Beruflich gingen Dahl und Nygaard bald getrennte Wege

Autos interessierten Ole-Johan Dahl und Kristen Nygaard nicht sonderlich, Olaf Owe erinnerte sich in einem Interview mit der Tageszeitung Fædrelandsvennen daran, dass Dahl seinen alten 2CV fuhr, bis er buchstäblich auseinanderfiel. Natürlich hätten die beiden geahnt, dass ihnen durch das Nein des NR "etwas ganz Großes" entging, aber um Reichtum sei es ihnen nie gegangen.

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Gleichwohl bleibe "ein bitterer Beigeschmack", erklärte Drude Berntsend, der damals Direktor der NR war, im Jahr 2013. Aber auch er verweist darauf, dass die Zeiten eben andere gewesen seien: "Wir hatten strenge Vorschriften, einfach so 150.000 Kronen zu verschenken, ging einfach nicht."

Nygaard gegen EU-Beitritt Norwegens

Nach der Entwicklung von Simula trennten sich die Wege von Dahl und Nygaard, befreundet blieben sie aber lebenslang. Dahl war maßgeblich am Aufbau des Informatikinstituts der Osloer Universität beteiligt, das 1977 eingeweiht wurde. Seine Aufgabe war es unter anderem, auf wissenschaftlicher Grundlage ein neues Studienfach zu schaffen, wozu auch Lehrbücher gehörten.

1972 hatte Dahl gemeinsam mit C.A.R. Hoare und Edsger Dykstra bereits Structured Programming verfasst. Anlässlich der Eröffnung des heutigen Kristen-Nygaard-Hauses spielte Dahl 1988 gemeinsam mit Donald E. Knuth vierhändig Rhapsody in Blue von George Gershwin.

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Nygaards berufliche Leidenschaft galt dagegen weiter der Entwicklung von Programmiersprachen. Von 1975 bis 1976 war er Gastprofessor an der Universität von Aarhus in Dänemark. Von 1977 bis 1986 arbeitete er gemeinsam mit Birger Møller-Pedersen, Informatikprofessor an der Osloer Universität, an der Programmiersprache Beta, die Konzepte wie das Überprüfen von Typ-Konsistenzen zur Compile-Zeit mitbrachte.

Norwegenweit bekannt wurde er dagegen mit einer politischen Initiative: Nygaard engagierte sich in der Gruppierung Nei til EU (deutsch: Nein zur EU) gegen einen geplanten EU-Beitritt des Landes und erhielt bald den Spitznamen "Nei-til-EU-General". 1990 gegründet, wurde die Organisation zur wichtigsten Stimme der EU-Gegner. Ihr größter Erfolg war das Ergebnis der Volksabstimmung am 28. November 1994, bei der die Norweger mit insgesamt 52,2 Prozent gegen den EU-Beitritt stimmten.

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Späte Ehrungen

Im November 2001 bekamen Dahl und Nygaard die John-von-Neumann-Medaille verliehen, im Februar 2002 folgte der Turing Award für das Jahr 2001 für die beiden Pioniere. Ihr Vortrag für die Verleihung, The Development of the Key Object-Oriented Concepts, ist die einzige Turing Award Lecture, die nie gehalten wurde. Am 29. Juni 2002 starb Ole-Johan Dahl im Alter von 70 Jahren an Krebs. 42 Tage später, am 10. August, starb Kristen Nygaard kurz vor seinem 76. Geburtstag an einem Herzinfarkt.

Die legendäre Tafel, vor der die beiden Männer so leidenschaftlich über Simula stritten, exisitierte mitsamt ihren Kreidenotizen weiter. Jedenfalls bis 2013, als akribisches Reinigungspersonal den Wert des historischen Stücks nicht erkannte und die zur Konservierung mit Klarlack überzogenen Beschriftungen entfernte.

James Gosling würdigte Simula später als die Sprache, die seine Gedankengänge rund um das Thema Programmiersprachen total verändert habe. Er habe sie definitiv im Hinterkopf gehabt, als er Java entwickelt habe. Møller-Pedersen sagte 2017 anlässlich des 50. Geburtstags von Simula 67: "Selbst heute, nach 50 Jahren, hat noch niemand eine bessere Möglichkeit gefunden, Software und Schnittstellen zu strukturieren."

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 Norwegen und die wirtschaftlichen Fehlentscheidungen
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PrinzessinArabella 31. Mai 2021

Harald Schmidt und Feuerstein denken :)

lestard 28. Mai 2021

Und was passiert dann mit dem Objekt, wenn darauf eine Methode aufgerufen wird, die den...

Astorek 26. Mai 2021

So pauschal würde ich das nicht beschreiben, letztlich kommt es immer auf das...

M.P. 25. Mai 2021

Jedenfalls für die Navigatoren früherer Zeiten, als man noch Sextanten bedienen...



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