Oneplus Open im Hands-on: Fast fehlerloser Falter

Oneplus durfte in Deutschland wie sein Mutterunternehmen Oppo fast ein Jahr lang keine Smartphones verkaufen - in diesen Zeitraum fiel unter anderem der Start des Oneplus Open, des ersten faltbaren Smartphones des chinesischen Herstellers. Nachdem der Lizenzstreit mit Nokia beigelegt ist, kann das Oneplus Open(öffnet im neuen Fenster) nun auch in Deutschland gekauft werden - und das ist gut, wie unser Hands-on auf dem MWC 2024 zeigt.
Das Oneplus Open folgt wie das Pixel Fold von Google der Strategie, zusammengeklappt wie ein normales Smartphone nutzbar zu sein. Das Außendisplay ist 6,31 Zoll groß und hat ein Seitenverhältnis von 20:9 - damit hat es ähnliche Ausmaße wie der Bildschirm eines herkömmlichen Smartphones und ist etwas schmaler als der Außenbildschirm des Pixel Fold.
Gute Handhabung dank breitem Außendisplay
Wir merken direkt, dass dieses Format wesentlich praktischer ist als das der Galaxy-Fold-Smartphones von Samsung, die einen wesentlich schmaleren Außenbildschirm haben. Vor allem beim Tippen finden wir das Oneplus-Format besser, zudem lässt sich auch mal ein Video schauen.

Die Auflösung liegt bei 2.484 x 1.116 Pixeln, die Bildqualität und die Blickwinkelstabilität sind sehr gut. Das Display unterstützt Bildraten zwischen 10 und 120 Hz und ist im HDR-Modus bis zu 2.800 cd/m² hell. Die durchschnittliche maximale Helligkeit liegt bei 1.400 cd/m².







Zusammengeklappt ist das Oneplus Open knapp 12 mm dick und misst damit nur unwesentlich mehr als ein Smartphone herkömmlicher Bauweise. In der Hosentasche fühlt sich das Gerät entsprechend auch nicht sperrig an, zumal die Außenmaße zusammengeklappt bei 153,4 x 73,3 mm liegen.
Klappen wir das Oneplus Open auf, faltet sich der innen liegende, 7,82 Zoll große Bildschirm auf. Dank einer Auflösung von 2.440 x 2.268 Pixeln und einer Bildrate von bis zu 120 Hz werden Inhalte sehr gut dargestellt. Das Display ist leicht matt, Fingerabdrücke lassen sich nur durch hartnäckiges Putzen entfernen. Aufgeklappt ist das Oneplus Open nur noch 5,8 mm dick, fühlt sich aber immer noch stabil an.
Kaum sichtbarer Knickfalz
Was uns angesichts unserer Erfahrungen mit den faltbaren Smartphones von Google, Honor und Samsung überrascht hat, ist der Falz in der Mitte des Bildschirms - bzw. der Umstand, dass dieser kaum vorhanden ist. Wo bei den anderen Herstellern vor allem bei leicht seitlicher Betrachtung mehr oder weniger deutlich ein Falz erkennbar ist, ist dieser beim Oneplus Open sehr unauffällig.
Erst wenn wir von der Seite auf das aufgeklappte Display schauen, können wir erkennen, dass es an dieser Stelle zusammengefaltet wird. Die Bildstörungen sind aber minimal und wesentlich geringer als bei den anderen Herstellern. Alles in allem ist der innen liegende Bildschirm sehr gelungen, auch von den Farben und der Schärfe her. Die durchschnittliche maximale Helligkeit liegt Oneplus zufolge bei 1.400 cd/m², die maximale Helligkeit im HDR-Modus bei 2.800 cd/m².
Stabiles Scharnier, aber nur geringer Schutz vor Wasser
Das Scharnier macht einen sehr stabilen Eindruck auf uns, es lässt sich sehr geschmeidig bedienen. Die Kanten an der Innenseite zum Display hin sind mit Kunststofflippen gesichert, das Smartphone hat allerdings keinen IPx8-Schutz wie etwa das Galaxy Fold 5 von Samsung, sondern nur IPx4 - also lediglich Schutz gegen allseitiges Spritzwasser.







Auf der Rückseite des Oneplus Open ist eine Dreifachkamera verbaut, die Oneplus zusammen mit Hasselblad entwickelt hat. Die Hauptkamera hat 48 Megapixel (Sony LYT-T808), eine Blende von f/1.7 und einen optischen Bildstabilisator. Die Superweitwinkelkamera verwendet einen Sony IMX581 mit ebenfalls 48 Megapixeln, der Bildwinkel liegt bei 114 Grad.
Die Telekamera ist in Periskopbauweise verbaut und verwendet einen Omnivision OV64B mit 64 Megapixeln. Die Kamera bietet eine dreifache optische Vergrößerung und verwendet wie die Hauptkamera einen optischen Bildstabilisator. Videos lassen sich mit dem Oneplus Open in maximal 4K mit bis zu 60 fps aufnehmen.
Die Bildqualität macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck, allzu genau konnten wir uns die Kamera auf dem Messestand aber nicht anschauen. Eine genaue Beurteilung der Kameraqualität muss bis zu einem ausführlichen Test warten. Verwenden wir die Kamera im aufgeklappten Modus, können wir das dann in Richtung zu fotografierender Motive liegende Außendisplay als Vorschaubildschirm verwenden. Wir können den Außenbildschirm auch nutzen, um die Kamera zu bedienen, und so auch Selbstporträts mit den Hauptkameras machen.
Android 14 und gutes Multitasking
Das Oneplus Open kam zum Marktstart mit Android 13 in den Handel, mittlerweile gibt es das Update auf Android 14. Im zusammengeklappten Modus unterscheidet sich die Benutzeroberfläche nicht von der eines herkömmlichen Oneplus-Smartphones. Klappen wir das Gerät allerdings auf, wird eine Taskleiste am unteren Bildrand eingeblendet.
Diese ist in verkleinerter Form auch dann zu sehen, wenn wir eine App geöffnet haben. Auf diese Weise können wir recht schnell von einer App zur nächsten springen. Über die Taskleiste können wir auch gleich zwei Apps auf einmal im Split-Screen-Modus starten. Verwenden wir gerade eine App, können wir diesen Modus starten, indem wir eine zweite Anwendung über die Taskleiste in den Bildschirm ziehen. Die Leiste bietet auch Zugriff auf den App-Drawer.
Eine dritte App lässt sich in einem kleinen Fenster einblenden - falls die Anwendung das unterstützt. Ist das nicht der Fall, wird der Bildschirm um einen Bereich unter den aktuellen Apps erweitert, in den wir über eine Wischgeste gelangen können. Nutzer können also quasi mehrere Desktops auf dem Oneplus Open verwenden.







Im Inneren des Oneplus Open steckt ein Snapdragon 8 Gen 2, also der Vorgänger von Qualcomms aktuellem Premium-SoC. Das Chipset ist immer noch sehr leistungsfähig, im Bereich KI-Berechnungen aber ist der neuere Snapdragon 8 Gen 3 wesentlich leistungsstärker. Das Oneplus Open lief in unserem kurzen Test sehr flüssig.
Zur Akkulaufzeit können wir noch keine Aussagen treffen. Das Oneplus Open hat einen Akku mit 4.805 mAh, der sich per Kabel mit 67 Watt schnellladen lässt. Das Smartphone unterstützt 5G, Wi-Fi 7 und Bluetooth in der Version 5.3. Der Arbeitsspeicher ist 16 GByte groß, der Flash-Speicher 512 GByte.
Fazit
Das Oneplus Open macht in unserem ersten Kurztest einen sehr guten Eindruck. Das Smartphone weist gegenüber der Konkurrenz einige Vorzüge auf, etwa das Format des Außendisplays und vor allem den kaum sichtbaren Falz des Innendisplays.
Die Qualität beider Displays ist sehr gut, auch die Multitaskingfähigkeiten des verwendeten Android erscheinen uns sinnvoll. Dass das Smartphone den älteren Snapdragon 8 Gen 2 verwendet, liegt schlicht an der Tatsache, dass das Gerät mit einem halben Jahr Verspätung nach Deutschland kommt - wegen des kürzlich beendeten Lizenzstreits.
Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Das Oneplus Open kostet in Deutschland immer noch 1.800 Euro, bei zuverlässigen Onlinehändlern ist das Gerät nicht für wesentlich weniger zu bekommen. Das ist für ein Smartphone, das ein halbes Jahr alt ist, ein stolzer Preis, selbst wenn es sich um ein faltbares handelt.



