''Die Physiker an der Uni fanden unsere Sprache albern''

"Wir haben eine Sprache erfunden, die es einfacher machte, Computer zu verstehen. Das war eigentlich auch schon alles", sagte Kristen Nygaard im August 1999 der Tageszeitung Dagbladet. Schon damals waren Bill Gates und der mittlerweile verstorbene Steve Jobs wohlhabende Stars der Computerwelt, zu deren Reichtum und Ruhm es die beiden norwegischen Pioniere nicht brachten.

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Nein, reich seien sie dadurch nicht geworden, "uns Forschern macht es aber auch am meisten Spaß, wenn etwas funktioniert und benutzt wird", sagte Dahl. Letzteres sei bei der objektorientierten Programmierung allerdings nicht von Anfang an der Fall gewesen. "Es gab sehr viel Widerstand. Ich erinnere mich noch genau daran, dass die Physiker an der Osloer Uni fanden, dass wir eine alberne Sprache erfunden hätten."

Die Welt erklären und zum Besseren verändern

Dahls große Leidenschaft war die Musik. Er spielte Klavier und hatte sogar überlegt, Musik zu studieren. Er verwarf diese Idee aber, weil er davon ausging, als Amateurmusiker mehr Spaß zu haben als als Profi. Olaf Owe, Informatikprofessor an der Osloer Universität und ehemaliger Doktorand von Dahl, erinnerte sich in einem Interview an eine bezeichnende Episode: "Er schaffte es sogar, für das Institut die Anschaffung eines Klaviers durchzusetzen, indem er es als analogen Tongenerator deklarierte."

Nygaard war sehr stark sozial engagiert, erinnerten sich Kollegen, Freunde und ehemalige Studenten aus aller Welt in Nachrufen. Programmiersprachen wie das von ihm und Ole-Johan Dahl entwickelte Simula seien für ihn ein Werkzeug gewesen, die Welt zu erklären und dadurch zum Besseren zu verändern. Anfang der siebziger Jahre beriet der langjährige Sozialdemokrat die norwegische Metall-Gewerkschaft in Fragen rund um Computer und arbeitete erste Datenschutzvereinbarungen für sie aus.

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Dass Dahl und Nygaard grundverschiedene Persönlichkeiten hatten, sei letztlich ausschlaggebend für ihren Erfolg gewesen, findet Owe. Nygaard habe "hochfliegende Ideen und Visionen gehabt, war kreativ und betrachtete die Dinge aus der Vogelperspektive". Dahl sei dagegen der "wirklichkeitsnahe Forscher gewesen, der Nygaards Einfälle veredelte und so weiterentwickelte, dass sie in der Praxis funktionierten - sie also sozusagen zurück auf den Boden brachte". Dadurch sei es möglich gewesen, "Grenzen zu sprengen".

Einig waren sich die beiden Pioniere selten, ihre lautstarken Streits sind legendär. Einmal eilte ein neuer Angestellter völlig aufgelöst zur Empfangsdame und fragte, was er tun solle, im zweiten Stock stünden zwei Männer vor einer Tafel und schrien sich an. Er befürchte, dass sie sich womöglich sogar prügelten. Die Frau antwortete gelassen: "Das ist keine gefährliche Situation, das sind bloß Kristen und Ole-Johan, die über Simula diskutieren."

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Donald E. Knuth erkannte das Potenzial von Simula

Aber auch ein ansonsten unschlagbares Duo muss Grenzen akzeptieren. Im Fall von Dahl und Nygaard war dies ein sehr schmerzliches "Nein" von NR zu einem Kooperationsangebot.

Dieses Angebot betraf Donald E. Knuth von der im Silicon Valley ansässigen Stanford University. Knuth war einer der ersten führenden Informatiker und später Autor von The Art of Computer Programming. Knuth arbeitete eigentlich an einer eigenen Simulationssprache, gab seine Versuche allerdings auf, weil Simula besser war.

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 Die Anfänge der objektorientierten ProgrammierungNorwegen und die wirtschaftlichen Fehlentscheidungen 
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PrinzessinArabella 31. Mai 2021

Harald Schmidt und Feuerstein denken :)

lestard 28. Mai 2021

Und was passiert dann mit dem Objekt, wenn darauf eine Methode aufgerufen wird, die den...

Astorek 26. Mai 2021

So pauschal würde ich das nicht beschreiben, letztlich kommt es immer auf das...

M.P. 25. Mai 2021

Jedenfalls für die Navigatoren früherer Zeiten, als man noch Sextanten bedienen...

pythoneer 25. Mai 2021

Why Isn't Functional Programming the Norm? Richard Feldman https://www.youtube...



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