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Oneplus Two im Hands On: Das Flagship-Killerchen

Auch das zweite Smartphone von Oneplus kommt mit guter Ausstattung und einem verhältnismäßig niedrigen Preis. Golem.de konnte das Oneplus Two bereits antesten und überprüfen, ob sich ein Kauf lohnt.
/ Tobias Költzsch
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Golem.de konnte das neue Oneplus Two ausprobieren. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Golem.de konnte das neue Oneplus Two ausprobieren. Bild: Martin Wolf/Golem.de

Lange hatte Oneplus stückchenweise Details zu seinem neuen Smartphone Oneplus Two preisgegeben, bis das Gerät am 28. Juli 2015 endlich offiziell präsentiert wurde . Einige Ausstattungsmerkmale hat der Hersteller verbessert, andere sind - stellenweise überraschend - nahezu gleich geblieben oder wurden sogar entfernt. Golem.de konnte sich das Oneplus Two auf einem Event in Berlin schon etwas genauer anschauen.

Oneplus Two - Hands On
Oneplus Two - Hands On (01:09)

Auf den ersten Blick erkennt man durchaus, dass es sich beim Two um den Nachfolger des One handelt: Die Form ist sehr ähnlich, die Rückseite ist wieder etwas gewölbt. Beim Display hat Oneplus es bei der Konfiguration des One belassen: 5,5 Zoll mit einer Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln. Auch beim Oneplus Two führt das zu einem scharfen Bild, erst beim genauen Hinsehen fällt etwa bei kleiner Schrift ein Treppeneffekt auf. Das Display des Two soll heller sein als das des Oneplus One - was wir im kommenden Test des Smartphones untersuchen werden.

Direkt unter dem Display befinden sich wieder drei Sensortasten, über die der Nutzer zurückgehen sowie den Homescreen und die Übersicht der zuletzt geöffneten Apps aufrufen kann. Anders als beim Oneplus One sind diese Tasten deutlich besser beleuchtet. Die Home-Taste ist zudem ein Fingerabdrucksensor. Anders als etwa bei Samsung-Smartphones muss diese Taste beim Oneplus Two nicht gedrückt werden, um den Startbildschirm aufzurufen.

Fingerabdrucksensor und Alert Slider

Mit dem Fingerabdrucksensor kann der Nutzer sein Oneplus Two schnell und sicher entsperren. Genau testen konnten wir den Scanner nicht, bei der Einprogrammierung der Fingerabdrücke wurde unser Finger allerdings in vielen Schritten eingescannt, was darauf hindeutet, dass er in unterschiedlichen Lagen erkannt werden dürfte.

An der linken Seite des Smartphones befindet sich der Alert Slider - ein Schiebeschalter mit insgesamt drei Stellungen. Hier kann der Nutzer schnell und unkompliziert alle Benachrichtigungen ein- und ausschalten. In der Mittelposition werden nur Benachrichtigungen von bestimmten, vorher ausgewählten Kontakten angezeigt; bei allen anderen Kontakten bleibt das Oneplus Two stumm.

13-Megapixel-Kamera mit Laser-Autofokus

Auf der Rückseite hat Oneplus eine 13-Megapixel-Kamera mit Dual-LED-Fotolicht und Laser-Autofokus eingebaut. Von den technischen Daten ist die Kamera gleich der des Oneplus One; ob sich auch die Qualität der Bilder nicht unterscheidet, konnten wir in der kurzen Zeit nicht feststellen. Das werden wir in einem ausführlicheren Test nachholen. Auf den ersten Blick machten die Fotos des Oneplus Two einen guten Eindruck.

Während die Kamera und der Bildschirm verglichen mit dem Oneplus One gleich blieben sind, hat Oneplus im Inneren des Smartphones einiges verändert. Anstelle des Snapdragon 801 kommt jetzt ein Snapdragon 810 zum Einsatz - ein SoC, das nicht den besten Ruf hat, da er bei andauernder Benutzung sehr warm wird und seine Leistung drosselt. Dieses Problem versucht Oneplus durch eine wäremeleitende Heatpipe aus Kupfer und Software-Anpassungen zu beseitigen. Ob diese Maßnahmen helfen, konnten wir noch nicht überprüfen; auch hier benötigen wir das Gerät länger.

Auslieferung mit OxygenOS

Das installierte OxygenOS lief auf dem uns gezeigten Gerät jedenfalls sehr flüssig. Das Oneplus Two ist wahlweise mit 3 oder 4 GByte Arbeitsspeicher erhältlich - beide Varianten sollten dem Smartphone genügend Reserven geben, auch bei mehreren geöffneten Apps nicht ins Stocken zu geraten.

OxygenOS wird von zahlreichen Programmierern entwickelt, die zuvor an der alternativen Android-Distribution Paranoid Android arbeiteten. Bei der vor kurzem veröffentlichten ersten Version von OxygenOS war dies noch nicht zu merken - diese Version sah nicht nur aus wie ein pures AOSP-Android, im Grunde war es das auch. Extrafunktionen gab es noch nicht.

Rechteverwaltung und Dark Mode

Die auf dem Oneplus Two installierte Version von OxygenOS hingegen bietet mehr: Äußerlich sieht auch diese auf Android 5.1 basierende Distribution stark nach AOSP aus, bietet aber jetzt einige Zusatzfunktionen. Der Nutzer kann beispielsweise für jede einzelne App die jeweils geforderten Berechtigungen einzeln deaktivieren - etwa den Kamerazugriff oder die Standortermittlung.

Außerdem gibt es einen Dark Mode: Hier kann der Nutzer die Hintergrundfarbe aller Menüs von Weiß auf Schwarz ändern. Die Highlight-Farbe - also die Farbe, die zum Beispiel die Schrift im Einstellungsmenü hat - kann ebenfalls geändert werden. Zu den weiteren Personalisierungsoptionen gehört die Möglichkeit, die Belegung der Sensortasten umzukehren: Standardmäßig ist links der Zurück-Button, in der Mitte der Home-Button und rechts die Übersicht der zuletzt genutzten Apps. Diese Schaltfläche kann mit der der Zurück-Funktion getauscht werden. Wer lieber die Navigationsleiste als Software-Tasten im Display eingeblendet haben möchte, kann auch diese Option wählen.

Gute Verarbeitung und USB-Typ-C-Stecker

Die Verarbeitungsqualität des Oneplus Two erschien uns sehr gut: Die Rückseite unseres grauen Modells war wie beim grauen Oneplus One rau, dadurch liegt das Smartphone gut und rutschfest in der Hand. Die Rückseite ist wieder abnehmbar, der 3.300-mAh-Akku aber erneut nicht ohne Weiteres wechselbar. Anders als beim Oneplus One ist der Akku beim Two nicht einmal mehr zu sehen.

Einen Steckplatz für Micro-SD-Karten hat das Oneplus Two nicht, der Nutzer kann jedoch zwei SIM-Karten gleichzeitig nutzen. Interessant sind die zwei Metall-Pins am unteren rechten Rand der Rückseite: Denkbar sind hier Wechselcover, die Extrafunktionen wie NFC oder drahtloses Laden ermöglichen - Funktionen, die Oneplus nicht im Two eingebaut hat. Dabei hatte der Vorgänger Oneplus One beispielsweise einen NFC-Chip; dieser sei allerdings von den Nutzern zu selten gebraucht und daher im neuen Modell nicht mehr verwendet worden, wie Oneplus sagt. Im Zuge der aktuellen Mobile-Payment-Unternehmungen einiger Hersteller eine zumindest fragwürdige Argumentation.

In einem anderen Bereich hingegen ist Oneplus der Konkurrenz einen Schritt voraus: Das Oneplus Two wird über einen USB-Stecker des neuen Typs C geladen, der verdrehsicher ist und egal, wie herum man ihn einsteckt, passt. Clevererweise hat auch die Netzteil-Seite des Kabels einen Typ-A-Stecker, der Kontakte auf beiden Seiten hat und so ebenfalls verdrehsicher ist. Eine Schnellladeoption hat das Two nicht.

Fazit

Im ersten kurzen Test macht das Oneplus Two einen guten Eindruck auf uns. Es ist gut verarbeitet und bietet bei einem Preis von 340 Euro für die 16-GByte-Version mit 3 GByte Arbeitsspeicher und 400 Euro für das 64-GByte-Modell mit 4 GByte RAM eine Menge hochwertiger Hardware für wenig Geld.

Das Oneplus Two dürfte allerdings etwas weniger Wellen schlagen als das Oneplus One. Das liegt zum einen daran, dass es in der günstigen Version 70 Euro teurer ist als sein Vorgänger; zum anderen liegt es daran, dass mittlerweile technisch gut ausgestattete Mittelklasse-Smartphones für unter 300 Euro keine Seltenheit mehr sind. Dementsprechend ist der "Wow-Faktor" angesichts des Preises beim Two etwas geringer.

Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für 340 Euro kein anderes Smartphone mit einem Snapdragon 810, 3 GByte Arbeitsspeicher, einer 13-Megapixel-Kamera und einem Fingerabdrucksensor gibt. Ein kleiner Wermutstropfen dürfte für manche Nutzer der abgeschaffte NFC-Sensor sein, auch eine Schnellladefunktion dürften manche vermissen.

Das Oneplus Two wird wie das Oneplus One zumindest zunächst wieder nur auf Einladung verfügbar sein. Oneplus zufolge haben sich innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Vorstellung bereits 1 Million Interessenten registriert. Wie viele Geräte zum Marktstart am 11. August 2015 dann tatsächlich verschickt werden, konnte uns der Hersteller nicht sagen.

Insgesamt scheint uns nach unserem ersten Kurztest das Two ein lohnenswertes Smartphone zu sein. Wer ein Oneplus One oder ein anderes Top-Smartphone besitzt, dürfte vielleicht keinen wirklichen Grund haben, auf das neue Modell zu wechseln. Für Besitzer älterer Smartphones, die ein aktuelles Gerät für wenig Geld kaufen möchten, ist das Oneplus Two aber gut geeignet. Ein Flagship-Killer, wie Oneplus auch das Two wieder bezeichnet, ist das Gerät aber nicht; eher ein Killerchen.


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