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Onlinehandel: Amazon-KI soll Bot-Sperren in Webshops umgehen

Einzelhändler werfen Amazon vor, dass dessen KI -Einkaufshelfer technische Barrieren ignorieren, um Produktdaten von fremden Webseiten auszulesen.
/ Nils Matthiesen
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Amazon-KI ignoriert offenbar Bot-Sperren. (Bild: JONAS ROOSENS/BELGA MAG/AFP via Getty Images)
Amazon-KI ignoriert offenbar Bot-Sperren. Bild: JONAS ROOSENS/BELGA MAG/AFP via Getty Images

Amazon nutzt für die Optimierung seiner KI-gestützten Einkaufsfunktionen offenbar automatisierte Verfahren, die technische Zugriffsbeschränkungen anderer Onlinehändler unterlaufen. Mehrere Betreiber von Webshops berichten, dass Amazons Systeme Daten auch dann abrufen, wenn die automatisierte Erfassung durch Bot-Sperren oder Anweisungen in der Robots.txt-Datei explizit untersagt wurde. Im Zentrum der Kritik steht die Art und Weise, wie die KI-Assistenten des Konzerns Informationen über Preise und Produkte bei der Konkurrenz sammeln.

Wie ein Bericht von Techradar(öffnet im neuen Fenster) darlegt, kommen dabei sogenannte Headless-Browser zum Einsatz. Diese Programme laden Webseiten im Hintergrund, ohne eine grafische Benutzeroberfläche anzuzeigen, verhalten sich dabei jedoch technisch ähnlich wie ein menschlicher Nutzer mit einem regulären Webbrowser. Durch dieses Verfahren können herkömmliche Sicherheitsmechanismen, die einfache Scraper-Bots identifizieren und blockieren sollen, oft nicht greifen. Amazon nutzt diese Daten, um Kunden innerhalb der eigenen Plattform über Angebote und Verfügbarkeiten bei Drittanbietern zu informieren.

Automatisierte Zugriffe trotz Blockaden

Die betroffenen Händler kritisieren das Vorgehen als gezielte Umgehung ihrer technischen Schutzmaßnahmen. Da die KI-Systeme die Webseiten direkt auslesen, ohne dass ein herkömmlicher Nutzer die Seite besucht, entfallen für die Shop-Betreiber die üblichen Interaktionsmöglichkeiten. Die Händler geben an, dass sie durch das automatisierte Scraping die Kontrolle darüber verlieren, wie ihre Produkte präsentiert werden. Zudem belasten die häufigen Zugriffe der Bots die Serverressourcen der kleineren Anbieter, ohne dass ein direkter Traffic-Nutzen durch menschliche Besucher entsteht.

Die systematische Natur dieser Zugriffe lässt sich von außen schwer beziffern, da Amazon die genaue Funktionsweise seiner Crawler nicht öffentlich dokumentiert. Händler stützen ihre Vorwürfe jedoch auf Logfiles, die automatisierte Zugriffe aus dem Amazon-Netzwerk zeigen, obwohl entsprechende Sperren aktiv waren. Amazon positioniert die Funktion als Dienstleistung für den Verbraucher, um den Preisvergleich und den Einkaufsprozess zu vereinfachen. Zu den Vorwürfen, technische Barrieren gezielt zu ignorieren, äußert sich das Unternehmen bisher nicht detailliert.

Rechtliche Einordnung bleibt vorerst offen

In der Branche führt das Vorgehen zu Diskussionen über die Zulässigkeit solcher KI-Agenten. Während das einfache Auslesen öffentlicher Daten (Scraping) in vielen Rechtsräumen grundsätzlich erlaubt ist, sofern keine Urheberrechte verletzt werden, ist die rechtliche Bewertung der gezielten Umgehung von Bot-Sperren durch KI-Shopping-Assistenten bisher nicht durch Grundsatzurteile geklärt. Es existiert derzeit eine Unklarheit darüber, ob technische Schutzmaßnahmen wie die Robots.txt-Datei rechtlich bindende Grenzen für KI-Systeme darstellen.

Für die Einzelhändler stellt sich zudem ein wirtschaftliches Problem dar: Wenn Amazon-Kunden die Informationen anderer Shops erhalten, ohne diese jemals direkt zu besuchen, sinkt die Chance auf Zusatzverkäufe oder die Bindung an die eigene Marke. Experten erwarten, dass sich der Konflikt zwischen Plattformbetreibern und den Betreibern der KI-Infrastruktur verschärfen wird, da immer mehr Unternehmen generative KI-Modelle mit Echtzeitdaten aus dem Web füttern wollen. Ob technische Abwehrmaßnahmen allein ausreichen werden oder ob neue regulatorische Vorgaben für Shopping-KI notwendig sind, bleibt abzuwarten.


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