Onlinespiele: Zwischen Online-Ehre und Opferrolle
"Spieler haben das Gefühl, dass man sich ein dickes Fell zulegen muss, um Onlinespiele genießen zu können", sagt Melissa Boone von Microsoft auf der GDC 2018 in San Francisco. Doch viele schaffen das offenbar nicht: Der alltägliche Hass, die vielen Beleidigungen und der rüde Umgangston beschäftigen viele Spieler tage- oder wochenlang, wie Boone in zahlreichen intensiven Gesprächen herausgefunden hat. Anfangs habe das kaum einer zugeben wollen, sagt Boone – wer will schon vor sich selbst oder gar vor anderen als Opfer dastehen? Aber dann habe fast jeder Interviewte von konkreten Fällen – etwa massiven Beleidigungen oder sexuellen Übergriffen – berichtet, die sie nicht ohne weiteres weggesteckt hätten. Das ist nicht nur ein Problem für die Betroffenen, sondern auch für die Branche – die endlich mit ersten Maßnahmen reagiert.
Im Rahmen der Studie kam Microsoft zu dem Schluss, dass rund 20 Prozent der Spieler, die gerne in Onlinespielen antreten würden, das wegen des teils belastenden Umgangstons nicht mehr oder nur noch sehr selten tun. Dazu kommt die riesige Menge an potenziellen Kunden, die durch entsprechende Erfahrungsberichte gewarnt erst gar nicht in Multiplayermatches antreten. Etwa die Hälfte der Spieler, die noch antreten, nutzen demnach grundsätzlich keine Sprachausgabe – wegen ihrer Stimme, ihres Dialekts oder weil sie sich nicht sprachgewandt genug fühlten, ergab die Studie.