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Olympus OM-D E-M5 Mark II im Test: Megahohe Auflösung und supertiefe Menüs

Mit der Retrokamera OM-D E-M5 Mark II will Olympus bis zu 40 Megapixel aufnehmen, obwohl der Sensor nur 16 Millionen Bildpunkte hat. Spitzenleistungen werden auch dem Bildstabilisator und dem Autofokus nachgesagt. Wir haben uns das Gerät im Langzeittest angesehen.
/ Andreas Donath
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Olympus OM-D E-M5 Mark II (Bild: Andreas Donath)
Olympus OM-D E-M5 Mark II Bild: Andreas Donath

Wer die Olympus OM-D E-M5 Mark II(öffnet im neuen Fenster) zum ersten Mal in den Händen hält, wundert sich über die Kompaktheit der Systemkamera. Sie erinnert mit ihrem silberfarbenen Deckel und dem schwarzen, strukturierten Gehäuse an die Pentax-Spiegelreflexkameras aus den 70er-Jahren, ist jedoch ein Stück kleiner. Dennoch lässt sie sich dank einiger gummiartiger Anbauten auch mit großen Händen gut und ermüdungsfrei halten.

Die spiegellose Systemkamera mit einem Sensor im Micro-Four-Thirds nimmt 16 Megapixel große Fotos auf - und bei Bedarf auch mit 40 Megapixeln . Doch das ist nicht immer sinnvoll und klappt auch nicht bei jedem Motiv. Dafür überzeugt die Kamera mit einer oft guten Bedienbarkeit und einem überraschend schnellen Autofokus.

OM-D E-M5 Mark II (Herstellervideo)
OM-D E-M5 Mark II (Herstellervideo) (06:24)

Die Kamera ist mit einer fünfachsigen Bildstabilisierung ausgerüstet, ähnlich wie sie auch Sony in die Alpha A7 II eingebaut hat. Sie kann nicht nur Kipp- und Seitwärtsbewegungen, sondern auch Drehungen ausgleichen und funktioniert auch mit Objektiven, die selbst stabilisiert sind. Die Olympus-Kamera arbeitet mit einem 81-Punkt-Kontrastautofokus und soll damit besonders schnell sein, doch das behaupten auch Hersteller anderer Kameras, wie beispielsweise Samsung bei der NX1, die jedoch deutlich größer ist.

Robust und mit interessanten Ausstattungsdetails

Doch die Olympus hat neben ihrem kompakten Äußeren noch einen weiteren Vorteil. Sie kann bei Umgebungstemperaturen von -10 °C bis 40 °C betrieben werden und ist ausdrücklich auch wetterfest. Ein Regenschauer machte keinerlei Schwierigkeiten. Mit Fingerhandschuhen ist die Kamera allerdings nicht besonders leicht zu bedienen, weil die Knöpfe teilweise nicht weit genug hervorstehen.

Die Bedienung über den Touchscreen ist optional. Es gibt alternative Auswahlmöglichkeiten über das Menü beziehungsweise die Bedienungsknöpfe. Das 3 Zoll große Display ist dreh- und schwenkbar und kommt auf eine Auflösung von rund 1 Million Bildpunkten. Der Auslöser ist leicht zu erreichen und hat einen präzisen Druckpunkt, der ein Verwechseln zwischen Scharfstellen und Auslösen fast unmöglich macht.

Vorn befinden sich neben dem grellen, orangefarbenen Autofokus-Hilfslicht das Bajonett für das Micro-4/3-Objektiv sowie das vordere Einstellrad aus Metall, der Anschluss für ein externes Blitzgerät, die Objektivverriegelung und die Abblend-Vorschautaste, die sich aber auch anderweitig belegen lässt.

Auf der rechten Seite ist die Klappe für die Speicherkarte zu finden, die sich anders als bei vielen anderen Kameras dieses Segments nicht von allein öffnet, wenn die Kamera aus einer Tasche geholt wird. Auf der linken Seite sind unter einer Gummiklappe der Tonanschluss sowie ein Mini-HDMI-Ausgang und ein sogenannter Mehrfachanschluss angebracht, der mit einem speziellen Kabel auch zum Anschluss der Kamera per USB taugt.

Spezialkabel für den Kameraanschluss

Leider verwendet Olympus kameraseitig keinen Micro-USB-Anschluss, so dass das mitgelieferte Kabel besonders gut gehütet werden muss. Der Akku lässt sich darüber leider auch nicht aufladen; ein Ladegerät gehört deshalb ins Reisegepäck. Der Boden der Kamera wird durch die Klappe für den Akku und das Stativgewinde beherrscht. Zudem befindet sich dort noch ein Anschluss für den optionalen Hochformatgriff.

Die Kamerarückseite wirkt überraschend aufgeräumt. Neben dem Display befinden sich rechts vier Pfeiltasten mit der Bestätigungstaste "OK" in der Mitte, mit denen sich die Menüs bedienen lassen, die sich mit der gleichnamigen Taste links darüber aufrufen lassen. Oben rechts ist die "Info"-Taste zu finden, mit der sich verschiedene Bildschirm-Informationen ein- und ausblenden lassen. Dazu gehören zum Beispiel eine elektronische Wasserwaage, ein Echtzeit-Histogramm und Hilfslinien für die Bildkomposition sowie die zahlreichen Aufnahmeparameter.

Olympus OM-D E-M5 Mark II - Testvideo 1
Olympus OM-D E-M5 Mark II - Testvideo 1 (00:33)

Wer das alles nicht sehen will, kann auch eine Ansicht wählen, die nur das Motiv zeigt. Rechts der Augenmuschel, die vor dem elektronischen Sucher mit 2,36 Millionen Bildpunkten sitzt, befindet sich ein Wahlhebel, der die Belegungen der beiden Einstellräder oben rechts auf dem Handgriff umschaltet. So können mit einem Einstellrad zwei Parameter verändert werden.

Zwischen diesen Einstellrädern sind ganze vier Tasten untergebracht. Voreingestellt sind die Funktionen Video, Liveview, HDR und Highlights/Schatten. Alle Tasten lassen sich aber auch anders belegen. Bei HDR-Aufnahmen werden mehrere Aufnahmen mit wechselnden Aufnahmezeiten hintereinander gemacht und zu einem Bild mit hohem Kontrastumfang verrechnet. Oben links auf der Olympus sind die metallene Programmwählscheibe samt Arretierung und die Dioptrienverstellung zu finden.

Die Bedienung ist nicht immer eingängig

Die meisten Systemkameras sollen entweder dem Kompaktkamera-Lager Konkurrenz machen und sind besonders klein - wodurch ihnen viele Bedienungselemente fehlen -, oder sie sind praktisch so groß wie eine Spiegelreflexkamera, und der Anwender fragt sich, wo der Vorteil eines spiegellosen Systems zu finden ist. Olympus will hingegen einen Mittelweg gehen.

Die M5 II ist nicht die kleinste Kamera des Segments, hat dafür aber viele Hebel und Schalter. Das erleichtert ihre Bedienung, weil der Zugriff auf die Menüs im Alltag nur selten notwendig ist. Andererseits wirkt die Kameraoberfläche sehr zerklüftet, was Puristen vielleicht stört und Anfänger abschreckt, weil alles so kompliziert aussieht. Doch das ist es nicht.

Künstlerisch verfremdete Motive auf der Wahlscheibe

Die OM-D E-M5 Mark II kann wie die meisten aktuellen Kameras in einem vollautomatischen Modus betrieben werden und macht dennoch gute Fotos. Anfänger können sich langsam an die "besseren" Funktionen herantasten oder die spielerischen Varianten mit Fotofiltern und automatischer Szenenerkennung, Bilderrahmen und künstlerischen Effekten ausprobieren, die über die Programmwählscheibe selektiert werden.

Was die Bedienung der aufwendigeren Modi angeht, haben die Anfänger jedoch nicht ganz unrecht. Hier wird es teilweise ganz schön kompliziert. So hat Olympus einen Umschalter eingebaut, um eine doppelte Funktionsbelegung zu realisieren. Das ist angesichts des geringen Platzes durchaus sinnvoll. Leider besteht aber die Gefahr, dass der Benutzer im entscheidenden Moment vergisst, den Schalter umzulegen, um die Drehräder mit den gewünschten Funktionen auszustatten.

Olympus OM-D E-M5 Mark II - Testvideo 2
Olympus OM-D E-M5 Mark II - Testvideo 2 (00:25)

Selbst nach drei Wochen verstellten wir immer wieder den Weißabgleich und die Lichtempfindlichkeit statt der Blende und der Belichtungskorrektur. Das ist freilich nur die Belegung für die den Blendenvorwahl-Modus - bei der Verschlusszeitvorwahl oder dem manuellen Modus sind die Belegungen voreingestellt anders.

Epische Menütiefe macht fassungslos

Was uns wirklich erschreckt hat, sind die enorm tief gestaffelten Bildschirmmenüs. Neben sechs Hauptpunkten mit jeweils bis zu elf Unterpunkten haben diese noch einmal weit verzweigte Submenüs. Für einige Einstellungen ist ein ausführliches Handbuchstudium erforderlich, sonst werden sie kaum (wieder-) gefunden. Das gilt leider auch für Funktionen wie den Autofokus-Modus oder die Serienbildfunktion. Wer will, kann sich die Menüfunktionen im Handbuch ab Seite 162 online ( PDF(öffnet im neuen Fenster) ) ansehen.

Das Menü bietet allerdings einige Funktionen zur Individualisierung. Mehrere Testpersonen waren außerdem überrascht, dass die vermeintlich ausgewählte Funktion nicht aktiviert wurde - weil sie nach der Wahl statt des OK-Knopfs den Menü-Button drückten. Die Menü-Funktion bricht den Einstellvorgang jedoch ab. Die Ergonomie der Kamera wird jedoch nicht nur durch ihre Einstellmenüs beeinflusst. Vielmehr ist es auch das Gehäuse, das gut und intuitiv bedienbar sein muss.

Klein sein heißt nicht, klein bleiben

Die M5 II passt auch gut in größere Hände, doch es hängt sehr vom angesetzten Objektiv ab, ob das Gesamtpaket handlich ist oder nicht. Die winzige 25-mm-Festbrennweite macht die M5 Mark II fast tauglich für die Jackentasche, auf jeden Fall aber klein genug für die Handtasche. Zusammen mit dem schweren 12-40-mm-Zoom mit seiner durchgängigen 2,8er-Lichtstärke ist sie hingegen nur etwas für Rucksack oder Fototasche. Interessenten sollten sich darüber im Klaren sein, dass auch eine kleine Systemkamera sehr unhandlich werden kann, wenn gar ein Teleobjektiv angesetzt wird.

Wer gerne filmt, kommt bei der Kamera auch auf seine Kosten, zumindest im Full-HD-Bereich. 4K nimmt die Olympus nicht auf. Gestartet wird die Filmaufnahme mit dem gut erreichbaren Startknopf oben auf dem Gehäuse. Von dessen Gestaltung könnten sich andere Hersteller eine Scheibe abschneiden, die ihrerseits diese Knöpfe weit außen und ohne Verwackler fast unerreichbar tief in den Gehäusen platzieren.

Touchscreen und elektronischer Sucher für mehr Bedienkomfort

Wie oben angeführt, hat die Kamera einen elektronischen Sucher und ein nach oben und unten klappbares sowie drehbares Display, das auch als Touchscreen arbeitet. Wer will, kann es zur Festlegung von Schärfepunkten oder sogar zum Auslösen auf einen Fingertipp hin nutzen, doch das ist optional. Auch einige weitere Funktionen lassen sich so steuern, die auf dem Bildschirm sehr winzigen Text-Menüpunkte wählt der Anwender jedoch mit einer Kombination aus Einstellrad und Pfeiltasten an der Kamera aus. Besonders häufig verwendete Einstellungen können in einem Schnellmenü mit Symbolen angezeigt und verändert werden. Das klappt recht gut, verdeckt aber das Motiv. Die Ansichten sind übrigens für den elektronischen Sucher und das Display gleich.

Trotz elektronischem Sucher gute Motivkontrolle möglich

Das große Display ist hell, klar und recht unempfindlich gegen Sonneneinstrahlung, zumindest in der höchsten Helligkeitsstufe. Der elektronische Sucher arbeitet ohne merkliche Verzögerung und ist ausreichend groß, aber nicht vergleichbar mit dem riesigen Modell der Sony-Vollformatkameras. Dafür bildet es bis zu den Rändern hin scharf ab und überzeugt durch ausgewogene Farben, was bei derartigen Displays nicht immer selbstverständlich ist. Die Helligkeit passt sich der Umgebung an, was gerade bei schlechtem Licht verhindert, dass der Nutzer geblendet wird. Ein Augensensor soll automatisch zwischen Display und Sucher umschalten, doch er wird bei der Touchscreen-Bedienung auch ungewollt ausgelöst. Das kann nervig werden, lässt sich aber auch abschalten.

Olympus OM-D E-M5 Mark II - Testvideo 3
Olympus OM-D E-M5 Mark II - Testvideo 3 (00:23)

Das manuelle Scharfstellen ist mit der Kamera entweder mit einer elektronischen Lupe oder zugeschaltetem Fokus-Peaking möglich, wobei sich ein farbiger Schleier auf die Bildbereiche legt, die scharf sind. Das klappte in unseren Versuchen recht gut, wenngleich der Autofokus meist noch genauere Ergebnisse liefert. Die Bildstabilisierung wirkt auch beim manuellen Scharfstellen, was das Freihand-Einstellen auch bei längeren Brennweiten recht einfach macht.

Für Gelegenheitsknipser ist der manuelle Scharfstellmodus wie bei den meisten Kameras eher unnötig, zumal die Kamera selbst bei sehr schlechtem Licht zuverlässig scharfstellt, wenn sie das sehr helle Autofokus-Hilfslicht einschalten darf. Bei unseren Versuchen fühlten sich viele Personen davon geblendet.

Guter 5-Achsen-Bildstabilisator gegen verwackelte Bilder

Der Bildstabilisator ist auch sonst sehr hilfreich, wenn es darum geht, manuelle Einflüsse auf die Kamera zu dämpfen. Er soll es ermöglichen, bis zu 4,5 Blendenstufen länger mit der Hand zu belichten, in der Praxis sind es aber eher drei Blendenstufen, was aber natürlich auch von den Objektivbrennweiten und den Fähigkeiten des Fotografen abhängt. Durch längere Verschlusszeiten entstehen aber schnell Bewegungsunschärfen, was der Nutzer bei seiner Parameterauswahl bedenken sollte. Bei eher statischen Motiven kann auf hohe Lichtempfindlichkeiten verzichtet werden, um das Bildrauschen zu reduzieren.

Die 16 Megapixel des M-4/3-Sensors sind guter Durchschnitt, für Ausschnittsvergrößerungen reichen sie aber kaum aus. Doch Olympus hat der OM-D E-M5 Mark II einen ganz besonderen Modus spendiert, der die Technik der Sensor-Bildstabilisierung nutzt, um die Auflösung auf 40 Megapixel zu erhöhen. Dabei werden acht Einzelaufnahmen gemacht und der Sensor jedes Mal ein wenig verschoben. Die Kamera rechnet diese Aufnahmen wahlweise in ein JPEG oder ein Rohdatenbild um.

Spezialmodul für Photoshop

Dafür hat Olympus ein Extra-Modul(öffnet im neuen Fenster) für Adobes Photoshop entwickelt, mit dem derart große Rohdatenbilder "entwickelt" werden können. Die JPEGs lassen sich ganz normal öffnen. Der Modus hat seine Vor- und Nachteile. Es dauert einige Zeit, bis die acht Aufnahmen durchlaufen wurden - währenddessen sollte sich nichts im Motiv bewegen und auch die Kamera selbst sollte auf einem schweren Stativ sicher stehen. In der Praxis funktionieren solche Aufnahmen nur im Studio oder bei Landschaften, wobei hier schon Wind in den Ästen beim genauen Hinsehen für Bildstörungen sorgen kann. Architekturaufnahmen gelingen jedoch in ausgezeichneter Qualität. Für die gibt es sogar eine kamerainterne, manuelle Möglichkeit für die Korrektur stürzender Linien, doch ausgerechnet im 40-Megapixel-Modus funktioniert diese nicht.

Als Hauptkaufgrund taugt der 40-Megapixel-Modus nicht, er ist aber mehr als eine pure Spielerei, sondern hat bei einigen Anwendungszwecken durchaus seine Berechtigung.

Die Rohdaten der Olympus-Kamera werden unkomprimiert auf der SD-Karte abgelegt und bieten im Vergleich zu den JPEGs deutlich bessere Nachbearbeitungsmöglichkeiten. Das gilt für Farb-, aber vor allem für Belichtungskorrekturen. Unterbelichtete und scheinbar unrettbar verlorene Details lassen sich hier noch herausarbeiten.

Schnell und präzise beim Scharfstellen

Die Kamera arbeitet ausschließlich mit einem Kontrast-Autofokus mit 81 Messfeldern, die sich entweder in eine Gruppe mit neun Feldern zusammenfassen oder einzeln nutzen lassen. Wer will, kann auch eine kontinuierliche Messung mit zuschaltbarer Tracking-Funktion verwenden, wobei der Schärfepunkt einem sich bewegenden Bildbereich folgen kann. Das klappt bei langsamen Motiven recht zuverlässig, bei vorbeifahrenden Autos jedoch eher durchschnittlich gut.

Der normale Autofokus ist von seiner Geschwindigkeit her top - es gibt unserer Kenntnis nach kaum eine Systemkamera außer der teureren Olympus E-M1 mit Hybridautofokus, die nur annähernd so schnell und präzise ist. Die Gesichtserkennung kann sogar zwischen dem linken und rechten Auge unterscheiden, was bei sehr großen Blendenöffnungen sinnvoll ist.

Der kontinuierliche Autofokus ist nicht ganz so genau, gehört aber immer noch zu den besseren bei Systemkameras. Hier empfiehlt es sich, den Serienbildmodus ausgiebig zu nutzen und die Scharfstellung zwischen den Aufnahmen zu aktivieren. Dadurch steigt die Trefferausbeute deutlich. Die Olympus schafft zwar bis zu 10 Bilder pro Sekunde im Serienbildmodus, sollte jedoch in den langsameren Modus geschaltet werden, denn nur hier wird die Fokussierung zwischen den Aufnahmen korrigiert. Zudem sollte die Schärfepriorität aktiviert werden, damit die Kamera nur auslöst, wenn sie erneut scharf gestellt hat.

Kein integrierter Blitz, aber Aufsteckblitz in der Packung

Wer will, kann eine Vorfokussierung anstellen, die schon scharfstellt, wenn der Nutzer die Kamera vors Auge hält. Das verhilft gelegentlich zu etwas besseren Ergebnissen, aber diese Funktion ist genau wie die kontinuierliche Scharfstellung nicht freundlich zum Akku. Er ist für ungefähr 350 Bilder gut, wobei bemerkt werden muss, dass in der E-M5 MII kein Blitz eingebaut wurde. Ein klappbarer Mini-Aufsteckblitz (Leitzahl 9,1 bei ISO 100) ohne eigene Stromversorgung liegt dem Paket bei, für größere Aufnahmen sollte es jedoch ein Systemblitz sein, der von der Kamera auch drahtlos angesteuert werden kann.

Ladelösung unbefriedigend

Leider muss der Akku über ein separates Ladeteil aufgeladen werden und kann nicht, wie bei vielen Systemkameras mittlerweile üblich, auch über Micro-USB geladen werden. Es ist sogar ein Spezialkabel erforderlich, um die Kamera an den Rechner anzuschließen. Alternativ bietet sich die Nutzung des WLAN-Moduls der Kamera an, um sie fernzusteuern oder ihr Bildmaterial auf den PC oder ein mobiles Gerät zu übertragen. Ein GPS-Modul ist nicht vorhanden.

Filmen kann die OM-D E-M5 Mark II ebenfalls, aber nur in Full-HD in MPEG-4 AVC/H.264 mit 30 und 60p, auf Wunsch auch mit schnittfreundlichem All-Infra-Format ohne Interframe-Komprimierung. Die Bildstabilisierung ist auch beim Filmen aktiv und sorgt für sehr ruhiges Filmmaterial - doch bei Schwenks müssen die ersten Sekundenbruchteile oft weggeschnitten werden. Hier kämpft die Stabilisierung kurz sichtbar gegen die Bewegung an. Die Option "Sensoranpassung" (M-IS2) sorgt beim Filmen mit starken Kamerabewegungen für deutlich weniger Schwierigkeiten. Insgesamt bleibt die Videoqualität jedoch nur auf mittlerem Niveau. Wer viel filmen will, ist mit anderen Kameras beispielsweise aus der Sony-7-Serie besser bedient.

Kein Nachttier, aber auch kein Schattenmuffel

Die E-M5II ist keine Kamera für hohe ISO-Werte. Im Bereich von ISO 200 bis ungefähr ISO 800 stört das Rauschverhalten nicht, aber ab ISO 1.600 sind zunehmend aggressive Rauschbekämpfungsmaßnahmen erkennbar. Hier gehen viele Details im Bild verloren. Das ist besonders störend bei Ausschnittsvergrößerungen. Bei ISO 6.400 ist das Bildrauschen stark, und Fotos mit dem Maximalwert von ISO 25.600 sollten stark verkleinert werden, damit das Pixelgestöber und der Mangel an Details weniger auffallen. Als Alternative hat sich der Schwarz-Weiß-Modus bewährt, bei dem viele Anwender ein erhöhtes Rauschen als weniger störend empfinden.

Abgesehen von solchen Extremen ist die Bildqualität aber sehr gut. Das Bildmaterial kann durch seine hohe Detailauflösung überzeugen, was aber auch ganz wesentlich von den verwendeten Objektiven abhängt. Hier will Olympus für hohe Qualität auch viel Geld sehen. Darauf werden wir noch einmal zurückkommen. Beim automatischen Weißabgleich konnten wir keine groben Fehler erkennen, Mischlicht mit unterschiedlichen Temperaturen bringt praktisch jede Kamera aus dem Konzept.

Interessant ist die Kontrastanhebung, die schon bei den Standardeinstellungen der Kamera, zum Beispiel bei Ästen vor klarem Himmel in der 1:1-Ansicht, auffällt, bei verkleinerter Ansicht aber eher einen "knackigen" Eindruck hinterlässt. So einfach lässt sich das menschliche Auge täuschen. Doch das ist letztlich Kritik auf hohem Niveau - die Bilder der Kamera dürften im Alltag von Betrachtern eher als farblich ausgewogen und scharf bezeichnet werden.

Gut gefallen hat uns die Möglichkeit, bei Rohdatenbildern selbst aus scheinbar unaufhaltbaren Schatten beziehungsweise unterbelichteten Bildern in der Nachbearbeitung noch viel herausholen und die Bilder retten zu können.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Kameragehäuse kostet ungefähr 1.100 Euro im Versandhandel. Das empfehlenswerte, aber recht große und schwere M.ZUIKO Digital ED 12-40 mm 1:2.8 Pro (70 x 84 mm, Gewicht: 382 Gramm) kostet alleine rund 1.000 Euro, so dass die Kombination aus Kameragehäuse und 12-40-mm-Zoom für rund 1.800 Euro sehr günstig angeboten wird. Das leichte, lichtstarke und günstige M.Zuiko digital 25 mm 1.8 schwarz hingegen (58 x 42 mm, 137 Gramm) kostet nur 390 Euro und sollte für Einsteiger, die Wert auf eine günstige aber sinnvolle Kombination legen, erst einmal ausreichen. An der Olympus entsteht durch den Crop-Faktor des Sensors der Bildeindruck eines 50-mm-Objektivs.

Wer ein hervorragendes und recht leichtes 1:1-Makro sucht, wird beim M.Zuiko digital ED 60mm 2.8 für rund 540 Euro fündig. Es kann auch als Teleobjektiv verwendet werden und passt mit 56 x 82mm und einem Gewicht von 185 Gramm in jede Fototasche. Das kann man vom M.Zuiko digital ED 40-150mm 2.8 Pro nicht behaupten, das zwar mit 1.600 Euro das teuerste Objektiv des Testfelds ist, aber zusammen mit dem kleinen Zoom die meisten Ansprüche selbst von Profis abdeckt - Randabdunklungen oder chromatische Abberationen sind kaum zu erkennen, schon bei großer Blende gelingen scharfe Bilder, ein wenig Abblenden sorgt dafür, dass sie auch bis zum Rand hin scharf bleiben, Wer die Kamera mit dem Kitobjektiv und dem Telezoom erwirbt, zahlt dafür aber stolze 3.400 Euro.

Fazit: Eine Kamera für viele, aber nicht für jeden

Die Olympus E-M5 II hat Vor- und Nachteile. Die Autofokus-Geschwindigkeit und die Trefferquote sind außerordentlich hoch, obwohl nur ein Kontrastmessverfahren genutzt wird. Von der Samsung NX1 wird sie bei bewegten Motiven auch dank dort genutzter Hybrid-Autofokustechnik jedoch problemlos ausgespielt. Dennoch ist es erstaunlich, wie gut die Kamera beim Fokus-Tracking abschneidet.

Die Bildqualität ist besonders bei Rohdatenbildern sehr hoch, bei JPEGs fehlen gerade bei etwas höheren ISO-Werten schnell Details. Die Farbwiedergabe bei JPEGs ist bemerkenswert gut, doch Belichtungsfehler lassen sich am besten bei RAWs beheben. Wenn immer möglich, sollten Rohdatenbilder oder zumindest beide Bildformate parallel aufgenommen werden. Eine gelungene Abwechslung für alle, die nicht stundenlang mit Bildbearbeitungsprogrammen arbeiten wollen, sind die Filmsimulations- und Kunstfilter, die teilweise Instagram-artige Effekte schon in der Kamera erzeugen können. Es gibt sogar einen Aufnahmemodus, bei dem ein Motiv mit allen Kunstfiltern behandelt und die Ergebnisse einzeln abgelegt werden.

Der 40-Megapixel-Modus mag für Spezialfälle interessant sein, erfordert jedoch ein gutes Stativ und ein unbewegtes Motiv, was in der Praxis eher selten anzutreffen ist. Auf der Wunschliste von Videofilmern dürfte die Kamera nicht landen, dafür ist ihre Aufnahmequalität zu durchschnittlich. Dennoch: In manchen Situationen kann die Olympus auch hier durch die enorm gute Bildstabilisierung glänzen.

Wenig angetan waren wir von den Menüs. Wer sich hier schnell zurechtfindet, ist ein Gedächtniskünstler oder hat das Handbuch auswendig gelernt. Mit steigender Erfahrung dürften die meisten Funktionen in akzeptabler Zeit gefunden werden. Die Komplexität der Einstellungen lässt sich auch durch die vielen Knöpfe und Schalter nur annähernd zähmen, obwohl ihre Platzierung auf dem kleinen Gehäuse gut gelungen ist.

Im Konkurrenzumfeld muss sich die Olympus mit Kameras von Fujifilm, Panasonic und Sony messen lassen - und fällt als Exot auf. Das liegt vor allem an ihrer teilweise unkonventionellen Bedienung aber auch an der enormen Funktionsmenge, mit der Olympus die OM-D E-M5 Mark II geradezu gespickt hat. Wer sich von all dem nicht abschrecken lässt und eine sehr handliche, stark konfigurierbare Kamera innerhalb des M-4/3-Systems sucht, der macht mit der OM-D E-M5 Mark II nichts falsch, zumal man auf teilweise exzellente Objektive zurückgreifen kann, die allerdings ihren Preis haben.

Wie immer stellen wir eine Reihe von Rohdatenbildern ( ZIP(öffnet im neuen Fenster) ) und unbearbeitete JPEGs ( ZIP(öffnet im neuen Fenster) ) für eigene Experimente zur Verfügung. Zudem haben wir noch einige 40-Megapixel-Bilder ( ZIP(öffnet im neuen Fenster) ) separat zum Download bereitgestellt. Wer will, kann auch ein Video direkt aus der Kamera herunterladen ( mov(öffnet im neuen Fenster) ).


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