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Onlineshopping: Paketzusteller schaffen Arbeit nicht bis zur Rente

Insbesondere durch die Subunternehmen werde die Arbeit der Zusteller unerträglich. Hier sind laut Verdi illegale Praktiken üblich.
/ Achim Sawall
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Zustellerinnen und Zusteller unter großer Belastung (Bild: Tolga Akmen/AFP via Getty Images)
Zustellerinnen und Zusteller unter großer Belastung Bild: Tolga Akmen/AFP via Getty Images

Weniger als zehn Prozent der Arbeiter in der Paketbranche können sich vorstellen, unter den derzeitigen Bedingungen ihre Arbeit bis zur Rente ausüben zu können. Das sei ein absolutes Alarmsignal, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. An der Studie Beschäftigtenbefragung Paketdienste 2025 von Input Consulting und Verdi nahmen fast 3.000 Beschäftigte in 14 Sprachen teil. Sie wurde am 25. November 2025 vorgelegt.(öffnet im neuen Fenster)

Die Befragten bewerten ihre Arbeitsbedingungen als schlecht; der sogenannte DGB-Index-Gute-Arbeit-Wert betrug nur 40 Punkte und fällt deutlich hinter die Arbeitsqualität in der Gesamtwirtschaft zurück (65 Index-Punkte).

Laut der Befragung gibt es deutliche Hinweise auf Arbeitsrechtsverstöße. Besonders bei Subunternehmen weit verbreitet seien Verstöße gegen Höchstarbeitszeitgrenzen, die Nichtvergütung von Mehrarbeit, zu spät ausgezahlter Lohn und das illegale Einbehalten von Bezahlung. Etwa jeder Fünfte berichtet, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu erhalten und den gesetzlichen Erholungsurlaub nicht nehmen zu können. Bei vielen Befragten werde aufgrund unbezahlter Mehrarbeit die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns unterlaufen. "Amazon, Hermes, DPD und GLS bedienen sich in der Zustellung ausschließlich bei Subunternehmen. Bei UPS und Fedex wird in der Zustellung sowohl mit eigenen Zustellenden als auch mit Subunternehmen gearbeitet" , sagte ein Verdi-Sprecher Golem auf Anfrage. Bei DHL seien bis auf wenige Zustellbezirke alle Zusteller direkt bei DHL, bei DHL Express werde jedoch auch mit Subunternehmern gearbeitet.

Arbeit im Zustellerbereich hat große gesellschaftliche Bedeutung

Die Arbeit in der KEP-Branche (Kurier-, Express- und Paketdienste), sei "außerordentlich wichtig für Wirtschaft und Verbraucher. Ohne die hohe Arbeitsleistung der Beschäftigten in der Paketbranche würden wichtige Teile der Wirtschaft nicht funktionieren" , sagte Kocsis.

Derzeit wird vom Handelsverband Deutschland (HDE) erwartet, dass der gesamte E-Commerce-Umsatz mit Waren (B2C) in Deutschland in diesem Jahr deutlich wachsen wird: von rund 88,8 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf circa 92,4 Milliarden Euro im laufenden Jahr. Der Anteil der Paketzustellungen, die direkt auf den Onlinehandel zurückzuführen sind, liegt laut den aktuellsten Zahlen des Bundesverbands Paket- und Expresslogistik (BPEX) für das Jahr 2024 bei rund 60 Prozent aller Sendungen.

"Es ist höchste Zeit für ein gesetzliches Verbot von Subunternehmen in der Paketbranche, um prekäre Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und illegale Beschäftigung wirksam zu bekämpfen" , betonte Kocsis.

Rund 270.000 Menschen arbeiten bei Paket- und Kurierdiensten. Gewerkschaften und Betriebsräte berichten von Muskel-Skelett-Beschwerden durch das jahrelange schwere Heben. Die Ampel-Regierung wollte die Paketgrößen noch auf 20 Kilogramm beschränken, daraus ist jedoch nichts geworden. Die aktuelle Bundesregierung zeige wenig Interesse an den Arbeitsbedingungen der Menschen, berichtet die Frankfurter Rundschau.


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