• IT-Karriere:
  • Services:

Onlinehandel: Scheuer will Pakete nachts mit der U-Bahn transportieren

Im Schacht durch die Nacht: U-Bahnen könnten nach Betriebsschluss Pakete in einzelne Stadtteile liefern, meint Verkehrsminister Scheuer. Er sieht es als Mittel gegen den zunehmenden Lieferverkehr auf der Straße. Doch es gibt viele offene Fragen.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
In der U-Bahn sollen nachts Pakete statt Menschen transportiert werden.
In der U-Bahn sollen nachts Pakete statt Menschen transportiert werden. (Bild: Fabrizio Bensch/Reuters)

Der Onlinehandel boomt - und mit ihm auch der Verkehr in den Städten. Denn immer mehr Pakete bedeuten immer mehr Lieferwagen, die sich einen Weg durch den Stadtverkehr bahnen, zum Ausladen in der zweiten Reihe parken und Staus verursachen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will nun neu denken - und dafür unterirdische Wege nutzen. "Ich wäre dazu bereit, ein Pilotprojekt mit einer Stadt zu machen, wo wir eine U-Bahn umbauen und eine spezielle Paket-U-Bahn daraus machen", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft wie etwa der Moz.

Stellenmarkt
  1. Interhyp Gruppe, München
  2. Der Polizeipräsident in Berlin, Berlin

Solch eine Bahn könnte nach den Vorstellungen des Ministers nachts von 2.00 Uhr an fahren und Pakete zu Zwischenlagern, sogenannten Mikro-Hubs, an Haltestellen in einzelnen Stadtteilen transportieren. "Wir installieren Mikro-Hubs, von dort aus können die Lieferanten die Waren mit einem Elektro-Lastenfahrrad weiter transportieren", sagte Scheuer und fügte hinzu: "Es geht darum, dass wir oberirdisch Verkehr reduzieren."

Branchenvertreter stimmen zu, dass gerade angesichts des Drucks, den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen zu verringern, Änderungen nötig sind. "Dazu ist eine Verlagerung von Verkehr sowohl für Personen als auch für Güter auf die umweltfreundlichen Verkehrsmittel zwingend notwendig", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Oliver Wolff, der dpa. Für Scheuers Idee zeigte er sich offen: "Um dies zu erreichen, sollte man auch auf den ersten Blick ungewöhnliche Ideen durchaus diskutieren und abwägen."

Onlinehandel wächst

Immer mehr Menschen kaufen Produkte im Internet. Im vergangenen Jahr bestellten Verbraucher Waren im Wert von 94 Milliarden Euro. Das waren rund zehn Prozent mehr als noch im Vorjahr, wie aus Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel hervorgeht. Davon profitiert besonders die Paketbranche. 2019 erwirtschafteten die Dienstleister in Deutschland der Bundesnetzagentur zufolge 18,78 Milliarden Euro. 2018 lagen die Gesamterlöse noch bei 17,66 Milliarden Euro.

Wenn nun Pakete und Päckchen auch per U-Bahn oder per Straßenbahn durch Großstädte transportiert würden, könnte das den Verkehr spürbar entlasten, betonte Scheuer. Er rechne damit, dass der Lieferverkehr, der etwa wegen des Haltens von Fahrzeugen in der zweiten Reihe für zusätzliche Staus sorgt, um bis zu 20 Prozent reduziert werden könnte. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Oliver Luksic, stimmte zu: "Wir brauchen Smart-City-Konzepte mit IT-gestützter Optimierung der Verkehrswege", sagte er. Dafür seien Mikro-Hubs für den Paketlieferverkehr ein guter Ansatz.

Hermes hat viel vor

Daran arbeitet auch der Paketdienst Hermes. "Unser Ziel ist es, in den kommenden Jahren in den 80 größten deutschen Städten emissionsfrei zuzustellen", teilte das Unternehmen mit. Ein Mittel dazu sei, "alternative Zustellmodelle wie die Zustellung mit dem Lastenrad" zu testen. Derzeit laufe die Auswertung einer Logistiktram, die das Unternehmen 2019 in Zusammenarbeit mit der Verkehrsgesellschaft Frankfurt eingesetzt hatte. In Berlin untersuchte Hermes den Weitertransport von Sendungen mit Lastenrädern.

Doch für einen flächendeckenden Ansatz müssen noch viele Fragen geklärt werden, wie VDV-Hauptgeschäftsführer Wolff sagte. So dürften die normalen Abläufe nicht gestört werden. "Nachts beziehungsweise nach Betriebsschluss werden in den U-Bahnsystemen notwendige Reparaturen und Instandhaltungen durchgeführt, die man während der normalen Betriebszeit nicht umsetzen kann", sagte Wolff. Nötig sei auch mehr Personal - ein schwieriges Thema, wie auch die Paketbranche spürt. "Schon seit längerem ist der Arbeitsmarkt zunehmend leergefegt", hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kürzlich angemerkt. Es fehle etwa eine tarifliche Absicherung.

Keine ganz neue Idee

Die Idee, Pakete per U-Bahn oder Straßenbahn zu verschicken, ist nicht neu. So gab es in Berlin bereits vor Jahrzehnten entsprechende Überlegungen. Dort hatten etwa in den 1930er Jahren Güterstraßenbahnen Pakete ausgeliefert. In der US-Großstadt Chicago wurden eigens Tunnel für den Warentransport per Metro gebaut. Aufgrund des Aufschwungs bei Lastwagen wurde die unterirdische Belieferung aber 1959 eingestellt.

In der französischen Stadt St. Etienne wurden 2016/17 versuchsweise Waren und Pakete mit Straßenbahnen hin- und hergefahren. Zum Abschluss hieß es, das Projekt sei wirtschaftlich nicht realisierbar, zudem habe es technische Probleme gegeben. Die Schweiz will herausfinden, wie Anlagen für den unterirdischen Gütertransport gebaut und betrieben werden können. Dafür wurde jüngst ein Gesetz erlassen.

Ist die Straßenbahn geeigneter?

So schnell geht es in Deutschland nicht. "Ob die Nutzung von U-Bahnen in der Praxis funktioniert, muss man herausfinden", sagte FDP-Verkehrsexperte Luksic. Vom VDV heißt es: "Wenn man bundesweit über solche Lösungen nachdenken möchte, dann könnten sich vermutlich eher die Straßenbahnen eignen." Als Beispiel gilt die Cargo-Tram in Dresden: Die Güterstraßenbahn liefert Bauteile für die Gläserne Manufaktur, in der Volkswagen den E-Golf baut.

In wenigen Städten in Deutschland gibt es geschlossene U-Bahn-Systeme mit sogenanntem kreuzungsfreien Verkehr. In den meisten Kommunen teilen sich die Stadtbahnen die Verkehrsflächen mit Bussen, Autos, Lastwagen, Motor- und Fahrrädern.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Top-Angebote
  1. (aktuell u. a. McAfee Total Protection 2020 als Tagesangebot, Seagate Portable Drive 5 TB für 109...
  2. HP 15s-eq0300ng 15.6" FHD, AMD Ryzen 5 3500U, 8 GB RAM, 512 GB SSD, Radeon Vega 8, Windows 10 S...
  3. (u. a. Crucial BX500 2 TB für 179€ inkl. Direktabzug statt ca. 210€ im Vergleich, Zotac Gaming...
  4. 169€ (Vergleichspreis 196,86€)

Herr_Be 18. Feb 2020 / Themenstart

Und die Chance, dass jemand zuhause ist, ist auch viel größer!

Nahkampfschaf 18. Feb 2020 / Themenstart

Korrekt. Und da wir nicht genügend Personal haben, um diese Verbote zu kotnrollieren...

DarioBerlin 17. Feb 2020 / Themenstart

Auch wenn ich glaube dass der Mitarbeitereinsatz und die Kosten im Rahmen bleiben...

Olliar 17. Feb 2020 / Themenstart

..aber wenn einer ständig(immer wieder) mit solche weltfremden Ideen öffentlich auftritt...

Palerider 17. Feb 2020 / Themenstart

Das war bei der Überschrift auch mein erster Gedanke - wenn der nachts mit der Sackkarre...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Halo (2001) - Golem retro_

2001 feierte der Master Chief im Klassiker Halo: Kampf um die Zukunft sein Debüt. Wir blicken zurück und merken, wie groß der Einfluss des Spiels wirklich ist.

Halo (2001) - Golem retro_ Video aufrufen
Streaming: Zehn besondere Serien für die Zeit der Isolation
Streaming
Zehn besondere Serien für die Zeit der Isolation

Kein Kino, kein Fitnessstudio, kein Theater, keine Bars, kein gar nix. Das Coronavirus hat das Land (und die Welt) lahmgelegt, so dass viele nun zu Hause sitzen: Zeit für Serien-Streaming.
Eine Rezension von Peter Osteried

  1. Videostreaming Fox kauft Tubi für 440 Millionen US-Dollar
  2. Musikindustrie in Deutschland Mehr Umsatz dank Audiostreaming
  3. Besuch bei Justwatch Größte Streaming-Suchmaschine ohne echte Konkurrenz

Coronavirus: Spiele statt Schule
Coronavirus
Spiele statt Schule

Wer wegen des Coronavirus mit Kindern zu Hause ist, braucht einen spannenden Zeitvertreib. Unser Autor - selbst Vater - findet: Computerspiele können ein sinnvolles Angebot sein. Vorausgesetzt, man wählt die richtigen.
Von Rainer Sigl

  1. CCC "Contact Tracing als Risikotechnologie"
  2. Coronapandemie Robert Koch-Institut sammelt Gesundheitsdaten von Sportuhren
  3. Google Chrome rollt Regeln für Same-Site-Cookies vorerst zurück

Schenker Via 14 im Test: Leipziger Langläufer-Laptop
Schenker Via 14 im Test
Leipziger Langläufer-Laptop

Dank 73-Wattstunden-Akku hält das 14-Zoll-Ultrabook von Schenker trotz fast komplett aufrüstbarer Hardware lange durch.
Ein Test von Marc Sauter

  1. XMG Neo 15 (E20) Schenker erhöht Akkukapazität um 50 Prozent
  2. XMG Apex 15 Schenker packt 16C-Ryzen in Notebook
  3. XMG Fusion 15 Schenkers Gaming-Laptop soll 10 Stunden durchhalten

    •  /