Brunsviga: Gehirn von Stahl

Der Ingenieur entwarf ab Ende der 1960er Jahre in kurzer Zeit einige patentwürdige Grundlagen der Schaltung für den Prozessor und schaffte es mit seinem Team, den Chip zur Serienreife zu bringen. Das CP3-F genannte System bestand aus vier Bausteinen und benötigte nur zwei weitere integrierte Schaltkreise, um zu einem vollständigen kaufmännischen Rechner mit Anzeige oder Druckwerk zu werden.

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Peter Homfeldt wurde aus Roffhausen nach Braunschweig geschickt, um sich das Projekt anzusehen und herauszufinden, ob und wie die Herstellung des Chips und einer dazugehörigen Maschine bewerkstelligt werden könnte.

Er berichtet: "Wir hatten Schwierigkeiten, überhaupt zu verstehen, was da passierte. Diese Mikroprozessorengeschichte war ja fast nicht zu begreifen. Und obwohl der Herr Sorgenfrei uns das sehr gut erklären konnte, war das für uns nicht in Produktion zu sehen. Wie wird denn sowas produziert? Was wir feststellen konnten war, dass die Vorbereitung, um diese Mikrochips herzustellen, groß war. Die mussten ja belichtet und geätzt werden - und die Geräte waren teuer, die dazu gehörten."

Homfeldt reiste unverrichteter Dinge wieder ab. Aber was er gesehen hatte, war ganz eindeutig die Zukunft.

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Noch jemand anderes besuchte Anfang der 1970er Jahre Jürgen Sorgenfreis Labor: David Chung kam aus den USA, um sich für seinen Arbeitgeber General Instrument das Chipdesign anzusehen. Es gefiel ihm so gut, dass er beschloss, sein erworbenes Wissen bei der Konkurrenz zu Geld zu machen. Kurz nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten kündigte er bei General Instrument und fing bei Fairchild an - im Gepäck hatte er die Unterlagen zum CP3-F.

Ab diesem Zeitpunkt spielte sich die weitere Geschichte des ersten deutschen Mikroprozessors auf der anderen Seite des Atlantiks ab.

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Weiterentwicklung in den USA

David Chung schaffte es zwar, einen Patenteintrag für sein abgewandeltes Design zu bekommen, aber General Instrument verklagte Fairchild. Der nun F8 genannte Mikroprozessor kam dennoch 1975 auf den Markt - in den USA.

  • Peter Homfeldt betreut das Olympia-Museum in Roffhausen. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Links ein eletronisches Typenrad, rechts ein Kugelkopf aus einer Schreibmaschine von Olympia (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • In den Museumsräumen finden sich Geräte aus der Firmenhistorie. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Neben Schreibmaschinen stellte Olympia auch Rechenmaschinen her. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Aus Braunschweig stammte die Technologie von Brunsviga. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Angekündigt, aber nicht vertrieben: der CP3-F. (Quelle: Funktechnik 12/1976)
  • Der Hinweis auf Fairchild erzählte nicht die ganze Geschichte. (Quelle: Elektronik Sonderheft III /1979)
Aus Braunschweig stammte die Technologie von Brunsviga. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)

In Deutschland finden sich ab dieser Zeit lediglich einige Ankündigungen des originalen Chips in Fachpublikationen, über eine Massenfertigung hierzulande wurde nicht berichtet.

Der AEG-Konzern schlug trotzdem noch Profit aus der Entwicklung: Aufgrund der Klage von General Instrument musste Fairchild den CP3-F ebenfalls lizenzieren - daraufhin wurde der Prozess Ende der 1970er Jahre eingestellt.

Eine digitale Weiterentwicklung bei Olympia fand nicht statt, auch das Labor um Jürgen Sorgenfrei wurde aufgelöst. Am norddeutschen Standort fingen zu dieser Zeit die Entlassungen an - die digitale Revolution hatte begonnen, mechanische Rechenmaschinen wurden obsolet.

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 Olympia CP3-F: Als Deutschland eine eigene CPU hatteMikroprozessoren statt Mechanik 
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mwo (Golem.de) 16. Mär 2022

Hi, das ist definitiv interessant - ich bin (abseits von einem Buch von Ilse Müller) aber...

Tom01 01. Mär 2022

Bitte Nebensätze nicht mit wo einleiten. So schlechtes Deutsch ist regelrecht schmerzhaft.

Tom01 01. Mär 2022

Ja, ich finde auch, dass er Recht hat.

48616842 26. Feb 2022

das bestätige ich gerne :) schätze euch gerade wegen solcher Inhalte! :)



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