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Onlineenzyklopädie: Kritik an Wikipedia wird 15 Jahre alt

Ebenso anhaltend wie der Erfolg des Onlinelexikons ist die Kritik an der Wikipedia. Inzwischen gilt sie weniger dem Produkt als den dahinterstehenden Strukturen.

Artikel von veröffentlicht am
Die Wikipedia ist 15 Jahre alt geworden.
Die Wikipedia ist 15 Jahre alt geworden. (Bild: Lane Hartwell/CC BY-SA 3.0)

Wer die Wikipedia in den ersten Jahren ihres Bestehens kritisieren wollte, hatte es nicht schwer. Das soll ein Lexikonartikel sein?, habe ich mich oft gefragt, wenn Google mich in den Jahren 2002 oder 2003 mal wieder auf einen Wikipedia-Beitrag geführt hatte. Wie kann überhaupt ein Lexikon erstellt werden, wenn ohne Planung und ohne Redaktion jeder Depp an einem solchen Projekt mitschreiben kann? Diese Frage stellte sich nicht nur mir, sondern sicherlich auch vielen anderen Nutzern.

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Diese kritische Einstellung änderte sich schlagartig, als ich auf den Diskussionsseiten feststellte, wie ernsthaft sich einige Leute mit diesen ach so kurzen und schlechten Artikeln zu meinen Lieblingsthemen befassten. Von diesem Punkt bis zum ersten eigenen Edit war es nur ein kurzer Schritt. Schließlich war es in den Anfangsjahren noch ziemlich einfach, Artikel zu verbessern oder Lücken zu füllen.

Zuverlässigkeit erwiesen

Nach dem ersten Medienhype über das Mitmachlexikon schien zumindest festzustehen, dass solch ein kollaboratives Projekt im Internet tatsächlich funktionieren kann. Es gab offenbar genügend Freiwillige, die ihre Freizeit mit dem Schreiben von Lexikonartikeln verbringen wollten. Mit dem Erfolg der Wikipedia begann gleichzeitig eine zweite Welle der Kritik. Wie zuverlässig sind denn Lexikonartikel, an denen jeder mitschreiben kann? Im Vergleich mit den gedruckten Standardwerken müssen die Artikel doch eigentlich viel mehr Fehler enthalten.

Diese durchaus nachvollziehbare Kritik an der vor exakt 15 Jahren gegründeten Wikipedia ist inzwischen weitgehend verstummt. Zum einen, weil wissenschaftliche Untersuchungen nur geringe qualitative Unterschiede zwischen der Encyclopædia Britannica und der Wikipedia feststellten. Zum anderen, weil es diese Bücherregalfüller wegen des Internets nicht mehr gibt. Eben weil die Wikipedia mit der Zeit als zuverlässig galt, war es plötzlich eine Riesengeschichte, wenn ein Spaßvogel dem Freiherrn zu Guttenberg einen elften Vornamen unterschieben konnte.

Zentralorgan des Wissens

Dieser Status als "Zentralorgan des Wissens" (Spiegel Online) brachte Wikipedia aber wieder neue Kritik ein. Denn nun stand das Lexikon im Verdacht, wegen seiner Bedeutung von Unternehmen und Lobbyverbänden missbraucht zu werden. Ein solcher Missbrauch ist in der Tat immer möglich und zum Teil nicht so leicht zu durchschauen. Wozu auch Firmen beitragen, die Unternehmen oder Personen das Erstellen und Aufhübschen von Einträgen als Dienstleistung anbieten.

Ebenfalls wurde kritisiert, dass Schüler und Studenten die Wikipedia zunehmend als Steinbruch entdeckten, um daraus ihre Haus- und Semesterarbeiten zu füllen. Ein Vorwurf, den man aber einem freien und kostenlosen Lexikon nur bedingt machen kann.

Standardthemen sind gefüllt

Derzeit gilt die Kritik an der Wikipedia weniger dem Produkt als den Strukturen, die sich dahinter in den vergangenen 15 Jahren etabliert haben. Dazu zählt der Vorwurf, dass der Anteil an Frauen bei den Autoren weiterhin recht gering sei und die meisten Texte von jungen, weißen und akademisch gebildeten Männern geschrieben würden. Zudem werde es für Einsteiger immer schwerer, die komplizierten Bearbeitungsregeln zu durchschauen und sich gegenüber den dominierenden Wikipedianern zu behaupten, die "ihre" Artikel inbrünstig verteidigen. Zuletzt mehrte sich auch die Kritik am Finanzgebaren der Wikimedia Foundation, die angeblich zig Millionen Dollar an Spendenmitteln hortet und sich auf Kosten der freiwilligen Autoren ein schönes Leben macht. Die Spannungen zwischen der deutschen Community und der Wikimedia-Geschäftsstelle nehmen zum Teil absurde Züge an.

Es ist in der Tat schon seit einigen Jahren nicht mehr so leicht, zu dem Eintrag über Adolf Hitler oder den Ersten Weltkrieg noch substanziell sinnvolle Änderungen hinzuzufügen. Daneben gibt es aber Tausende und Abertausende Artikel, die ohne großen Aufwand und große Widerstände erweitert werden könnten. Je mehr gute und "fertige" Artikel es über Standardthemen gibt, desto unattraktiver ist es, sich als Autor noch einzubringen.

Pflege und Aktualisierung wird immer wichtiger

Auch in anderer Hinsicht wird das Lexikon das Opfer seines eigenen Erfolgs. Je mehr Artikel es gibt, desto größer wird der Aufwand, diese aktuell und von Vandalismus freizuhalten. Artikel über Menschen, Firmen, Orte, die vor fünf Jahren angelegt wurden, können inzwischen völlig veraltet sein. Zwar ist es derzeit eine Sache von ungefähr 15 Minuten, jedes Quartal die Auflagenzahlen aller deutschen Printmedien in der Wikipedia zu aktualisieren. Selbst ganze Sätze lassen sich je nach Datenlage automatisch verändern. Doch in vielen Fällen lassen sich solche Prozesse mit Hilfe von Wikidata nicht automatisieren.

Der Autorenschwund ist auf der einen Seite verständlich. Andererseits bedeutet er, dass immer weniger Hardcore-Wikipedianer immer mehr Artikel überwachen und aktualisieren müssen. Schon aus Qualitätsgründen ist es daher unverzichtbar, neue Mitarbeiter zu gewinnen, die sich der Pflege dieser riesigen Wissenssammlung mit bald zwei Millionen deutschsprachigen Artikeln widmen. Die nächste Welle der Kritik lässt sonst nicht mehr lange auf sich warten.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)



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Frank64 21. Jan 2016

Und das hat noch keiner mit Belegen jedweder Art zusammengetragen, in einer Form, der Du...

Frank64 21. Jan 2016

Bist Du bei Deinen umfangreichen Wiki-Erfahrungen auch immer gleich auf solche wenig...

Frank64 21. Jan 2016

Na los, komm, ein Beleg.

ThadMiller 19. Jan 2016

Und vor fünfzig Jahren, in Papierform erschienene Werke waren da anders/besser? Glaub...

Heldbock 18. Jan 2016

Ich verstehe nicht, was an den Artikeln nicht aktuell sein soll. Klar, manchmal finde ich...


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