mit bis zu 100 Kilowatt.
  • Der Durchschnittsverbrauch ist im Winter trotz sparsamer Fahrweise immer noch recht hoch. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Wenig hilfreich sind die Verbrauchsstatistiken im Display. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Eine Vollladung mit 11 kW Wechselstrom dauert etwa 7 Stunden. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Per Adapter ist auch das Laden an einer Haushaltssteckdose möglich. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Dann dauert der Vorgang jedoch sehr lange. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Manche Betreiber wie Eon verlangen noch eine pauschale Ladegebühr, hier als "Startgebühr" in Höhe von 18,40 Euro. (Screenshot: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Warnhinweise, die man nicht so gerne sieht. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Fehler verschwand nach einiger Zeit wieder von selbst. Wir konnten die Fahrt ohne Probleme fortsetzen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Warnhinweise, die man nicht so gerne sieht. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)

Es ist daher klar, dass eine gut 300 Kilometer lange Fahrt von Hamburg nach Berlin im Winter nicht ohne Ladepause möglich ist. Doch anders als noch vor drei Jahren, als eine Autobahnfahrt mit dem Hyundai Ioniq Elektro durch stundenlange Ladestopps verzögert wurde, ist die Infrastruktur inzwischen deutlich besser ausgebaut.

Allerdings muss man weiterhin damit rechnen, dass die Schnellladesäulen an den Raststätten nicht funktionieren.

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Ölkonzerne bauen Schnellladenetz auf 
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bigm 10. Jan 2021

das "neue" Modell K9 ? und viele Probleme erkennt man erst wenn man vorher Premium...

M.P. 09. Jan 2021

Naja, da sollte INNEN schon genug Platz für 2 Personen + Fahrräder sein ... Trotzdem...

crustenscharbap 09. Jan 2021

Ja leider ist es so. Da hat man einfach in der Softwareentwicklung gespart. Dann soll die...

AIM-9 Sidewinder 09. Jan 2021

Unausgereifte Technik. In zehn Jahren hat die Kiste dann durchschnittlich 600 KM...

bigm 09. Jan 2021

Das wirklich Interessante daran ist das die Leute das Akzeptieren was man Ihnen erzählt...



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