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Olympia CP3-F: Als Deutschland eine eigene CPU hatte

Für einen kurzen Moment war die deutsche Büromaschinenfirma Olympia bei der Entwicklung von Mikroprozessoren führend.

Eine Recherche von Martin Wolf veröffentlicht am
Peter Homfeldt zeigt ein Andenken an Olympia und Brunsviga. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)

Die Geschichte der ersten in Deutschland entworfenen CPU beginnt mit Schreibmaschinen. In den 1950er Jahren profitierte der Hersteller Olympia vom Aufschwung nach dem Krieg - und kaufte die Braunschweiger Firma Brunsviga Maschinenwerke AG auf, um neben dem klassischen Geschäft auch Rechenmaschinen anbieten zu können.

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Diese funktionierten damals noch mechanisch, aber umtriebige Ingenieure beider Firmen sahen einen zukünftigen Markt in der elektronischen Datenverarbeitung. Sie begannen im Geheimen, ein transistorbasiertes Rechensystem zu entwickeln. Es umfasste neben einem neuartigen Zeilendrucker eine Rechen- und Steuerungseinheit in Form eines Schreibtisches, die nicht sonst üblich den gesamten Raum füllte.

1962 präsentierte Olympia das Omega 203 getaufte Projekt auf der Interdata in München. Trotz großen Interesses wurde das Projekt jedoch gestoppt.

"Die haben tatsächlich dieses Labor hier abgeräumt, die sind hier bei Nacht und Nebel gekommen und haben alles, was dazugehörte und nicht sein durfte, abgeräumt." sagt der 83-jährige Peter Homfeldt. Er arbeitete damals schon im Unternehmen und betreut heute die Olympia-Ausstellung des Heimatvereins Schortens in Roffhausen - dem ehemaligen Produktionsstandort.

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"Die" - das waren keine Diebe oder Werksspione, es waren Vertreter des Mutterkonzerns von Olympia: AEG. Dessen damaliger Vorstand hatte eine klare Idee davon, wie die Aufgaben im Unternehmen aufgeteilt waren. Olympia sollte gewinnbringend Mechanik entwickeln und verkaufen. Alles, was mit Elektronik zu tun hatte, sammelte AEG unter der Marke Telefunken.

Video: Interview mit Peter Homfeldt zum Aufstieg und Niedergang von Olympia [10:10]

In Roffhausen an der Nordseeküste war das digitale Zeitalter somit beendet, bevor es überhaupt angefangen hatte. An einem anderen Ort in Niedersachsen, in Braunschweig bei Brunsviga, stellte man jedoch knapp zehn Jahre später junge Fachkräfte aus den Zuse-Labors ein, um einen erneuten Versuch zu starten. Unter ihnen war auch Jürgen Sorgenfrei, der eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des ersten deutschen Mikroprozessors spielte.

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