Abo
  • Services:

Onlinehandel: Die Amazon-Abhängigkeit der Deutschen Post wächst

Jahrelang redete die Deutsche Post den Einfluss von Amazon klein. Interne Unterlagen belegen das Gegenteil und zeigen, dass die Post sehr genau beobachtet, was der Onlinehändler tut. Die Abhängigkeit von Amazon nimmt weiter zu.

Artikel veröffentlicht am ,
Amazon ist der größte DHL-Kunde.
Amazon ist der größte DHL-Kunde. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Ohne Amazon sähe das heutige Geschäft der Deutschen Post und des Tochterunternehmens DHL wohl ganz anders aus. Bisher war die Post immer bemüht, den Einfluss von Amazon auf das Postgeschäft kleinzureden. Aus einer internen Präsentation bei der Post vom Mai 2017 geht aber klar das Gegenteil hervor, berichtet das Handelsblatt mit Verweis auf interne Postunterlagen. Deutlich zeigt sich, wie abhängig die Deutsche Post mittlerweile von den Aktivitäten von Amazon geworden ist.

Stellenmarkt
  1. SCHOTT AG, Mainz
  2. Deutsche Leasing AG, Bad Homburg vor der Höhe

Wenn es um den Einfluss des Onlinehändlers auf die Aktivitäten bei der Deutschen Post geht, könnten die offiziellen Aussagen und die internen Zahlen kaum weiter auseinanderklaffen. Erst vor wenigen Tagen hatte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel, der Wirtschaftswoche beteuert: "Kein Kunde hat bei uns mehr als zwei Prozent unseres Gesamtumsatzes." Die Post weigert sich seit Jahren beharrlich bekanntzugeben, wie hoch der Anteil an Amazon-Paketen bei der Deutschen Post ist.

In dem etwas mehr als ein Jahr alten Vorstandspapier heißt es hingegen, dass bei der Post-Tochter DHL allein 17,6 Prozent der Paketmenge auf den Onlineversender entfallen. Das steht für 253 Millionen Pakete. Damit ist Amazon der größte Kunde bei der Post. Hierbei werden aber nicht alle Pakete mit Amazon-Schriftzug berücksichtigt; die Marketplace-Pakete sind offenbar nicht dabei, auch wenn diese aus Amazon-Lagern verschickt werden. Der Paketanteil von allen über den Onlinehändler abgewickelten Post-Lieferungen dürfte also noch weitaus größer sein. Zwischen Amazon und der Post gab es einen Streit darüber, wie die Versandkosten bei Paketen von Marketplace-Händlern berechnet werden.

Amazon bekommt Vorzugspreis von DHL

Aus dem Vorstandspapier geht hervor, dass der Ertrag für die Post an jedem von Amazon direkt verkauften Paket bis zu 21 Cent betrage. Ein Paket von einem Marketplace-Anbieter bringe der Post hingegen einen Ertrag von 34,5 Cent, weil diese höhere Versandkosten an die Post zahlen als Amazon selbst. Für ein von Amazon verschicktes Paket berechnet DHL 2,55 Euro, die Marketplace-Händler zahlen hingegen durchschnittlich 2,97 Euro an die Post-Tochter.

Diese Diskrepanz stört Amazon. Deshalb wollte das Unternehmen ein einheitliches Preisniveau verhandeln. Viel Spielraum bleibt der Post allerdings nicht, denn in dem internen Papier warnt der frühere Postvorstand Jürgen Gerdes davor, dass das Unternehmen bis zu 240 Millionen Euro Ertragsrückgang verzeichnen müsse, wenn der Wunsch Amazons abgelehnt werde.

Lässt sich die Post auf die Forderung von Amazon ein, sei mit einem Renditerückgang von 75 Millionen Euro zu rechnen. Dazu kämen weitere 7 Millionen Euro, weil Amazon für die Vermittlung der vergünstigten Versandaufträge eine "Kommission von drei Prozent" verlangt habe. Die Post war hier also in einer Zwickmühle. Inwieweit sich Amazon durchsetzen konnte, ist nicht bekannt.

Amazon setzt Post mit Paketstationen unter Druck

Aber auch im Bereich Paketstationen sieht sich die Post stark von Onlinehändler unter Druck gesetzt. Die zunächst als Test gedachten Amazon-Packstationen sind nun ganz offiziell im Angebot. Der Start von Locker war im September 2017, aber schon zuvor sorgte sich die Post um Amazons Aktivitäten in diesem Bereich. Die Locker sind ausschließlich für Amazons eigene Pakete nutzbar und dafür gedacht, dass sich Käufer ihre Paket dorthin liefern lassen können, wenn keiner zu Hause ist.

Die Locker-Stationen könnten die Auslastung der DHL-Packstationen verringern, hat die Post befürchtet. 2016 wurden 29 Millionen Sendungen in Packstationen abgelegt - Amazons Anteil daran lag bei 44 Prozent. Dieser könnte sich durch die Lockerstationen verringern. Ob sich ein Rückgang bestätigt hat, ist nicht bekannt, dazu liegen keine Zahlen vor.

Die Post hatte sogar erwogen, die Locker-Paketstationen nicht zu beliefern. Aber dann wird befürchtet, dass die Aufträge an Konkurrenten wie Hermes gehen, was wiederum zu Umsatz- und Gewinneinbußen führen würde. Zudem sieht die Post die Gefahr, dass sich das Kartellamt einschaltet, wenn die Amazon-Paketstationen nicht beliefert werden.

Weder die Deutsche Post noch Amazon wollten zu dem internen Papier einen Kommentar abgeben.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 119,90€
  2. (u. a. 32 GB 6,98€, 128 GB 23,58€)
  3. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

LinuxMcBook 30. Jun 2018

Allerdings haben sich seit dem die Bestellungen bei Versandhändlern verzigfacht, insofern...

MisterND 27. Jun 2018

Yo... Gewinnmaximierung ist so ne tolle Sache. Is doch egal was der kleine "Arbeitssklave...

MisterND 27. Jun 2018

Kein Plan wer hier bei Prime anliefert. Meine letzte Bestellung ist sicher 1 Jahr her...

Michael H. 26. Jun 2018

https://www.dpdhl.com/content/dam/dpdhl/de/investors/veranstaltungen/hauptversammlung...

gaym0r 26. Jun 2018

Hast du nicht eben in mehreren Posts versucht uns zu erklären, dass es hier nur um...


Folgen Sie uns
       


Cinebench R20 auf Threadripper 2950X ausprobiert

Cinebench R20 soll mit bis zu 256 Threads umgehen können.

Cinebench R20 auf Threadripper 2950X ausprobiert Video aufrufen
Google: Stadia tritt gegen Gaming-PCs, Playstation und Xbox an
Google
Stadia tritt gegen Gaming-PCs, Playstation und Xbox an

GDC 2019 Google streamt nicht nur so ein bisschen - stattdessen tritt der Konzern mit Stadia in direkte Konkurrenz zur etablierten Spielebranche. Entwickler können für ihre Games mehr Teraflops verwenden als auf der PS4 Pro und der Xbox One X zusammen.
Von Peter Steinlechner


    Verschlüsselung: Die meisten Nutzer brauchen kein VPN
    Verschlüsselung
    Die meisten Nutzer brauchen kein VPN

    VPN-Anbieter werben aggressiv und preisen ihre Produkte als Allheilmittel in Sachen Sicherheit an. Doch im modernen Internet nützen sie wenig und bringen oft sogar Gefahren mit sich.
    Eine Analyse von Hanno Böck

    1. Security Wireguard-VPN für MacOS erschienen
    2. Security Wireguard-VPN für iOS verfügbar
    3. Outline Digitalocean und Alphabet-Tochter bieten individuelles VPN

    Fido-Sticks im Test: Endlich schlechte Passwörter
    Fido-Sticks im Test
    Endlich schlechte Passwörter

    Sicher mit nur einer PIN oder einem schlechten Passwort: Fido-Sticks sollen auf Tastendruck Zwei-Faktor-Authentifizierung oder passwortloses Anmelden ermöglichen. Golem.de hat getestet, ob sie halten, was sie versprechen.
    Ein Test von Moritz Tremmel

    1. E-Mail-Marketing Datenbank mit 800 Millionen E-Mail-Adressen online
    2. Webauthn Standard für passwortloses Anmelden verabschiedet
    3. Studie Passwortmanager hinterlassen Passwörter im Arbeitsspeicher

      •  /